Jahrestag der Germanwings-Katastrophe Hunderte Angehörige trauern am Ort des Unglücks

Am 24. März 2015 zerschellte Germanwings-Flug 4U9525 in den französischen Alpen. Zum Jahrestag gedenken Angehörige vor Ort der Opfer. Und auch Lufthansa-Chef Spohr meldet sich zu Wort.


Zum ersten Jahrestag der Germanwings-Katastrophe in Südfrankreich ist an mehreren Orten der Verstorbenen gedacht worden. In Le Vernet, nahe des Unfallortes, legten mehr als 600 Angehörige um 10.41 Uhr, der Uhrzeit des Unglücks, eine Schweigeminute ein.

Die Lufthansa als Germanwings-Mutterkonzern hatte in dem kleinen Alpenort eine streng abgeschirmte Zeremonie organisiert. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte: "Dieser tragische Absturz hat unglaubliches Unglück über viele, viele Menschen gebracht. Dieses Unglück können auch wir nicht lindern, aber wir können zumindest den Angehörigen beistehen."

Alle 150 Menschen an Bord starben

Das Flugzeug war in den französischen Alpen zerschellt, nachdem der offenbar psychisch kranke Co-Pilot Andreas Lubitz den Sinkflug eingeleitet hatte. Alle 150 Menschen an Bord starben, 72 kamen aus Deutschland, darunter auch eine Gruppe aus 16 Schülern und zwei Lehrerinnen aus dem westfälischen Haltern.

Dort folgten am Jahrestag zahlreiche Bürger dem Aufruf von Bürgermeister Bodo Klimpel und hielten auf dem Marktplatz eine Minute lang inne. In den Kirchen der Stadt läuteten die Glocken. Anschließend wollten sich die Menschen zu einer Andacht in der katholischen Kirche St. Sixtus versammeln.

Unterdessen verschärft sich der juristische Streit zwischen der Lufthansa und Angehörigen über die Höhe des Schmerzensgelds. Opfer-Anwalt Elmar Giemulla bekräftigte, dass er in den USA höhere Summen erstreiten möchte. Der Konzern habe sich zwar "ganz korrekt verhalten nach deutschem Recht". Es gehe aber nicht nur um Beerdigungskosten, sondern darum, "dass Familien zerstört worden sind".

Die Lufthansa hat sich bereit erklärt, für jeden Toten 25.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen, darüber hinaus 10.000 Euro für jeden nächsten Angehörigen. In den USA sind für gewöhnlich deutlich höhere Entschädigungssummen möglich.

Suche nach "konstruktiven Lösungen"

US-Anwalt Brian Alexander, der in der kommenden Woche eine Schadensersatzklage in den USA einreichen will, sagte SPIEGEL ONLINE: "Ein Leben ist mehr wert als ein Mittelklasse-Mercedes."

Lufthansa-Chef Spohr bekräftigte seinen Willen für "konstruktive Lösungen". "Wir haben von Anfang an gesagt, wir werden uns großzügig zeigen, und haben uns auch im ersten Jahr großzügig gezeigt."

sms/dpa/AFP

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