Gesangswettbewerb im Gefängnis Dem Sieger winkt die Freiheit

Manch einer wünscht sich vielleicht, "Superstar" Daniel Küblböck möge wegen akkustischer Körperverletzung eingesperrt werden. In Russland geht man den umgekehrten Weg: Dort winkt dem Sieger eines Knast-Song-Contest die sofortige Freilassung.


Sie sang für ihr Land - die russischen Häftlinge für ihre Freiheit: Serab Erener, Siegerin beim echten Grand Prix 2003
DPA

Sie sang für ihr Land - die russischen Häftlinge für ihre Freiheit: Serab Erener, Siegerin beim echten Grand Prix 2003

Moskau - Sie singen für die Freiheit. Und zwar die eigene. Russische Häftlinge treten in Moskau zu einem Gesangswettbewerb an, der weltweit einmalig sein dürfte: Dem Sieger winkt weder Plattenvertrag noch Preisgeld - sondern die Haftentlassung.

Von den mehr als 800.000 Sträflingen in Russlands überfüllten Gefängnissen und Lagern hatten sich 800 mit Videos oder Bandaufnahmen beim Justizministerium für das Finale beworben, 23 treten jetzt im Knacki-Contest gegeneinander an.

Musikalisch bieten die Teilnehmer ein breites Spektrum: von gitarrenbegleiteten Eigenkompositionen bis zum Rap. Damit die Verlierer nicht mogeln und sich auch ohne Sieg aus dem Staub machen, soll der Wettbewerb unter starken Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Hoffnung machen sich alle singenden Gefangenen, die es ins Finale geschafft haben: "Wenn der Sieger wirklich freigelassen wird, dann will ich gewinnen", sagte die wegen Betrugs zu acht Jahren Haft verurteilte Jelena Koslowa bei der Generalprobe.

Rechtlich hängt die Amnestierung übrigens nicht nur von einer schönen Stimme ab. Auch die Sieger müssen mindestens die Hälfte oder zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen haben. Das sei in Russland die Voraussetzung für eine Amnestierung, heißt es im Justizministerium.



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