Germanwings-Absturz Cockpit-Sprachrekorder beschädigt - aber offenbar nutzbar

Der Sprachrekorder des abgestürzten Germanwings-Airbus ist beschädigt. Laut Frankreichs Innenminister lassen sich dem Gerät dennoch Informationen entnehmen. Experten sollen es in Paris genauer untersuchen.


Paris - Warum stürzte der Germanwings-Airbus in den südfranzösischen Alpen ab? Die am Dienstag gefundene Blackbox könnte helfen, diese Frage zu beantworten. Das Gerät sei zwar beschädigt, könne aber immer noch Informationen liefern, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve in einem Radiointerview.

Eine Blackbox besteht aus zwei Systemen: einem Sprachrekorder, der Gespräche im Cockpit aufzeichnet; und einem Datenrekorder, der Informationen wie beispielsweise Fluggeschwindigkeit oder Flugrichtung speichert. Bei dem an der Absturzstelle gefundenen Gerät handelt es sich Cazeneuve zufolge um den Sprachrekorder.

Dieser zeichnet zwei Stunden lang alle Gespräche und Geräusche aus dem Cockpit auf, alles zuvor Gespeicherte wird kontinuierlich überschrieben. Wenn die Aufzeichnungen komplett erhalten sein sollten, müsste die komplette Flugzeit der Unglücksmaschine seit dem Start in Barcelona dokumentiert sein.

Experten seien damit beschäftigt, Informationen aus der Blackbox zu sichern, hieß es aus dem Innenministerium. Das Gerät werde zur Untersuchung nach Paris gebracht. Die Staatsanwaltschaft Marseille hat unterdessen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

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Absturz von Germanwings-Airbus: Einsatz in den französischen Alpen
Cazeneuve sagte, bei der Aufklärung des Absturzes müssten alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Ein Terroranschlag sei aber nicht das wahrscheinlichste Szenario. Laut Innenministerium sind Tausende Trümmerteile auf einige Hektar in der Bergregion verteilt. "Das führt uns zur Vermutung, dass der Aufprall sehr hart gewesen und mit hoher Geschwindigkeit erfolgt sein muss", sagte ein Ministeriumssprecher.

Erste Bergungsteams sollen am Vormittag an der Unglücksstelle eintreffen. Bereits am frühen Morgen waren Hubschrauber wieder über der Absturzstelle im Einsatz. "Alles ist pulverisiert. Man kann nichts mehr auseinanderhalten", sagte ein Feuerwehr-Leutnant der Zeitung "Le Monde".

Ohne Schnee, Regen oder stärkeren Wind waren die Witterungsbedingungen besser als zunächst erwartet. Zentraler Ausgangspunkt in die schwer zugängliche Absturzregion ist Seyne-les-Alpes. Von dem 1200-Einwohner-Ort aus sollten die mehr als 300 Polizisten und 380 Feuerwehrleute operieren.

Beim Absturz von Flug 4U-9525 sind laut Polizei alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Am Nachmittag werden Bundeskanzlerin Angela Merkel, Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy und Frankreichs Präsident François Hollande an der Unglücksstelle erwartet.

ulz/AFP/AP/dpa

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