Sonntag, 22. November 2009

Panorama



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12.02.2009
 

Katholische Tradition

Piusbruderschaft will deutsche Bischöfe bekehren

Er fordert die radikale "Rückbesinnung der Kirche auf ihre Wurzeln": Der Distriktobere der Piusbruderschaft geißelt in einem Brief an die deutschen Bischöfe die Öffnung zur Moderne - und lädt die Geistlichen zugleich zum Dialog ein.

Stuttgart - Pater Franz Schmidberger geht in die Offensive: Die erzkonservative Piusbruderschaft will die Bischöfe in Deutschland zur katholischen Tradition bekehren. Die "Profillosigkeit" der Kirche müsse ein Ende haben, forderte der Distriktobere am Donnerstag in Stuttgart. In einem Brief an alle deutschen Bischöfe schlug er einen Dialog der Bruderschaft mit offiziellen Vertretern der Bistümer vor.

Pater Schmidberger: "Die verwässerte Verkündigung von 30 Jahren zeigt ihre Früchte"
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DPA

Pater Schmidberger: "Die verwässerte Verkündigung von 30 Jahren zeigt ihre Früchte"

Darin solle es um eine "Rückbesinnung der Kirche auf ihre ureigenen, überlieferten Werte und Wurzeln" gehen.

Die Deutsche Bischofskonferenz wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern. Der Brief sei an die einzelnen Diözesen gegangen und sei Sache der jeweiligen Bischöfe, sagte ein Sprecher.

"Die verwässerte Verkündigung von 30 Jahren zeigt ihre Früchte", erklärte Schmidberger. "Das Glaubenswissen der Katholiken ist auf einem nie gekannten Tiefpunkt angelangt. Viele Gläubige wissen nicht einmal mehr, was die Kirche an Ostern oder Pfingsten feiert. (...) Der Gottesdienstbesuch nimmt überall dramatisch ab, ebenso kirchliche Eheschließungen und Taufen. (...) Wenn diese Entwicklung anhält, muss man sich ernstlich fragen, ob die katholische Kirche in Deutschland nicht bald zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken sein wird."

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt die Öffnung der Kirche zur Moderne im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Papst Benedikt XVI. hatte die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Gemeinschaft Ende Januar wieder aufgehoben.

SPIEGEL WISSEN: DIE PIUSBRÜDERSCHAFT UND ANTISEMITISMUS

Die Piusbruderschaft ist eine der bedeutenderen Abspaltungen der katholischen Kirche. Sie wurde 1970 von dem konservativen und später exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt ab, zentrale Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen: Sie verweigert sich gegen die Anpassung an die moderne Welt, weshalb die Piusbrüder ihre Messen bis heute auf Latein lesen, und lehnt Religionsfreiheit und Ökumene ab. Nach jahrelangem Streit mit Rom kam es 1988 zum Schisma. Papst Johannes Paul II. exkommunizierte den Gründer Lefebvre und vier weitere Bischöfe. Im Januar hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation auf.

Kurz danach war bekanntgeworden, dass einer der Bischöfe, der Brite Richard Williamson, in einem Interview den Holocaust geleugnet hatte. Dies führte weltweit zu Empörung und Protesten.

Bei einem Treffen mit einer Delegation amerikanischer Juden hat sich Papst Benedikt XVI. am Donnerstag erneut strikt gegen jede Leugnung des Holocaust gewandt und dabei ausdrücklich auch ein Herunterspielen der Judenvernichtung verurteilt.

Das gelte insbesondere dann, wenn der millionenfache Mord der Nazis an den Juden von Geistlichen bestritten oder in seinen Ausmaßen kleingeredet werde, sagte Benedikt bei seinem ersten Treffen mit Vertretern des Judentums seit Beginn der Williamson-Affäre.

"Der Hass und die Verachtung für Männer, Frauen und Kinder, die sich in der Shoah manifestiert haben, waren ein Verbrechen gegen die Menschheit. Das sollte allen klar sein, insbesondere denen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen", sagte der deutsche Papst.

han/dpa/AP

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