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Vatikan Piusbrüder weihen wieder Priester

Sie scheinen unverbesserlich: Trotz Warnungen aus dem Vatikan hat die erzkonservative Piusbruderschaft in den USA Neupriester geweiht. Auch in Deutschland steht demnächst eine entsprechende Zeremonie auf dem Programm.

Stuttgart/Rom - Am Wochenende erhielten 13 Männer in Winona im US-Bundesstaat Minnesota die Priesterweihe, zwölf aus der Piusbruderschaft und einer aus dem Benediktinerorden, wie der Piuspater Andreas Steiner am Montag in Stuttgart sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Eine Stellungnahme des Vatikans dazu gab es zunächst nicht.

Die Priesterweihen seien "keine Provokation in Richtung Vatikan" und nicht gegen den Papst gerichtet, betonte Steiner: "Wir wollen die Gespräche mit Rom. Und Rom will diese Gespräche und dazu wird es kommen." Die nächsten Priesterweihen sind am 27. Juni in Zaitzkofen, Bayern, und am 29. Juni in Econe, Wallis, geplant.

Der Vatikan hatte in der vergangenen Woche erklärt, Priesterweihen bei den Piusbrüdern seien aus Sicht der katholischen Kirche "nach wie vor" unerlaubt. Zwar habe Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier Piusbischöfen zurückgenommen. Die Bruderschaft habe damit aber noch kein Recht, Priester zu weihen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hatte die Weihen als "Affront gegen die Einheit der Kirche" kritisiert.

Dialog über offene Fragen

Vor einer Woche hatte der Vatikan auch erläutert, wie die Auseinandersetzung mit der Piusbruderschaft weitergehen soll. Schon bald solle die für die Piusbrüder zuständige Kirchenkommission, in der Zwischenzeit angebunden an die Glaubenskongregation, ihren neuen Status erhalten. Das sei die Voraussetzung für den Beginn des Dialogs über offene Fragen, darunter disziplinarische, betonte der Vatikan.

Der Theologe Prof. Wolfgang Beinert, ehemaliger Assistent von Joseph Ratzinger zu dessen Professorenzeit, verlangte vom Vatikan mehr Konsequenz. Man könne nicht etwas für unerlaubt erklären, aber folgenlos belassen, sagte er am Montag im Deutschlandradio mit Blick auf die Priesterweihen.

"Man müsste - nach all dem, was der Papst gesagt hat - eben klipp und klar erklären, dass diese Handlung nicht nur illegitim ist, sondern auch für die Handelnden bestimmte Konsequenzen hat." Nach Ansicht Beinerts könnte eine solche Konsequenz auch die Exkommunikation sein. Diese sei zwar für diesen Fall nicht vorgesehen, der Papst könne sie aber erklären.

Laut Beinert geht es bei dem Umgang mit der Piusbruderschaft um eine "wahrhaft kirchenpolitische und theologische Entscheidung". Die Frage sei, ob die Bruderschaft aufgrund ihrer ablehnenden Haltung zum Zweiten Vatikanischen Konzil überhaupt noch innerhalb der katholischen Kirche stehe: "Das heißt, handelt es sich hier um eine mehr oder weniger schismatische Bewegung, die Probleme mit dem Regiment des Papstes hat, oder werden von ihr Dinge behauptet, die gegen die Lehre der katholischen Kirche sind?"

Falls man - anders als die Pius-Brüder - dem Zweiten Vatikanischen Konzil Verbindlichkeit zuschreibe, sei eine entschiedene Stellungnahme gegen die Beschlüsse des Konzils "ein schwerwiegender Akt, der in Richtung Häresie denken lässt", betonte Beinert.

jdl/dpa

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