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Alkohol, Drogen, Medikamente: Piloten sollen unangemeldet kontrolliert werden

Lufthansa-Pilot in Frankfurt: Alle Flugkapitäne sollen künftig unangemeldet kontrolliert werden Zur Großansicht
AP/dpa

Lufthansa-Pilot in Frankfurt: Alle Flugkapitäne sollen künftig unangemeldet kontrolliert werden

Die Bundesregierung zieht Konsequenzen aus der Germanwings-Katastrophe: Einem Zeitungsbericht zufolge sollen Flugzeugpiloten künftig unangemeldet auf Alkohol, Drogen und Medikamente getestet werden.

Fluggesellschaften sollen künftig "dafür Sorge tragen, dass nur Luftfahrtpersonal eingesetzt wird, das befähigt und geeignet ist, eine sichere und ordnungsgemäße Beförderung zu gewährleisten" - so zitiert die "Süddeutsche Zeitung" aus einem Änderungsantrag der Bundesregierung zum Luftverkehrsgesetz. Auf diese Formulierung hat sich die Große Koalition dem Blatt zufolge am Freitag geeinigt.

Künftig sollen Flugzeugpiloten also unangemeldet auf Alkohol, Drogen und Medikamente kontrolliert werden. Die Bundesregierung zieht damit Konsequenzen aus dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen am 24. März 2015 - über entsprechende Pläne der Fluggesellschaften und der Bundesregierung hatte der SPIEGEL bereits im Dezember berichtet.

Die Fluggesellschaften sollten immer dann Kontrollen beim Luftfahrtpersonal durchführen und prüfen, ob es "unter dem Einfluss von Medikamenten, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen steht", wenn der Verdacht bestehe, dass die Dienstfähigkeit beeinträchtigt oder ausgeschlossen sei.

Darüber hinaus seien präventive Zufallskontrollen durchzuführen. Zudem soll dem Gesetzentwurf zufolge eine flugmedizinische Datenbank eingerichtet werden, um das sogenannte Ärztehopping zu vermeiden.

In den USA und Australien haben sich solche Zufallskontrollen der "Süddeutschen Zeitung" zufolge bewährt. Auch die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA werbe für eine europaweite Einführung, für deren Umsetzung die Luftfahrtunternehmen zuständig sein sollten.

Die Pläne für die Gesetzesänderung gehen auf eine Arbeitsgruppe zurück, die Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nach der Germanwings-Katastrophe eingesetzt hatte. Damals kamen alle 150 Insassen ums Leben, darunter viele Deutsche. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte der Co-Pilot seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht. Der 27-Jährige hatte nach Überzeugung der Ermittler psychische Probleme und Suizidgedanken.

nck/dpa

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Cockpit-Regel bei Fluggesellschaften
Region
Europa Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) empfiehlt die Einführung der Zwei-Personen-Regel.
Deutschland Alle Fluglinien haben sich auf die Einführung der Zwei-Personen-Regel ab sofort verständigt
Österreich Regierung führt Zwei-Personen-Regelung ab sofort ein
Regel angekündigt/jetzt eingeführt außerdem bei EasyJet, Norwegian Air Shuttle, Icelandair, Virgin Atlantic, Monarch, Thomas Cook Airlines (GB), Air Baltic, SAS, Air France, KLM
Regel bestand vor Absturz bei Jet2, Flybe, Ryanair, Czech Airlines, Travel Service, Finnair
USA Zwei-Personen-Regel ist in den Richtlinien der Flugsicherheitsbehörde FAA vorgeschrieben
Kanada Zwei-Personen-Regel war nicht vorgeschrieben, ist jetzt eingeführt
Regel bestand vor Absturz bei Air Transat
Asien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt bei Emirates, Etihad
Regel bestand vor Absturz bei indischen Fluglinien (Regel vorgeschrieben), Singapore Airlines
Ozeanien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt Neuseeland, Australien
Die Liste ist nicht vollständig und gibt den derzeitigen Kenntnisstand wieder (27. März, 18.30 Uhr)


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