Zaitzkofen - Unbeeindruckt von der Kritik der deutschen Bischöfe hat die umstrittene Piusbruderschaft am Samstag drei neue Priester geweiht.
Bei dem Gottesdienst im Priesterseminar in Zaitzkofen bei Regensburg wurden die deutschen Vertreter der katholischen Amtskirche auch erneut von der ultrakonservativen Bruderschaft angegriffen. "Wir bedauern die verbale Ausgrenzung, die wir in diesen Tagen massiv von Seiten mehrerer deutscher Bischöfe erfahren", sagte der Leiter des Seminars, Pater Stefan Frey, vor rund 1500 Gläubigen.
Auch der Vatikan hatte zuvor erklärt, dass die Priesterweihen nicht zulässig seien.
Dennoch sagte Frey, dass sich die Handlungsweise Roms sehr von der Haltung der deutschen Bischöfe unterscheide. Der Vatikan habe nicht verlangt, dass die Bruderschaft auf die Spendung von Sakramenten verzichte. Frey räumte aber ein, dass sich die Bruderschaft "momentan kirchenrechtlich nur in einer Grauzone" befinde. Der Generalobere der Piusbrüder, Bischof Bernard Fellay, erklärte, Rom habe die Weihen nicht verboten, sie würden vom Papst "toleriert".
Nachdem die Piusbrüder bereits in den vergangenen Wochen in den USA und in Frankreich Priester geweiht hatten, wurden nun in Zaitzkofen durch Handauflegung ein Schwede, ein Pole und ein Schweizer im Alter von 26 bis 30 Jahren in den Priesterstand aufgenommen. Zudem wurden zwei Diakone aus Belgien und Tschechien geweiht, zunächst hatte die Bruderschaft sogar die Weihe von drei Diakonen angekündigt.
Die Weihen werden von der Deutschen Bischofskonferenz als Provokation empfunden. Der Vorsitzende Robert Zollitsch hat sie als "Affront gegen die Einheit der Kirche" kritisiert. Zudem hatte der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller monatelang immer wieder darauf hingewiesen, dass Weihen in seinem Zuständigkeitsbereich ohne seine Erlaubnis nicht möglich seien. Müller rügte das Festhalten der Piusbrüder an den Weihen als "Akt der Widerspenstigkeit und einer gewissen Borniertheit".
Erst vor drei Wochen hatte die Bruderschaft bereits eine Kapelle in Fulda ohne Genehmigung der Kirche geweiht und war dadurch auf einen offenen Konfrontationskurs zu den deutschen Bischöfen gegangen.
Die Pius-Bruderschaft gilt als theologisch und politisch reaktionär, sie bekämpft die durch das Zweite Vatikanische Konzil beschlossenen Reformen. Vor rund 40 Jahren wurde vom Vatikan festgelegt, dass die tridentinische Messe, bei dem die Gebete in Latein gehalten werden, nicht mehr verpflichtend ist. Dies führte dann zur Abspaltung der Piusbrüder. Daneben lehnen die Traditionalisten aber auch die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Religionen ab.
Papst Benedikt XVI. hatte zum Jahresanfang die Exkommunikation von vier Piusbischöfen zurückgenommen. Gegen den britischen Holocaust-Leugner Richard Williamson, einen der vier Bischöfe, ermittelt die Regensburger Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung.
Williamson hatte in einem Fernsehinterview im vergangenen Jahr in Zaitzkofen den Massenmord an den Juden in den Nazi-Gaskammern stark relativiert. Fellay bezeichnete dies als die private Meinung von Williamson. Die Piusbruderschaft sei eine religiöse Gemeinschaft, keine politische.
Am Montag will die umstrittene Gemeinschaft auch in der Schweiz acht Priester und zehn Diakone in ihr Amt einführen. Die Zeremonie soll den Angaben zufolge in Ecône im Kanton Wallis gefeiert werden, wo die Bruderschaft ihren Sitz hat. Nach den für Montag geplanten Weihen gehören der Bruderschaft eigenen Angaben zufolge weltweit 510 Priester an.
pad/dpa/AFP
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