Stuttgart - Der Entschuldigungsbrief der Eltern des Todesschützen von Winnenden stößt auf Unverständnis bei den Familien der Opfer.
Das Schreiben sei offenbar vom Rechtsanwalt der Eltern von Tim K. verfasst worden, sagte Hardy Schober vom Aktionsbündnis der Hinterbliebenen am Montag in Stuttgart. Das Schreiben enthalte keine "persönliche Note". Zudem frustriere es die Hinterbliebenen, dass sich die Eltern als Opfer der Tat darstellten. "Ihr Sohn hat den Freitod gewählt, unsere Kinder nicht", sagte Schober.
Das Aktionsbündnis strebt einen Prozess gegen Tim K.s Eltern an, damit der Hergang der Bluttat aufgearbeitet werden könne.
Das Schreiben wertet Schober als "politische Taktiererei", um eine öffentliche Verhandlung zu vermeiden. Derzeit läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Tim K.s Vater, weil er die Todeswaffe nicht ordnungsgemäß aufbewahrt haben soll. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll das Verfahren aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Der Brief wurde nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" in der vergangenen Woche abgeschickt. Es vergehe "kein Tag", an dem sie nicht an die Folgen der Bluttat vom 11. März und an die Opfer dächten, schrieb das Ehepaar K. Was ihr Sohn angerichtet habe, tue ihnen "aus tiefsten Herzen leid" und zerreiße sie, zitierte das Blatt.
Am 11. März hatte ihr 17 Jahre alter Sohn an seiner früheren Schule in Winnenden in Baden-Württemberg acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Anschließend tötete der Amokläufer drei Menschen auf seiner Flucht nach Wendlingen, wo er sich auf einem Parkplatz erschoss.
org/ap
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