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In der Hand der Hausbesetzer Bernd, das indoktrinierte Brot

2. Teil: "Der Rest ist Geschichte"

Der Clip zeigt einen Rundgang über das Gelände im Sommer. Inzwischen, sagt Jens, sehe es dort ganz anders aus. "Wenn ich hier aus dem Fenster schaue, sehe ich überall nur Haufen aus Bauschutt." Der neue Besitzer, die Domicil Hausbau GmbH hat mit den Abrissarbeiten begonnen, nur noch die besetzten Häuser und das alte Verwaltungsgebäude sind erhalten. "Der Rest ist schon Geschichte. Im wahrsten Sinn des Wortes", sagt Jens.

Seit fast acht Jahren ist Topf & Söhne besetzt, viele der Bewohner der ersten Stunde sind auch heute noch da. Ende 2007 wurde das Grundstück durch einen Insolvenzverwalter verkauft - die Domicil Hausbau GmbH will hier, rund einen Kilometer von der Innenstadt entfernt, Wohnhäuser und einen Supermarkt bauen. Auf Anfrage wollte man sich dort nicht zu den Vorgängen äußern.

Einzig das alte Verwaltungsgebäude mit dem eingestürzten Turm soll mit Hilfe von Fördergeldern wieder auf- und als Erinnerungsstätte ausgebaut werden. Seit 1998 gibt es in Erfurt einen eigenen Förderverein, der sich für eine Erinnerungsstätte auf dem Topf & Söhne Gelände engagiert. Der hat zwar mit den Besetzern in der Vergangenheit teilweise eng zusammengearbeitet, sperrt sich aber nicht wie sie gegen einen Abriss der anderen Fabrikgebäude.

Doch noch ist eine Räumung des Areals nicht in Sicht - denn bislang liegt den Bewohnern lediglich eine Aufforderung zur Räumung vor, nicht aber eine Räumungsklage. Für die bedarf es einer gerichtlichen Entscheidung. Doch die Besetzer rüsten sich schon jetzt für einen Polizeieinsatz, freiwillig gehen wollen sie nicht.

"Wir stecken gerade mitten in den Vorbereitungen, haben uns schon verbarrikadiert", sagt Jens. "Man kann sie ja nicht so einfach durch das offene Tor gehen lassen. Dann wären die vergangenen acht Jahre umsonst gewesen."

Mit der Entführung von Bernd und dem Bekennervideo wollen die Besetzer nichts zu tun haben: "Das ist eine originelle Idee, aber von uns ist sie nicht." Vielmehr sei das eine Aktion von Unterstützern - auf den Bildern sind noch Gebäudeteile zu sehen, die offenbar im Sommer aufgenommen worden sind. "Wir haben ein bisschen umdekoriert, damit es im Fernsehen mehr hermacht", sagt Bernd in dem Clip.

"Wir haben getan, was wir konnten", sagt die Stadt

"Das Gelände soll so, wie es ist, erhalten werden. Man wird hier direkt mit der Geschichte konfrontiert, hier rückt sie ins Zentrum des Interesses", begründet Jens die Motivation der Besetzer, zu bleiben.

Dabei hat die Stadt im Herbst ein Angebot gemacht: Oberbürgermeister Andreas Bausewein, SPD, und seine Stellvertreterin haben drei Vertreter der Hausbesetzer im Rathaus empfangen und ihnen ein Angebot unterbreitet: Die Gruppe könne eine alte Schlosserei im Norden Erfurts nutzen. Bedingung: Die Besetzer formieren sich als Verein, damit ein Mietvertrag zustande kommen kann. Im Gegenzug bekommen die Bewohner die Miete in Form von Fördergeldern erstattet.

"Wir haben getan, was wir konnten", sagt Inga Hettstedt, Sprecherin des Oberbürgermeisters, SPIEGEL ONLINE. Doch die Besetzer hätten das Angebot nach mehrfachen Gesprächen abgelehnt - weil sie keinen einstimmigen Entschluss gemäß ihres basisdemokratischen Selbstverständnisses hätten fällen können.

"Die Äußerungen der Stadt klingen so, als seien wir arrogante Kinder, die an allem nörgeln", sagt Jens. "Dabei waren die Räumlichkeiten ganz einfach zu klein, da hätten zwei oder drei Leute in einem Zimmer schlafen müssen, das ist nicht zumutbar."

Außerdem hätte man die Projekte auf die Hälfte zurückschrauben müssen - aus Platzmangel. Laut Sprecherin Hettstedt handelt es sich aber um "die derzeit größte städtische Immobilie", die zudem nicht deutlich kleiner sei als die auf dem Fabrikgelände. Auf der Straße müsse aber auch nach einer Räumung keiner der Bewohner stehen, sagt Hettstedt. "Da finden wir für alle eine Lösung."

Für die Besetzer spricht jedoch nicht allein die Größe der Schlosserei gegen eine freiwillige Räumung. "Wir sind nicht sonderlich angetan von der Idee, einen Verein zu gründen, auch wenn es nur formell ist, weil ein Verein schon eine hierarchische Struktur ist, die wir vermeiden wollen", erklärt Jens. Im besetzten Haus, das muss auch Bernd im Video lernen, gibt es deshalb auch keinen Küchenchef: "Es gibt doch keine Chefs auf dem Gelände, Bernd. Da wird alles selbst verwaltet und selbst organisiert!"

Derzeit schauen sich die Besetzer nach einer neuen Bleibe um. Die Stadt will kein neues Angebot unterbreiten. Und Bernd, das versprechen die Entführer, wird wieder zurückkehren - wenn es an der Zeit ist.

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