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Germanwings-Flug 4U9525: Nur ein Pilot war beim Absturz im Cockpit

Beim Absturz der Germanwings-Maschine war nur ein Pilot im Cockpit. Das berichten die "New York Times" und mehrere Nachrichtenagenturen, laut Reuters hat ein deutscher Ermittler die Angaben bestätigt. Der andere Pilot versuchte offenbar bis zuletzt vergeblich, die Tür zu öffnen.

Paris - Die französischen Ermittler haben die Aufzeichnungen aus dem Stimmenrekorder des abgestürzten Germanwings-Airbus ausgewertet. Aus den Aufnahmen geht offenbar hervor, dass einer der Piloten vor dem Sinkflug der Maschine das Cockpit verlassen hat und anschließend vergeblich versuchte, wieder zurückzukehren. Das berichtet die "New York Times".

"Der Mann draußen klopft leicht an die Tür, aber niemand reagiert", zitiert die Zeitung einen Ermittler. "Dann klopft er stärker an die Tür, und wieder keine Antwort. Es gibt keine Antwort. Und dann kann man hören, wie er versucht, die Tür einzutreten."

Es sei unklar, warum ein Pilot das Cockpit verließ. "Sicher ist, dass ganz zum Schluss des Fluges der andere Pilot allein ist und die Tür nicht öffnet." Ebenfalls unklar blieb, ob es sich bei dem ausgesperrten Besatzungsmitglied um den Piloten oder den Co-Piloten handelte.

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Germanwings-Absturz: Eindrücke vom Ort der Katastrophe
Die französische Nachrichtenagentur AFP bestätigte den "New York Times"-Bericht unter Berufung auf Ermittlerkreise. Am Donnerstagmorgen gab es dann auch eine Bestätigung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Dass nur ein Pilot im Cockpit gewesen sei, ergebe sich aus den Ermittlungen der Behörden in Frankreich, hieß es bei den Düsseldorfern, berichtet Reuters.

Ein mit den ausgewerteten Daten des Flugschreibers vertrauter Ermittler sagte demnach, es sei zunächst zu hören, wie sich die Besatzung auf Deutsch unterhalte. "Dann hört man die Geräusche eines Sitzes, der zurückgeschoben wird, dann eine Tür, die sich öffnet und wieder schließt." Anschließend seien Klopfgeräusche an der Tür zu hören. "Und von diesem Moment an bis zum Crash gibt es keine Unterhaltung mehr."

Hilfe von der französischen Armee?

Aus dem deutschen Ermittlerteam am Absturzort heißt es am Donnerstagmorgen zu den Berichten nur, man könne "absolut nichts dazu sagen". Die Experten wollen noch nicht einmal die Frage beantworten, ob sie die Aufnahme des Sprachrekorders aus dem Cockpit kennen. Diese Zurückhaltung ist freilich verständlich, schließlich leitet das französische Bureau d'Enquêtes et d'Analyses (BEA) mit Hauptsitz in Paris die Untersuchungen. Würde einer der internationalen Partner, außer den Deutschen sind auch die Spanier beteiligt, eigenmächtig vorpreschen, würde dies die Gastgeber vor den Kopf stoßen.

Interessant ist jedoch: Das BEA ist, genau wie die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), eine rein zivile Behörde. Die "New York Times" nennt als Quelle für ihren Bericht aber einen "hochrangigen Militär", der mit den Untersuchungen befasst sei. Noch ist unklar, inwieweit die BEA für die Untersuchung des Germanwings-Absturzes auf Hilfe der französischen Armee zurückgreift.

Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa gab bislang nur eine knappe Erklärung ab: "Wir haben derzeit keine Informationen vorliegen, die den Bericht der 'New York Times' bestätigen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Germanwings selbst äußerte sich ähnlich. "Wir werden uns bemühen, weitere Informationen zu bekommen, und werden uns nicht an Spekulationen beteiligen", teilte das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag mit. Die Ermittlung der Unfallursache obliege den zuständigen Behörden.

Der Co-Pilot der abgestürzten Maschine war seit September 2013 für die Fluggesellschaft tätig. Das teilte eine Lufthansa-Sprecherin mit. Er habe 630 Flugstunden absolviert. Vor der Anstellung sei der Mann an der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen zum Piloten ausgebildet worden.

Der Flugkapitän der Unglücksmaschine war nach früheren Angaben von Germanwings ein sehr erfahrener Pilot. Er war demnach seit über zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings geflogen und hatte auf dem A320 mehr als 6000 Flugstunden absolviert.

Staatsanwälte ermitteln

Offen bleibt, warum der Airbus A320 in den Sinkflug ging. Die Maschine verlor zwar rasch an Höhe, aber nicht so stark, dass die Ermittler einen schweren Schaden an dem Flugzeug vermuten. Die Piloten setzten keinen Notruf ab.

