Sonntag, 22. November 2009

Panorama



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29.01.2009
 

Streit über Holocaust-Leugner

Knobloch bricht Dialog mit katholischer Kirche ab

Die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson durch den Papst hat Folgen: Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, will mit der katholischen Kirche bis auf weiteres nicht mehr sprechen.

Düsseldorf - Knobloch zieht mit ihrer Entscheidung, den Dialog mit der katholischen Kirche vorerst abzubrechen, die Konsequenzen aus dem Eklat um die Holocaust-Leugnung des erzkonservativen Bischofs Richard Williamson.

Charlotte Knobloch: "Momentan sicher kein Gespräch"
AP

Charlotte Knobloch: "Momentan sicher kein Gespräch"

"Unter solchen Voraussetzungen wird es zwischen mir und der Kirche momentan sicher kein Gespräch geben, ich unterstreiche das Wort 'momentan'", sagte Knobloch der "Badische Zeitung". "Ich wünsche mir einen Aufschrei in der Kirche gegen ein solches Vorgehen des Papstes."

Papst Benedikt XVI. hatte Williamsons Exkommunikation trotz dessen Holocaust-Äußerung aufgehoben.

An eine unbedachte Handlung des Papstes mag Knobloch nicht glauben: "Ich habe es hier nicht mit Menschen zu tun, die nicht wissen was sie tun. Der Papst ist einer der gebildetsten und intelligentesten Menschen, die die katholische Kirche hat, und jedes Wort, das er ausspricht, das meint er auch und das ist auch fundiert", sagte Knobloch der Zeitung zufolge.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller verteidigte indes die Entscheidung des Papstes. "Den Flurschaden hat Herr Williamson angerichtet, nicht der Papst", sagte Müller in einem Interview mit der "Passauer Neuen Presse".

"Wollen wir wirklich diesem Herrn Williamson, der unter normalen Umständen nie Bischof geworden wäre, den Triumph gönnen, den Heiligen Vater ungerechten Vorwürfen und Unterstellungen ausgesetzt zu haben und das gut entwickelte christlich-jüdische Verhältnis zu stören?"

Der Vatikan hatte vor wenigen Tagen die Exkommunikation von Williamson, der Bischof der erzkonservativen Bruderschaft Pius X. ist, rückgängig gemacht. Dies hat zu erheblichen Spannungen mit jüdischen Organisationen geführt, weil Williamson in einem Fernsehinterview die Ermordung der sechs Millionen Juden in den Gaskammern der Nazi-Konzentrationslager bestritten hat.

SPIEGEL WISSEN: DIE PIUSBRÜDERSCHAFT UND ANTISEMITISMUS

Die Piusbruderschaft ist eine der bedeutenderen Abspaltungen der katholischen Kirche. Sie wurde 1970 von dem konservativen und später exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt ab, zentrale Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen: Sie verweigert sich gegen die Anpassung an die moderne Welt, weshalb die Piusbrüder ihre Messen bis heute auf Latein lesen, und lehnt Religionsfreiheit und Ökumene ab. Nach jahrelangem Streit mit Rom kam es 1988 zum Schisma. Papst Johannes Paul II. exkommunizierte den Gründer Lefebvre und vier weitere Bischöfe. Im Januar hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation auf.

Gegen den 67-Jährigen wird deswegen wegen Volksverhetzung von der Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt, da das Interview vor drei Monaten im Priesterseminar der Piusbruderschaft nahe Regensburg aufgezeichnet worden sein soll. Benedikt XVI. hatte am Mittwoch in Rom die Holocaust-Leugnung verurteilt und seine volle Solidarität mit den Juden bekräftigt.

Bischof Müller betonte auch noch einmal, dass er Williamson nicht in den Räumen seiner Diözese sehen wolle. Er habe seinem Amtsbruder deswegen in den Kirchen und Häuser des Bistums Hausverbot erteilt.

"Herr Williamson hatte mit dem Bistum Regensburg nie etwas zu tun und so soll es bleiben", sagte Müller der Zeitung. Nach den kirchenschädigenden Aussagen habe der 67-Jährige "auch nach der Aufhebung der Exkommunikation kein Recht, bei uns unter irgendeinem Vorwand aufzutauchen". Müller bezeichnete die Äußerungen seines Amtsbruders als "idiotisches und infames Herumfabulieren".

pad/AP/dpa

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