Amman - Bei seinem Jordanien-Besuch hat Papst Benedikt XVI. die Gemeinsamkeiten zwischen Juden, Muslimen und Christen betont. Am Berg Nebo, von dem aus Moses der Überlieferung zufolge das Gelobte Land erblickt haben soll, äußerte er die Hoffnung, "alle Hindernisse zu einer Aussöhnung zwischen Christen und Juden in gegenseitigem Respekt und in Zusammenarbeit" zu überwinden.
Mit Blick in das Jordantal bezeichnete der Pontifex seine Reise zu den biblischen Stätten als Erinnerung an die "untrennbare Bindung" von katholischer Kirche und jüdischem Volk.
Bei einem Besuch der König-Hussein-Moschee in Amman rief Benedikt XVI. Christen und Muslime auf, sich als gläubige Verehrer Gottes zu erweisen. "Oftmals ist es die ideologische Manipulation der Religion, die - manchmal mit politischen Zielen - der eigentliche Auslöser für Spannung und Spaltung und mitunter sogar auch für Gewalt in der Gesellschaft ist", erklärte der Papst vor politischen und religiösen Führern in der größten Moschee der jordanischen Hauptstadt.
Zuvor hatte der 82-jährige Pontifex in der Stadt Madaba den Grundstein für eine katholische Universität gelegt. Die Hochschule im überwiegend von Muslimen bewohnten Jordanien werde Generationen von qualifizierten Männern und Frauen christlicher, muslimischer und anderer Religionen hervorbringen, erklärte der deutsche Papst.
Eindringlich warnte Benedikt XVI. vor den Folgen einer "korrumpierten" Religion. "Religion wird entstellt, wenn sie in den Dienst der Ignoranz oder des Vorurteils, der Verachtung, der Gewalt und des Missbrauchs gepresst wird", mahnte Benedikt am Samstag bei der Segnung des Grundsteins. "In diesem Fall sehen wir nicht nur eine pervertierte Religion, sondern auch eine Verfälschung der menschlichen Freiheit, einen verengten und blinden Geist", sagte der Papst.
Dagegen vermittle das Hochschulprojekt von Madaba "Vertrauen in das Geschenk der Freiheit". Gute Bildung sei "ein Sprungbrett für die persönliche Entwicklung wie auch für Frieden und Fortschritt".
Der oberste Berater von König Abdullah II. in Religionsfragen, Prinz Ghasni bin Mohammed, dankte dem Papst für seine Klarstellung nach den umstrittenen Regensburger Äußerungen im Herbst 2006, die heftige Proteste in der muslimischen Welt ausgelöst hatten. Benedikt hatte damals aus einem mittelalterlichen Werk zitiert, in dem einige Lehren des Propheten Mohammed als "böse und unmenschlich" bezeichnet wurden. Der Papst äußerte später sein Bedauern und distanzierte sich von den Passagen.
Den jordanischen Muslimbrüdern genügten die versöhnlichen Worte Benedikts jedoch nicht. Der Papst sei ein Entschuldigung für die "Beleidigung der Araber und des Propheten" schuldig geblieben, sagte Hamsa Mansur, Generalsekretär der "Islamischen Aktions-Front" SPIEGEL ONLINE. Dies sei "sehr gefährlich". Die "Front" ist der politische Flügel der Muslimbrüder in Jordanien. Sie hatte im Vorfeld der Papst-Reise wiederholt gewarnt, das Kirchenoberhaupt sei nicht willkommen.
Proteste während der Visite sind jedoch nicht vorgesehen: Jordaniens autoritäres Regime duldet kein solches Aufbegehren. Den Muslimbrüdern bleibt nur, ihre Empörung kund zu tun. Worte des Papstes, wonach Jordanien nicht nur eine reiche christliches und muslimische, sondern auch jüdische Vergangenheit habe, lehnte Mansur als Lüge an.
Die Reise des Papstes sieht am Sonntag unter anderem auch einen Abstecher an die Stelle am Jordan vor, wo Jesus getauft worden sein soll. Am Montag reist er dann nach Jerusalem weiter. Dort steht der Besuch von Jad Waschem auf dem Programm, der zentralen Gedenkstätte für die im "Dritten Reich" ermordeten Juden. Erst kürzlich hatte Benedikt XVI. mit der Aufhebung der Exkommunizierung des umstrittenen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson für Irritationen gesorgt.
In den Folgetagen besucht der Papst in Jerusalem den Felsendom und die Klagemauer und reist ins Westjordanland nach Betlehem, wo er außer der Geburtskirche auch ein palästinensisches Flüchtlingslager besuchen will. Am Donnerstag ist er in Nazaret, der biblischen Heimatstadt Jesu, bevor er am Freitag nach Rom zurückkehrt.
ala/Ulrike Putz/AP/Reuters
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