Geschmackssache Fräulein Schokokuchen will Miss Universe werden

Nur eine kann gewinnen, 79 gehen leer aus: Schönheitsköniginnen aus der ganzen Welt treten in Vietnam bei der Wahl zur Miss Universe an. Ein Wettbewerb, bei dem es auf die äußeren Werte ankommt. Für Deutschland tritt Madina Taher an - die am liebsten ein Schokokuchen wäre.


Hamburg - Madina Taher ist in diesen Tagen schwer zu erreichen. Die Telefonistin im edlen Diamond Bay Resort in Nha Trang ist hörbar entnervt, alle zehn Minuten klingelt das Telefon für die 21-jährige Deutsche. "Für die anderen Mädchen ruft nur alle paar Stunden jemand an", sagt sie.

Die Grafikdesign-Studentin aus Elmshorn bei Hamburg ist die deutsche Miss-Universe-Kandidatin und im Endspurt für das Miss-Universe-Weltfinale. Das heißt Lächeln im Sekundentakt und proben, proben, proben. Die Kandidatinnen haben ein straffes Programm, wenig Schlaf, da bleibt keine Zeit, Telefonanrufe entgegen zu nehmen. Am kommenden Montagabend geht der Contest über die Bühne.

Madina Taher hat dunkle Haare, braune Augen und sieht so gar nicht aus, wie man sich im Ausland die "typische Deutsche" vorstellt. Die 21-Jährige - aufgeschlossenes Lachen, perfekte Zähne und Traumfigur - tritt gegen 79 Konkurrentinnen an.

Was angsteinflößend klingt, ist für Madina Taher fast schon Routine: In Bad Pyrmont setzte sie sich im deutschen Vorentscheid gegen 99 Mitbewerberinnen durch. Schönheitsköniginnen aus der ganzen Republik hatten sich bei dem Contest im Abendkleid und im Bikini präsentiert.

So ähnlich wird es auch bei der Wahl zur Miss Universe sein: Wie bei allen Schönheitswettbewerben kommt es bekanntlich auf die äußeren Werte an. Die Teilnehmerinnen müssen über den Laufsteg defilieren und Fragen zu ihrer Persönlichkeit beantworten.

Die knallharte Formel des Contests heißt also: Wettbewerb in drei Kategorien - im Abendkleid, im Bikini und im Interview. Laufen, lächeln, drehen. Lächeln, drehen, laufen. Drei-Minuten-Geplauder über Essenzielles wie Lieblingsessen, Lieblingsfarbe und Lieblingsfach in der Schule.

So viel sei schon jetzt verraten: Die deutsche Kandidatin mochte in der Schule am liebsten das Fach Mathematik. "Weil es mir leicht fiel, und ich einen tollen Lehrer hatte", sagt Madina Taher. Wenn sie ein Nahrungsmittel verkörpern sollte, dann wäre sie ein Schokoladenkuchen, weil sie den "so sehr liebt".

Madina Taher hat in einem auf Englisch geführten Interview mit dem Veranstalter der Wahl auch über ihre Marotten geplaudert: Zum Beispiel cremt sie sich seit ihrem 15. Lebensjahr jeden Abend vor dem Einschlafen die Füße mit Nivea ein. Ohne Lipgloss kann sie nur schwer leben, weil sie ihre Lippen "schimmernd und glänzend" mag. Und das größte Geschenk ihres Lebens war ihr Hund Daisy. "Ohne sie mag ich nicht mehr sein", sagte sie in dem Interview, das auf der Homepage der Seite zu sehen ist.

"Wer ist die Schönste im ganzen Land?"

"Ich habe mich so gefreut auf die Wahl, und das habe ich wohl auch ausgestrahlt", sagte Madina Taher am Ende des fünfstündigen Schönheitswettstreits in Bad Pyrmont. Ihren deutschen Titel gewann Madina Taher über den Wettbewerb des Organisators "Germany's Miss Universe" aus Berlin, einer von mehreren konkurrierenden Misswahlen-Veranstaltern in Deutschland.

Denn auf eine verbindliche Antwort auf die Frage "Wer ist die Schönste im ganzen Land?" können sich noch nicht einmal die verschiedenen Organisationen einigen. Der Titel "Miss Germany" ist rechtlich nicht schützenswert, hat das Landgericht München vor Jahren entschieden. So gab es zeitweise mehrere Veranstalter, die diesen Titel vergaben. Neben der Miss Germany Corporation existiert auch die Miss Germany Organisation (MGO), die allerdings mittlerweile den Titel Miss Deutschland vergibt.

Die Wahl zur Miss Universe gibt es seit 1952: Damals führte als erster das US-amerikanischen Textilunternehmen "Pacific Mills" den Schönheitswettbewerb durch - als Konkurrenz zur Miss World, bei der mehr als 100 Länder Kandidatinnen zum Wettbewerb entsenden.

Vielen schwebt eine Karriere auf den Laufstegen in Paris und Mailand vor. Aber bei großen Model-Agenturen sind die Miss-Wettbewerbe als schmuddelig verpönt. Einige ehemalige Schönheitsköniginnen schaffen es zwar in die Karteien von Agenturen, werden aber kaum für große Kunden gebucht.

Es gibt sogar Model-Agenturen, die ihre Mannequins anweisen, nichts über ihre Vergangenheit mit Krone und Schärpe zu erzählen, heißt es. "Bei den Kunden haben die Wettbewerbe keinen tollen Ruf", sagte Yannis Nikolaou, Pressesprecher der renommierten Agentur Place-Models, einmal in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

"Es fehlt den Wettbewerben an Hochwertigkeit, sie werden wie B-Movies betrachtet", sagt Nikolaou. Für eine Model-Karriere jedenfalls seien sie wenig hilfreich. "Ein Top-Model macht keine Auftritte in der Provinz."

jjc/han



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