Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Airbus A320: So funktioniert die Verriegelung der Cockpit-Tür

Von und

Bis zu den Anschlägen vom 11. September ließen sich Cockpit-Türen relativ einfach von außen öffnen. Seither wurden die Sicherheitsvorschriften erheblich verschärft - was aber auch zu Problemen führen kann.

Was passierte in den letzten Minuten im Cockpit des Airbus A320 von Germanwings? Zum Zeitpunkt des Absturzes in den französischen Alpen saß laut "New York Times" und der französischen Nachrichtenagentur AFP nur ein Pilot im Cockpit. Sein Kollege versuchte demnach vergeblich, die Tür von außen zu öffnen. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte dies am Mittag.

Viele werden sich die Frage stellen: Ist es überhaupt möglich, dass ein Pilot nicht zurück ins Cockpit gelangen kann?

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA seien Cockpit-Türen nicht mehr von außen zu öffnen. Dies entspreche den Vorschriften. Zuvor war es möglich, etwa mit einer an Bord vorhandenen Axt die Türen im Notfall einzuschlagen, wie das österreichische Flugmagazin "Austrian Wings" im Mai 2014 schrieb. Seither wurden sie massiv verstärkt und sind nun mit einem elektronischen Code gesichert.

Wie funktioniert der Verriegelungsmechanismus beim Airbus A320 genau?

Die Cockpit-Tür wird durch drei Riegel gesichert, drei Videokameras überwachen den Bereich davor. Im Fall eines Druckverlusts im Cockpit sollte sich die Tür automatisch öffnen. Ansonsten wird der Zugang vom sogenannten Cockpit Door Lock System (CDLS) geregelt. Es verriegelt die Tür elektronisch beziehungsweise gibt diese frei (Wie das System funktioniert, wird in diesem YouTube-Video erklärt).

Blick ins Cockpit eines A320 Zur Großansicht
[M] DPA, Airbus, SPIEGEL ONLINE

Blick ins Cockpit eines A320

Um das Flugdeck zu betreten, muss ein Zahlencode auf einem Tastenfeld an der Außenseite der Cockpit-Tür eingegeben werden. Der Code ist je nach Airline bis zu sieben Stellen lang.

Ein Pilot darf das Cockpit nicht ohne triftigen Grund verlassen. So schreibt es eine entsprechende EU-Verordnung vor. Es sei den seine Anwesenheit in der Kabine ist erforderlich oder er muss physische Bedürfnisse erledigen, zum Beispiel zur Toilette gehen. Bei der Rückkehr ins Cockpit gibt es zwei verschiedene Modi, die Tür zu öffnen - "Routine" und "Emergency". Im Routinefall ertönt für wenige Sekunden ein Summer im Cockpit, sodass der verantwortliche Pilot die Verriegelung elektronisch lösen kann.

Im Notfall hingegen bleibt der Summer dauerhaft an - und die Tür sollte sich nach kurzer Zeit auch ohne Hilfe öffnen lassen. Je nach Fluglinie liegt die Zeitspanne zwischen 15 und 120 Sekunden.

Allerdings ist es möglich, diesen Mechanismus aus dem Cockpit gezielt auszuschalten. Je nach Einstellungen der Airline ist es dann für 5 bis 20 Minuten nicht möglich, die Tür über das Tastenfeld zu öffnen. Erst nach Ablauf der Zeitspanne wäre dies dann wieder erlaubt.

Absturz 2013: Co-Pilot absichtlich ausgesperrt

Diese Maßnahmen sollen mehr Sicherheit bringen. Sie sollen verhindern, dass unbefugte Personen ins Cockpit gelangen können, so wie bei den Anschlägen vom 11. September 2001.

Als eine von vier Maschinen war damals United-Airlines-Flug 93 entführt worden. Passagiere versuchten daraufhin, die Cockpit-Tür einzurammen - vermutlich mit einem Servierwagen, wie aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders hervorgeht. Doch die Entführer verbarrikadierten sich und ließen die Maschine über Pennsylvania abstürzen.

Die seither verschärften Sicherheitsvorschriften können aber offensichtlich auch selbst zu Problemen führen - so wie bei einem Flugzeugabsturz im Herbst 2013 im Norden Namibias. Der Pilot aus Mosambik ließ die Maschine mit 34 Menschen an Bord absichtlich abstürzen. Laut Untersuchungsbericht schloss er sich im Cockpit ein, als der Co-Pilot gerade draußen war, ignorierte Warnsignale sowie Rufe des Co-Piloten, der Einlass forderte und gegen die Tür hämmerte.

