Frankfurt am Main - Nach der Piusbruderschaft hat auch der Kurienkardinal Walter Kasper mit scharfen Worten gegen die "Christopher Street Day"-Umzüge von Homosexuellen gewettert. Der "Rheinischen Post" sagte er, die Position der Kirche sei völlig klar: "Respekt vor dem Einzelnen, aber wenig Verständnis für das Zur-Schau-Stellen, diese Propaganda bei den 'Christopher Street Days' und wohl im Einklang mit der Mehrheit der Bevölkerung - Nein zur Forderung nach Gleichstellung homosexueller Gemeinschaften mit der Ehe."
Mit dem Christopher Street Day wird weltweit an die erste große Demonstration von Homosexuellen im Juni 1969 in New York erinnert.
Am Freitag hatte bereits die Piusbruderschaft mit Äußerungen zum "Christopher Street Day" (CSD) für Aufsehen und Entrüstung gesorgt. Im Mitteilungsblatt der Piusbrüder vom Juli 2009 heißt es übereinstimmenden Berichten zufolge im Zusammenhang mit dem CSD: "Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: 'Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!'. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!" Und weiter: "Wehrt euch, solange es noch möglich ist. Stellt euch auf die Straßen und ruft: 'Wir wollen nicht, dass unsere Heimat ein Sodom und Gomorrha wird!'".
Piusbrüder fühlen sich falsch verstanden
Am Samstag erklärte die Bruderschaft, der Text sei falsch ausgelegt worden. "Um alle Katholiken anzuspornen, wurde auf das Vorbild derjenigen Männer und Frauen verwiesen, die in den Jahren des Nationalsozialismus gegen die himmelschreienden Sünden gegen das fünfte Gebot Gottes ihre Stimme erhoben haben, auch unter dem Risiko für das eigene Leben", sagte der Distriktobere Pater Franz Schmidberger.
Katholiken seien immer aufgefordert, ihre Stimme zu erheben - "nicht erst dann, wenn totalitäre Regime die Menschenwürde systematisch missachten, sondern auch dann, wenn Interessengruppen öffentlich gegen die sittliche Ordnung aufstehen in diesem Fall gegen das sechste Gebot Gottes".
"Wir stellen fest, dass unsere Erwähnung des NS-Unrechts vollkommen falsch verstanden wurde", erklärte Schmidberger. Die Bruderschaft habe weder der Absicht noch den Tatsachen nach den CSD mit dem NS-Unrechtsregime gleichgesetzt. "Wir weisen aber darauf hin, dass nach christlicher Sittennorm das Anliegen des CSD unmoralisch ist. Dies wollen wir der Öffentlichkeit mit unserer Meinungskundgebung ins Bewusstsein rufen", erklärte der Geistliche.
Zehntausende feiern Christopher Street Day in Madrid
Während in Deutschland die Kirche wettert, wurde in Spanien kräftig gefeiert: Mit einem bunten Umzug zelebrierten Zehntausende Homosexuelle am Samstag in Madrid den Christopher Street Day. Die Parade mit 31 phantasievoll geschmückten Karossen startete am Abend bei über 30 Grad Hitze am Platz der Unabhängigkeit im Zentrum der spanischen Hauptstadt. Angeführt wurde der Marsch von der Gleichstellungs-Ministerin Bibiana Aído und den Vorsitzenden der beiden großen Gewerkschaften CCOO und UGT.
Die Teilnehmer protestierten gegen die Diskriminierung von Homosexuellen an den Schulen. Schwulen- und Lesbenverbände kritisierten zudem eine Verfassungsklage, mit der die konservative Opposition des Landes die Homo-Ehe abschaffen will. Diese war vor vier Jahren von der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero eingeführt worden. Nach Angaben der Veranstalter kamen bis zu eine Million Menschen nach Madrid, um bei der Parade dabei zu sein.
Spanien ist eines der wenigen Länder der Welt, in denen gleichgeschlechtliche Paare nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren dürfen.
ssu/AP/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH