Hamburg - Heftige Auseinandersetzungen in Hamburg: Bei einer Kundgebung der rechtsextremen NPD in Hamburg ist es am Freitagabend zu Ausschreitungen zwischen linken Gegendemonstranten und Polizei gekommen.
Auf beiden Seiten hat es offenbar Verletzte gegeben. Die Ordnungskräfte gingen mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Wasserwerfern gegen die vorwiegend jugendlichen Randalierer vor.
Nazi-Anwalt Jürgen Rieger hatte die NPD-Veranstaltung im Stadtteil St. Georg organisiert, zu der knapp 100 Neonazis kamen. Anhänger schwenkten NDP-Fahnen.
Ein "Hamburger Bündnis gegen Rechts" protestierte zunächst friedlich gegen die Kundgebung der Rechtsextremen. Zunächst gab es nur kleine Rangeleien von Polizei und gewaltbereiten Linken. Mehr als 1400 Beamten waren im Einsatz, um ein Zusammentreffen beider Lager zu verhindern. Gegendemonstranten warfen Flaschen, Feuerwerkskörper und Rauchbomben. Um 21.30 Uhr wurde die NPD-Demo beendet, als die Anhänger gerade die Nationalhymne sangen. Sie wurden von der Polizei abgeschirmt und zur S-Bahn geleitet.
Brennende Mülltonnen und Barrikaden
Danach verschärfte sich die Situation, die Polizei drängte die Demonstranten zurück. Ein Streifenwagen wurde laut Behörden mit Steinen und Gehwegplatten angegriffen. "Beamte haben bei einem Angriff auf einen Streifenwagen ein oder zwei Warnschüsse abgegeben", sagte Polizeisprecher Ralf Meyer.
Randalierer zündeten Mülltonnen und Barrikaden an und versuchten, an einer Tankstelle Feuer zu legen. Vorbeifahrende Autos wurden mit Flaschen beworfen. Laut Polizei kam es zu einer bislang noch unbekannten Anzahl von Festnahmen und Ingewahrsamnahmen.
Mit einem Protestzug durch die Innenstadt hatten zuvor bis zu 2700 Teilnehmer ein Signal gegen Rechtsextremismus gesetzt. Parteien, Gewerkschaften, Organisationen und Einzelpersonen hatten unter dem Motto "Gesicht zeigen" zu der Demonstration aufgerufen.
Holocaust-Überlebende fordert NPD-Verbot
Die Jüdin Steffi Wittenberg, die zahlreiche Angehörige im Holocaust verloren hatte, forderte unter dem Beifall Hunderter Kundgebungsteilnehmer, endlich ein Verbot der NPD auszusprechen. 70 Jahre nach dem Holocaust und dem von den Nazis entfachten Krieg mit 55 Millionen Toten sei es perfide, dass Rechtsextremisten ungestraft ihr Gedankengut äußern dürften, sagte die 83-Jährige.
Mit dem Fest im Hamburger Schanzenviertel am Samstag wollen Anwohner und linke Gruppierungen gegen die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Härte demonstrieren, mit der die Polizei nach einem ähnlichen Fest Anfang Juli gegen Ausschreitungen von etwa Tausend linksautonomen Randalierern vorgegangen war. Auch diesmal stellt sich die Polizei bei Einbruch der Dunkelheit auf erneute Krawalle ein. Die Sicherheitskräfte aus dem gesamten Bundesgebiet sind das ganze Wochenende im Einsatz. Immer wieder prallen linke Demonstranten und Polizei in Hamburg bei Straßenschlachten aufeinander.
kgp/ore/dpa/ddp/AP
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