Die Behörden erhoffen sich nun weitere Erkenntnisse vom Flugschreiber. Die zweite Blackbox ist bislang aber nicht in dem Absturzgebiet in den französischen Alpen entdeckt worden.

Die Flugüberwachung hatte laut Staatsanwalt Brice Robin kurz vor dem Unglück vergeblich versucht, Kontakt zu dem Airbus herzustellen. Die Staatsanwaltschaft von Marseille ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Düsseldorfer Staatsanwälte übernahmen die deutschen Ermittlungen.

Am Mittwoch bargen Einsatzkräfte die Leichen der ersten Opfer. Sterbliche Überreste der getöteten Menschen seien von der Unglücksstelle weggebracht worden, sagte ein Sprecher der Polizei in Digne. Bei dem Flugzeugabsturz in einer unwegsamen Bergregion waren am Dienstag alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Flug 4U-9525
DPA

syd/chs/wit/dpa/AFP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 706 Beiträge
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1. ...
wanderer777 26.03.2015
Es gab schon einmal einen schlimmen Fall, bei dem ein Pilot den anderen aus dem Cockpit lockte, die Tür blockierte und die Maschine absichtlich zum Absturz brachte (Grund: Scheidung, Spielschulden) , dabei hunderte Menschen mit in den Tod riss. Hoffentlich war dies hier nicht auch die Ursache. Hoffentlich nicht.
2. Spekulationen
Süddeutscher 26.03.2015
Aber gesetzt den Fall, der eine Pilot hätte dem anderen den Zutritt verweigert, um in der Folge das Flugzeug zum Crash zu führen, dann eröffnete dies völlig neue Perspektiven der Einordnung. Erschreckende UND beruhigende...
3. Spekulation?
Henning Zachow 26.03.2015
Dieser Artikel legt jedem technisch unbedarften Leser nur eine einzige mögliche Variante in den Mund: Nämlich dass hier hier ein Pilot Selbstmord begehen wollte, und dabei 149 andere Menschen mit in den Tod gerissen hat. Vielleicht ein bisschen zu viel Spekulation zu diesem Zeitpunkt!
4. zuständig
ptex 26.03.2015
Wenn das stimmt, oh je :( Was mich aber wundert ist folgendes, wieso werden die Unfalluntersuchen und auslesen der Blackbox nicht in Deutschland durchgeführt ? Das war ein Flugzeug betrieben von einer Deutschen Airline mit leider mehrheitlich Deutschen opfern. Wieso ist die Blackbox in Paris wo die Unfallbehörde Pressekonferenzen auf natürlich nur Französisch gibt, das so ca. die meisten Deutschen nicht verstehen können. Und nun muss man über Umwege von der New York Times sowas hören, was soll das alles.
5. Sollte das zutreffen...
artusdanielhoerfeld 26.03.2015
...dann ist die Absturzursache an Tragik nicht zu überbieten: Die einbruchsichere Tür zum Cockpit als Anti-Terror-Maßnahme verhindert die Rückkehr des zweiten Piloten...
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Notfallnummern Germanwings-Absturz
Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890
Flugzeugunglücke bei Lufthansa und Tochterunternehmen
 
Der letzte Absturz einer Passagiermaschine der Lufthansa liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück. Das Unglück in Frankreich ist der erste Totalverlust eines Flugzeugs bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Hier eine Liste von Flugzeugunglücken des Lufthansa-Konzerns.
(Quelle: dpa)
Januar 1959
36 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Super Constellation in der Bucht von Rio der Janeiro (Brasilien)
Dezember 1961
3 Tote beim Absturz während des Testfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B südlich von Mainz
Juli 1964
3 Tote beim Absturz während des Übungsfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B nahe Petersdorf (Rheinland-Pfalz)
Januar 1966
46 Tote beim Absturz einer Convair 440 Metropolitan der Lufthansa am Flughafen Bremen
Dezember 1973
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 beim Landeanflug auf Neu Delhi (Indien)
November 1974
59 Tote beim Absturz eines Lufthansa-Jumbo Jets kurz nach dem Start vom Flughafen Nairobi (Kenia)
Juli 1979
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 an einem Berg nahe Rio de Janeiro (Brasilien)
Januar 1988
16 Tote beim Absturz einer Boeing 737 der Lufthansatochter Condor bei Izmir (Türkei)
Januar 1993
4 Tote beim Absturz einer im Auftrag der Lufthansa fliegenden Dash 8-300 der Contact Air vor der Landebahn des Pariser Flughafens Charles de Gaulle
September 1993
2 Tote, als eine A320 im polnischen Warschau über die Landebahn hinausschoss.
Juli 1999
5 Tote beim Absturz eines Flugzeugs der Lufthansa-Tochter Cargo India nach dem Start von Kathmandu (Nepal)


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