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Germanwings-Absturz: Freundin des Co-Piloten wusste von psychischen Problemen

Von und , Düsseldorf

Unglücksregion in Südfrankreich: Absturz kostete 150 Menschen das Leben Zur Großansicht
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Unglücksregion in Südfrankreich: Absturz kostete 150 Menschen das Leben

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen konnte der Co-Pilot von Flug 4U9525 seine psychischen Probleme vor seiner Freundin nicht verbergen. Sie ging aber offenbar davon aus, dass sich der gesundheitliche Zustand von Andreas Lubitz gebessert hatte.

Die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Todespiloten Andreas Lubitz wusste von psychischen Problemen ihres Freundes. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen war der 26-Jährigen bekannt, dass Lubitz sich einer entsprechenden Behandlung unterzog. Sie ging aber offenbar davon aus, dass sich der 27-Jährige auf dem Weg der Besserung befand. Die junge Frau war in der vergangenen Woche im Beisein einer Polizeipfarrerin von Beamten befragt worden.

Der Nachrichtensender CNN zitierte am Dienstag einen nicht namentlich genannten Beamten einer europäischen Regierung mit den Worten, Lubitz' Freundin habe "die Ausmaße der Probleme nicht gekannt". Das Paar sei "optimistisch" gewesen, die gesundheitlichen Schwierigkeiten des Germanwings-Mitarbeiters gemeinsam bewältigen zu können.

Lubitz und seine Lebensgefährtin waren seit mehreren Jahren liiert. Gerüchte über eine Beziehungskrise, über die Medien spekuliert hatten, bestätigten sich nicht. Die Ermittler gehen daher derzeit davon aus, dass Lubitz den Airbus in einer Verzweiflungstat zum Absturz brachte. Demnach fürchtete er wegen seiner gesundheitlichen Probleme, seine Zulassung als Pilot zu verlieren.

Lubitz suchte verschiedene Ärzte auf

Nach Angaben der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft war Lubitz bereits vor Jahren in psychotherapeutischer Behandlung, noch ehe er seine Fluglizenz erhielt. Damals wurde auch eine Selbstmordgefährdung festgestellt. In den vergangenen Jahren habe Lubitz weitere Ärzte konsultiert, jedoch ohne dass ihm Suizidalität oder Fremdaggressivität bescheinigt worden sei, teilten die Ermittler mit.

Bei der Durchsuchung seiner Düsseldorfer Wohnung hatten Beamte am Donnerstag zahlreiche medizinische Unterlagen sichergestellt, aus denen sich inzwischen eine Krankengeschichte rekonstruieren lässt. So hatte ein Psychiater den 27-Jährigen zuletzt für fast zwei Wochen krankgeschrieben. Nach Angaben der Ermittler zerriss Lubitz das Attest und trat seinen letzten Flug an.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll der Pilot zuletzt eine ganze Reihe verschiedener Ärzte aufgesucht haben. Noch vor wenigen Wochen ließ er in der Düsseldorfer Uniklinik seine Augen untersuchen, jedoch ohne dass ein körperliches Leiden festgestellt werden konnte. Die Ärzte gingen von einer psychosomatischen Störung aus, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

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Cockpit-Regel bei Fluggesellschaften
Region
Europa Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) empfiehlt die Einführung der Zwei-Personen-Regel.
Deutschland Alle Fluglinien haben sich auf die Einführung der Zwei-Personen-Regel ab sofort verständigt
Österreich Regierung führt Zwei-Personen-Regelung ab sofort ein
Regel angekündigt/jetzt eingeführt außerdem bei EasyJet, Norwegian Air Shuttle, Icelandair, Virgin Atlantic, Monarch, Thomas Cook Airlines (GB), Air Baltic, SAS, Air France, KLM
Regel bestand vor Absturz bei Jet2, Flybe, Ryanair, Czech Airlines, Travel Service, Finnair
USA Zwei-Personen-Regel ist in den Richtlinien der Flugsicherheitsbehörde FAA vorgeschrieben
Kanada Zwei-Personen-Regel war nicht vorgeschrieben, ist jetzt eingeführt
Regel bestand vor Absturz bei Air Transat
Asien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt bei Emirates, Etihad
Regel bestand vor Absturz bei indischen Fluglinien (Regel vorgeschrieben), Singapore Airlines
Ozeanien
Regel angekündigt/jetzt eingeführt Neuseeland, Australien
Die Liste ist nicht vollständig und gibt den derzeitigen Kenntnisstand wieder (27. März, 18.30 Uhr)

Notfallnummern Germanwings-Absturz
Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890

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