Montag, 23. November 2009

Panorama



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04.07.2009
 

Kritik an Schwulenparade

Kardinal Kasper nennt "Christopher Street Day" Propaganda

Neue Attacke gegen den "Christopher Street Day": Kurienkardinal Kasper kritisiert die Homosexuellen-Parade als "Propaganda" und wettert gegen die Schwulen-Ehe. Zuvor hatte die Piusbruderschaft Protest gegen den Umzug in die Nähe des katholischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus gerückt.

Frankfurt am Main - Nach der Piusbruderschaft hat auch der Kurienkardinal Walter Kasper mit scharfen Worten gegen die "Christopher Street Day"-Umzüge von Homosexuellen gewettert. Der "Rheinischen Post" sagte er, die Position der Kirche sei völlig klar: "Respekt vor dem Einzelnen, aber wenig Verständnis für das Zur-Schau-Stellen, diese Propaganda bei den 'Christopher Street Days' und wohl im Einklang mit der Mehrheit der Bevölkerung - Nein zur Forderung nach Gleichstellung homosexueller Gemeinschaften mit der Ehe."

Kardinal Kasper: "Wenig Verständnis für das Zur-Schau-Stellen"
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DPA

Kardinal Kasper: "Wenig Verständnis für das Zur-Schau-Stellen"

Mit dem Christopher Street Day wird weltweit an die erste große Demonstration von Homosexuellen im Juni 1969 in New York erinnert.

Am Freitag hatte bereits die Piusbruderschaft mit Äußerungen zum "Christopher Street Day" (CSD) für Aufsehen und Entrüstung gesorgt. Im Mitteilungsblatt der Piusbrüder vom Juli 2009 heißt es übereinstimmenden Berichten zufolge im Zusammenhang mit dem CSD: "Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: 'Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!'. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben!" Und weiter: "Wehrt euch, solange es noch möglich ist. Stellt euch auf die Straßen und ruft: 'Wir wollen nicht, dass unsere Heimat ein Sodom und Gomorrha wird!'".

Piusbrüder fühlen sich falsch verstanden

Am Samstag erklärte die Bruderschaft, der Text sei falsch ausgelegt worden. "Um alle Katholiken anzuspornen, wurde auf das Vorbild derjenigen Männer und Frauen verwiesen, die in den Jahren des Nationalsozialismus gegen die himmelschreienden Sünden gegen das fünfte Gebot Gottes ihre Stimme erhoben haben, auch unter dem Risiko für das eigene Leben", sagte der Distriktobere Pater Franz Schmidberger.

Katholiken seien immer aufgefordert, ihre Stimme zu erheben - "nicht erst dann, wenn totalitäre Regime die Menschenwürde systematisch missachten, sondern auch dann, wenn Interessengruppen öffentlich gegen die sittliche Ordnung aufstehen in diesem Fall gegen das sechste Gebot Gottes".

"Wir stellen fest, dass unsere Erwähnung des NS-Unrechts vollkommen falsch verstanden wurde", erklärte Schmidberger. Die Bruderschaft habe weder der Absicht noch den Tatsachen nach den CSD mit dem NS-Unrechtsregime gleichgesetzt. "Wir weisen aber darauf hin, dass nach christlicher Sittennorm das Anliegen des CSD unmoralisch ist. Dies wollen wir der Öffentlichkeit mit unserer Meinungskundgebung ins Bewusstsein rufen", erklärte der Geistliche.

Zehntausende feiern Christopher Street Day in Madrid

Während in Deutschland die Kirche wettert, wurde in Spanien kräftig gefeiert: Mit einem bunten Umzug zelebrierten Zehntausende Homosexuelle am Samstag in Madrid den Christopher Street Day. Die Parade mit 31 phantasievoll geschmückten Karossen startete am Abend bei über 30 Grad Hitze am Platz der Unabhängigkeit im Zentrum der spanischen Hauptstadt. Angeführt wurde der Marsch von der Gleichstellungs-Ministerin Bibiana Aído und den Vorsitzenden der beiden großen Gewerkschaften CCOO und UGT.

Die Teilnehmer protestierten gegen die Diskriminierung von Homosexuellen an den Schulen. Schwulen- und Lesbenverbände kritisierten zudem eine Verfassungsklage, mit der die konservative Opposition des Landes die Homo-Ehe abschaffen will. Diese war vor vier Jahren von der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero eingeführt worden. Nach Angaben der Veranstalter kamen bis zu eine Million Menschen nach Madrid, um bei der Parade dabei zu sein.

Spanien ist eines der wenigen Länder der Welt, in denen gleichgeschlechtliche Paare nicht nur heiraten, sondern auch Kinder adoptieren dürfen.

SPIEGEL WISSEN: DIE PIUSBRÜDERSCHAFT UND ANTISEMITISMUS

Die Piusbruderschaft ist eine der bedeutenderen Abspaltungen der katholischen Kirche. Sie wurde 1970 von dem konservativen und später exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt ab, zentrale Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils umzusetzen: Sie verweigert sich gegen die Anpassung an die moderne Welt, weshalb die Piusbrüder ihre Messen bis heute auf Latein lesen, und lehnt Religionsfreiheit und Ökumene ab. Nach jahrelangem Streit mit Rom kam es 1988 zum Schisma. Papst Johannes Paul II. exkommunizierte den Gründer Lefebvre und vier weitere Bischöfe. Im Januar hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation auf.

ssu/AP/dpa

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