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16.09.2009
 

Sicherheit im Nahverkehr

Wie Bahnbetriebe Pendler schützen

Von Jörg Diehl, Barbara Hans, Julia Jüttner und Thomas Thiel

Pendler in Berlin: Das Sicherheitsgefühl hat sich tendenziell verbessertZur Großansicht
Getty Images

Pendler in Berlin: Das Sicherheitsgefühl hat sich tendenziell verbessert

Nach der tödlichen Attacke gegen einen Geschäftsmann auf einem Münchner Vorstadtbahnhof sind Millionen Pendler in Deutschland beunruhigt: Wie sicher sind die öffentlichen Verkehrsmittel? Und was tun die Betreiber dafür, dass ihren Kunden nichts geschieht? SPIEGEL ONLINE hat nachgefragt.

Hamburg - 10,7 Milliarden Mal steigen die Deutschen jährlich laut Statistischem Bundesamt in Bus, U-Bahn, Tram. Im Durchschnitt legt jeder Einwohner etwa 1190 Kilometer im sogenannten Liniennahverkehr zurück, das ist etwa die Strecke von Madrid nach Paris.

Dabei sinkt die Zahl an Gewaltdelikten in U- und S-Bahnen stetig - auch wenn die Wahrnehmung der Menschen eine andere ist.

Vor allem zwei brutale Übergriffe im Münchner Nahverkehr vertieften dieses Empfinden: Am Samstag wurde der 50-jährige Geschäftsmann Dominik B., der Kinder vor randalierenden Jugendlichen schützen wollte, zu Tode geprügelt. Ebenfalls in München wurde 2007 ein Rentner von zwei Schlägern lebensgefährlich verletzt, weil er auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte.

Aber es gab noch weitere krasse Fälle. In der Silvesternacht 2008 wurde im Berliner U-Bahnhof Haselhorst ein 34-jähriger Familienvater brutal zusammengeschlagen. Er erlitt Hirnblutungen, ein Arm wurde ihm von den Angreifern gebrochen, der Schädelknochen zertrümmert. Bis heute leidet der Mann unter epileptischen Anfällen und kann nur eingeschränkt arbeiten. Zum Prozessauftakt am Dienstag legten die Täter ein Geständnis ab.

"Die Straftaten gehen zwar zurück, werden aber brutaler", sagt Peter Reichl, Sprecher der Münchner Polizei, SPIEGEL ONLINE. "Und das ist kein Münchner Problem."

SPIEGEL ONLINE zeigt die Situation in wichtigen deutschen Großstädten. Klicken Sie auf das Bild, um die interaktive Grafik zu starten:

An der Isar hat man die Stundenzahl der Beamten, die die U-Bahnen kontrollieren und dort Präsenz zeigen, um fast 35 Prozent auf 125.319 Stunden erhöht. Für unerlässlich hält Polizeisprecher Reichl Überwachungskameras. "Wir fordern seit Jahren, dass auch die U-Bahn-Züge mit Kameras ausgestattet werden. Gerade die gravierenden Taten, die in der Öffentlichkeit bekannt wurden, konnten vor allem mit Hilfe der Videoaufnahmen gelöst werden." Bilder aus Überwachungskameras seien "ein wichtiges Instrument" bei der Aufklärung der Verbrechen. "Sie haben uns bisher immer zum Ziel geführt. Oft haben wir ohne sie keinen Ermittlungsansatz."

Im Allgemeinen fühlen sich die Deutschen auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Rückweg einer Party sicher. "TNS Infratest" untersucht seit mehreren Jahren die Zufriedenheit der Kunden des Nahverkehrs. "Wir haben nicht feststellen können, dass das Sicherheitsgefühl schlechter geworden ist im Vergleich zu 2008", resümiert Adi Isfort, der die Untersuchung geleitet hat. Die Forscher haben die Kunden gefragt, wie zufrieden sie jeweils am Tag und am Abend mit der Sicherheit in Fahrzeugen und an Haltestellen sind. "Vor allem das Sicherheitsgefühl abends an den Haltestellen hat sich im Vergleich zum Vorjahr tendenziell verbessert."

Allgemein lässt sich sagen, dass vor allem die Kunden der weniger großen Städte mit dem Nahverkehr zufrieden sind. "Von den großen Städten erwartet man mehr - und ist entsprechend auch schneller unzufrieden", sagt Forscher Isfort SPIEGEL ONLINE.

Wer versucht, sich einen Überblick über die Sicherheit im Nahverkehr verschiedener deutscher Großstädte zu verschaffen, stößt schnell an bürokratische Grenzen. Die S-Bahnen agieren unabhängig von den Verkehrsbetrieben, die wiederum setzen sich aber aus mitunter verschiedenen Gesellschaften zusammen. Jeder sammelt eigene Zahlen - unliebsame Daten behält man ohnehin lieber für sich.

Die Bahn erteilt grundsätzlich keine Auskünfte zur Zahl der Straftaten, die in S-Bahnen begangen werden. Der Versuch, die Daten zu finden, scheitert am Föderalismus. Auch zur Zahl der Sicherheitskräfte in den Zügen äußert man sich nicht. Von der Bahn heißt es dazu: "Der Faktor des Unbekannten ist wichtiger Teil der Abschreckung."

Aus den Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik sowie den Angaben der Verkehrsbetriebe lassen sich dennoch regionale Unterschiede ableiten. Wie sicher sind die öffentlichen Verkehrsmittel? Und was tun die Betreiber, um die Fahrten für die Kunden sicher zu machen?

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