Germanwings-Absturz Co-Pilot informierte Lufthansa 2009 über Depressionen

Während seiner Ausbildung im Jahr 2009 informierte Andreas Lubitz die Lufthansa über seine Depressionen. Das hat das Unternehmen jetzt öffentlich gemacht.


Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat die Lufthansa im Jahr 2009 als Flugschüler über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert. Das teilte das Unternehmen in einer Erklärung mit.

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Heft 14/2015
Ein Pilot, 149 Opfer

Darin heißt es, dass der Konzern der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nach weiteren Recherchen zusätzliche Unterlagen übergeben habe - insbesondere Ausbildungsunterlagen und medizinische Unterlagen. Darunter befindet sich demnach auch der E-Mail-Verkehr des Co-Piloten Andreas Lubitz mit der Verkehrsfliegerschule, in dem von der Erkrankung die Rede gewesen sei.

Lubitz war an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen ausgebildet worden, musste die Ausbildung jedoch ein halbes Jahr lang unterbrechen. Von den Ärzten der Lufthansa war er später als "fit to fly" eingestuft worden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte ihn nach dem Absturz als "100 Prozent flugtauglich" beschrieben, "ohne Einschränkungen und Auflagen".

Lebensgefährtin wusste von psychischen Problemen

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, dass Lubitz vor seiner Pilotenkarriere psychotherapeutisch wegen möglicher Suizidgefährdung behandelt worden war. Schon seit einigen Tagen ist zudem bekannt, dass der 27-Jährige am Tag des Unglücks eigentlich krank geschrieben war. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll der Pilot zuletzt eine ganze Reihe verschiedener Ärzte aufgesucht haben.

Die Lebensgefährtin von Lubitz wusste von psychischen Problemen ihres Freundes, ging aber offenbar davon aus, dass er sich auf dem Weg der Besserung befand. Der Nachrichtensender CNN zitierte am Dienstag einen nicht namentlich genannten Beamten einer europäischen Regierung mit den Worten, Lubitz' Freundin habe "die Ausmaße der Probleme nicht gekannt". Die junge Frau war am Wochenende im Beisein einer Polizeipfarrerin von Beamten befragt worden.

Die Ermittler gehen nach derzeitigem Kenntnisstand davon aus, dass der Co-Pilot die Maschine mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht hat.

Die "Bild"-Zeitung und das französische Magazin "Paris Match" berichten, von den letzten Sekunden an Bord des Germanwings-Fluges 4U9525 existiere ein Video. Es sei am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre.

Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin erklärte, er wisse nichts von einem solchen Fund. Es seien eine Reihe von Handys entdeckt worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand. "Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können." Auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, von einem solchen Video keine Kenntnis zu haben.

Lufthansa-Chef Spohr will am Mittwoch den Absturzort in den französischen Alpen besuchen. Begleitet wird Spohr dabei von Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann. In der nahe der Absturzstelle gelegenen Ortschaft Seyne-les-Alpes werden die beiden Manager zunächst das Hauptquartier der Einsatzkräfte besuchen. Anschließend wollen sie in der Ortschaft Le Vernet an einer Gedenktafel der 150 Opfer der Flugzeugkatastrophe gedenken.

wit/AFP

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