Geschlechter-Studie Der neue Mann kommt nicht voran

Frauen sind anders und Männer sowieso. Und "neue Männer", will die wirklich jemand? Eine Studie kam jetzt zu dem Ergebnis: Offensichtlich nicht.

Von Domenika Ahlrichs


Berlin - Eigentlich ist es längst klar. Spätestens seit Ina Deter es vor gut zwei Jahrzehnten in alle Welt hinaus sang, wissen wir: "Neue Männer braucht das Land." Sie werde es an "jede Wand" schreiben, versprach die Rockröhre damals. Hätte sie es nur getan. Vielleicht hätte das was bewirkt. Und es hätte im Jahre 2003 keine Studie mehr geben müssen, die sich einzig mit der Frage beschäftigt: "Wollen Frauen den neuen Mann?"

Doch die gibt es. 70 Seiten ist sie lang, obwohl mit einem einfachen "Ja" alles gesagt gewesen wäre. Die Sozialwissenschaftler Peter Döge und Rainer Volz haben sie erstellt und am Freitag in der Konrad-Adenauer-Stiftung präsentiert.

Viel Überraschendes war da nicht zu hören. Männlichkeit werde noch immer assoziiert mit wirtschaftlichem Erfolg und Macht, Frauen würden die Attribute "gefühlvoll, gepflegt, mitfühlend, erotisch und gesellig" zugeschrieben. Wer sich als "neuer" Mann versuche, also traditionell weiblich besetzte Tätigkeiten wie Kochen, Putzen und Kinderbetreuung übernehme, gelte schnell als "unmännlich" und wenig attraktiv. Selbst ein hoher Prozentsatz von Frauen, die nach eigenem Bekunden Männer im Erziehungsurlaub sympathisch finden, definierten dieses Verhalten letztlich als "nicht gut zu einem Mann passend", referierte Volz.

Trotz aller Bereitschaft der Männer dazu, sich von althergebrachten Rollenbildern zu befreien gebe es "eine gewisse Konstanz in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung": Männer arbeiten nach wie vor hauptsächlich Vollzeit, Frauen arbeiten Teilzeit und übernehmen den Großteil der Betreuung von Kindern. So weit, so bekannt.

Fazit: Der "neue" Mann kommt nicht nicht voran. "Wie kann Geschlechterpolitik neuen Männern zu mehr Durchbruch verhelfen", fragt denn auch das Autorenpaar in seiner Studie und kommt zum Ergebnis: Bisherige Geschlechterpolitik sei "überwiegend Frauenpolitik" gewesen. Damit habe sie sich "die Chance verbaut, das Geschlechterverhältnis im Ganzen zu gestalten und zu verändern". Statt Frauen- nun die Männerquote? Volz formulierte es so: "Wer mehr Frauen im Management von Unternehmen möchte, muss zugleich Männern die Möglichkeit eröffnen, sich mehr in der Familien- und Betreuungsarbeit zu engagieren."

Warum das bisher nur so rudimentär geschehen sei? Da gab es eine verblüffende Antwort, die sich auf die Aussage reduzieren lässt: Die Frau ist schuld. Es sei "das Verharren von Frauen in alten Rollenklischees, die das Zusammenleben maßgeblich beeinflussen", heißt es im Vorwort der Studie. Er wolle natürlich keineswegs Frauen "die alleinige Verantwortung für ein bestimmtes Verhalten der Männer in Haushalt und Erziehung" geben, sagte Döge, doch eines der Ergebnisse ihrer Untersuchung sei nun mal, dass Frauen "ihren Anteil an der Veränderung respektive der Blockierung von Geschlechterrollen" hätten.

Belegbeispiel auf Seite 50: "Nicht selten wollen Frauen die 'Haupt- und Letztverantwortung für den Haushalt' in ihrer Hand behalten, was häufig mit dem Sauberkeitsstandard begründet wird." Schon bevor die befragten Männer im Haushalt aktiv hätten werden können, sei die Arbeit von der jeweiligen Partnerin erledigt worden. Da lachten die Frauen im Publikum.

Frauen sollten sich nicht gegen veränderte Verhaltensweisen von Männern stemmen, sondern ihren Partnern "zumindest annähernd gleichwertige Kompetenz zubilligen", warb Volz für ein neues Verständnis von Emanzipation. Künftig sollten nicht mehr nur Frauen in den Genuss von Angeboten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie kommen.

So wie in Schweden zum Beispiel. Dort werde eine Auszeit für junge Väter nicht nur vom Arbeitgeber ermöglicht, sondern der profitiere sogar davon. "Die Männer kommen sehr viel motivierter, loyaler aus dieser Elternzeit zurück", wusste Volz zu berichten. Allerdings, und das sagte er mit einem Augenzwinkern: "Die nehmen sich ihre Auszeit meistens in den Sommermonaten."



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