Von Jessica Kröll
Hamburg - Der Lärm ist ohrenbetäubend, sechsmal 30.000 PS schreien vom Himmel. In Pfeil-Formation schießt das halbe Dutzend Jagdflugzeuge über Hamburg, schwängert die Luft mit dem Geruch von verbranntem Treibstoff und hinterlässt Kondensstreifen am wolkenverhangenen Himmel: Die Schweizer Kunstflugstaffel "Patrouille Suisse" will an diesem Wochenende mit ihren tollkühnen Manövern die Besucher des Hafengeburtstages unterhalten.
Kunstflugstaffel "Patrouille Suisse" in Hamburg: Zu tief geflogen?
Der Kommandant der Fliegerstaffel, Oberstleutnant Daniel Hösli, nahm auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu den Vorwürfen Stellung: "Ich kann die Flughöhe vom Boden aus nicht schätzen. Aber für mich ist klar: Unsere Manöver waren hundertprozentig sicher und kontrolliert." Seinen Angaben zufolge wurde jedoch inzwischen an bestimmten Stellen die Flughöhe für künftige Manöver heraufgesetzt.
"Wind vom Meer etwa 15 Knoten"
Der 51-jährige Hösli steht mit einem Funkgerät am Boden und gibt kurze Anweisungen. "Ich bin so etwas wie der Trainer", so Hösli. "Wind vom Meer etwa 15 Knoten. Ihr könnt kommen", gibt der Offizier über Funk das Startsignal. "Viel Glück, Jungs!"
Bei einer Geschwindigkeit zwischen 250 und 1000 Stundenkilometer halten die Jets gerade mal drei bis fünf Meter Abstand zueinander. Kein Platz für Fehler. Die Piloten müssen hochkonzentriert sein, um in der Luft schnell ihre Position zu finden, und können daher nicht auf die Instrumente schauen.
Die meisten von ihnen sind ausgebildete Militärflieger. Wenn sie nicht gerade in der F-5E Tiger am Himmel ihre Kunststückchen machen, sitzen sie in Jagdflugzeugen vom Typ F-18 Hornet und sind für die Schweizer Landesverteidigung zuständig. Sieben Jahre dauert so eine Ausbildung. Am Ende kommen nur die Besten in die Flugstaffel.
Die Maschinen, mit denen die Piloten in der Luft tanzen, sind schon mehr als 30 Jahre alt. Die Jagdflugzeuge, sie wurden schon im Vietnam-Krieg eingesetzt, können bis zu 1700 Stundenkilometer schnell werden und bis zu 10.455 Meter in der Minute steigen. Sie dienten der US Navy als Trainingsflugzeuge, weil ihre Leistungsdaten mit denen der sowjetischen MiG-21 vergleichbar waren. Als fiktive sowjetische MiG-28 wurden sie während der Luftkampfszenen im Film "Top Gun" weltberühmt.
"Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk"
"Die Maschinen sind top gewartet", so Hösli. "Alle wichtigen Systeme wie die Triebwerke oder das Hydrauliksystem sind doppelt vorhanden." Während der Show sind 13 Mechaniker vor Ort, um notfalls Ersatzteile auszutauschen. Die Schweizer Kunstflugstaffel gilt als eine der besten der Welt. "Wir funktionieren präzise wie ein Schweizer Uhrwerk", behauptet der Kommandant.
Dennoch müssen die Piloten bei ihrer Show in Hamburg aus Sicherheitsgründen auf die spektakulärsten Figuren verzichten. "Wir fliegen keine Kreuzungsmanöver und auch nicht über die Köpfen der Zuschauer hinweg", so Hösli.
Seit Jahren schon sind Kunstflugvorführungen in Deutschland höchst umstritten. Immer wieder kam es zu Unfällen. Eines der verheerendsten Flugzeugunglücke in der deutschen Nachkriegsgeschichte ereignete sich am 28. August 1988 im rheinland-pfälzischen Ramstein.
Während einer Vorführung der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricolori stießen drei Militärflugzeuge in der Luft zusammen. Eine brennende Maschine stürzte dabei in die Zuschauermenge. 70 Menschen starben, weitere tausend erlitten zum Teil schwerste Verbrennungen. Kurz darauf wurden Kunstflugvorführungen in Deutschland verboten. Inzwischen sind sie unter bestimmten Auflagen wieder erlaubt.
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