Im September 2012 soll auf einem Flug von Ägypten nach Amsterdam ein Pilot am Steuer eines Passagierflugzeugs mehrere Minuten lang fest geschlafen haben. Der Co-Pilot saß nach Angaben der Vereinigung Cockpit alleine am Steuer, weil sein Kollege zur Toilette gegangen war. Als sich dieser nach der kurzen Pause zurück ans Steuer setzen wollte, sei ihm die Tür zum Cockpit vom Co-Piloten nicht geöffnet worden. Anrufe über das Bordtelefon seien erfolglos geblieben, erst gemeinsam mit der Kabinenbesatzung habe sich die Tür Minuten später öffnen lassen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 259 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. War vor einigen Wochen zu lesen:
steviespeedy 26.03.2015
Ein Pilot der Delta-Airlines hat sich in den USA selbst aus dem Cockpit ausgesperrt. Ist aber zum Glück nix weiter passiert.
2. Es gibt eine ganz einfache Lösung
fritz_strack 26.03.2015
Der Platz des zweiten Piloten wird für die Zeit seiner Abwesenheit von einem Flugbegleiter besetzt. So habe ich es kürzlich bei Ryanair erlebt.
3. Hatte diese Maschine bereits die neuere Tür?
yaba 26.03.2015
Wenn der Kommentar von rkan2 (https://plus.google.com/u/0/114540397163189013711/posts/BWqqwfyLeJ9) zu dem Video der Tür korrekt ist, dann haben erst Maschinen seit 2002 diese Tür mit dem Emergency Modus installiert. Die abgestürzte Maschine war ja von 1999.
4. Vier-Augen-Prinzip
zuerichente 26.03.2015
Ich selber viel im Flugzeug unterwegs und war 25 Jahre Privatpilot. Dabei habe ich gelernt, dass die Koordination im Cockpit extrem wichtig ist. Mein Vorschlag: wenn einer Piloten das Flightdeck verlässt, kommt vorübergehend eine Flugbegleiterin (vulgo Stewardess) ins Cockpit um zu verhindern, dass die verbleibende Person ausfällt oder auf dumme Gedanken kommt. Sie muss nicht fliegen, sondern nur die Tür von innen öffnen, wenn der zweite Pilot zurückkehren will. Dann gibt eben mal keine Getränke weiter hinten...
5. Vorschlag
m.brunner 26.03.2015
Für die Zukunft:: Immer wenn ein Pilot das Cockpit verläßt, dann muss eine Stewardess od. ä. seinen Platz im Cockpit einnehmen. So wäre nie ein Pilot alleine im Cockpit und dieses könnte bei Ohnmacht; Herzinfarkt etc. dann von der zweiten Person geöffnet werden. Zumindest hätte es ein absturzwilliger Pilot es dann schwerer. Ein Pilot alleine im Cockpit kann immer Bewußtlos etc werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Notfallnummern Germanwings-Absturz
Auswärtiges Amt
030 / 50 00 30 00
Flughafen Düsseldorf
0800 / 77 66 350
Germanwings
0800 / 11 33 55 77
Flughafen Barcelona
0034 / 900 808 890
Flugzeugunglücke bei Lufthansa und Tochterunternehmen
 
Der letzte Absturz einer Passagiermaschine der Lufthansa liegt bereits mehr als 20 Jahre zurück. Das Unglück in Frankreich ist der erste Totalverlust eines Flugzeugs bei der Lufthansa-Tochter Germanwings. Hier eine Liste von Flugzeugunglücken des Lufthansa-Konzerns.
(Quelle: dpa)
Januar 1959
36 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Super Constellation in der Bucht von Rio der Janeiro (Brasilien)
Dezember 1961
3 Tote beim Absturz während des Testfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B südlich von Mainz
Juli 1964
3 Tote beim Absturz während des Übungsfluges einer Lufthansa-Boeing 720 B nahe Petersdorf (Rheinland-Pfalz)
Januar 1966
46 Tote beim Absturz einer Convair 440 Metropolitan der Lufthansa am Flughafen Bremen
Dezember 1973
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 beim Landeanflug auf Neu Delhi (Indien)
November 1974
59 Tote beim Absturz eines Lufthansa-Jumbo Jets kurz nach dem Start vom Flughafen Nairobi (Kenia)
Juli 1979
3 Tote beim Absturz einer Lufthansa-Boeing 707 an einem Berg nahe Rio de Janeiro (Brasilien)
Januar 1988
16 Tote beim Absturz einer Boeing 737 der Lufthansatochter Condor bei Izmir (Türkei)
Januar 1993
4 Tote beim Absturz einer im Auftrag der Lufthansa fliegenden Dash 8-300 der Contact Air vor der Landebahn des Pariser Flughafens Charles de Gaulle
September 1993
2 Tote, als eine A320 im polnischen Warschau über die Landebahn hinausschoss.
Juli 1999
5 Tote beim Absturz eines Flugzeugs der Lufthansa-Tochter Cargo India nach dem Start von Kathmandu (Nepal)


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: