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05.03.2009
 

Abtreibung in Brasilien

Katholische Kirche exkommuniziert Mutter von vergewaltigter Neunjähriger

Für ihren Körper hätte die Schwangerschaft ein enormes Risiko bedeutet - deswegen nahm ein brasilianischer Arzt eine Abtreibung an einer Neunjährigen vor, die mutmaßlich von ihrem Stiefvater vergewaltigt wurde. Die Reaktion der katholischen Kirche: Exkommunikation der Mutter.

Rio de Janeiro - Trotz der Natur des Falls müsse die Kirche an ihrer Ablehnung der Abtreibungen festhalten, sagte Erzbischof Jose Cardoso Sobrinho in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender Globo. Als Folge dessen war die Mutter der Neunjährigen und das Ärzteteam exkommuniziert worden.

Gesundheitsminister Jose Gomes Temporao reagierte empört: Er sei schockiert über das, was dem Mädchen geschehen sein und geschockt über die Position des Erzbischofs, sagte er. Das neun Jahre alte Mädchen hatte nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung durch ihren Stiefvater ihre Zwillinge abgetrieben.

In keinem Land der Welt gibt es mehr Katholiken als in Brasilien, Abtreibungen sind illegal. Ausnahmen sind möglich, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, das Kind keine Überlebenschance hat oder die Mutter Opfer einer Vergewaltigung war und die Schwangerschaft noch nicht die 20. Woche überschritten hat.

Der Stiefvater des Mädchen sitzt seit vergangener Woche unter dem Verdacht der Vergewaltigung in Haft. Die Abtreibung wurde in der 15. Schwangerschaftswoche in einer Universitätsklinik vorgenommen. Klinikdirektorin Fatima Maia sagte der Zeitung "Jornal do Brasil", die Schwangerschaft habe ein ernstes Risiko für das 36 Kilogramm schwere Mädchen dargestellt. "Sie ist sehr klein. Ihre Gebärmutter kann kein Kind halten, geschweige denn zwei Kinder."

Anmerkung der Redaktion: Wegen eines Übersetzungsfehlers im deutschsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur AP stand in einer früheren Version dieses Artikels, die Kirche habe das neunjährige Mädchen exkommuniziert. Tatsächlich richtete sich die Strafe dem englischen Dienst und der Agentur AFP zufolge gegen die Mutter und das Ärzteteam. SPIEGEL ONLINE hat die Darstellung berichtigt und bittet, den Fehler zu entschuldigen.

fsc/AP

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