Samstag, 21. November 2009

Panorama



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25.10.2009
 

Saudisches Urteil gegen Journalistin

Wer über Sex spricht, bekommt die Peitsche

Von Christoph Titz

Weil ein junger Mann im Fernsehen über Sex plauderte, wurde sein Leben, das seiner Freunde und das der Mitarbeiter des TV-Senders zur Hölle: Saudische Richter verurteilten sie zu drakonischen Strafen. Außer den Protagonisten des Films soll nun auch eine 22-jährige Journalistin ausgepeitscht werden.

Der junge, etwas füllige Mann sitzt auf seinem Doppelbett und grinst in die Kamera. Er schneidet auf, prahlt mit seinen vielen Affären und führt das Filmteam bereitwillig durch seine Wohnung in der saudischen Stadt Dschidda. Mazen Abdul Dschawad zeigt, womit er die Frauen rumkriegt, mit ätherischen Ölen, Herzkerzenständern und mit seinem Charme.

Das Schlafzimmer ist in Schummerlicht getaucht, an einer Wand hängt eine US-Flagge, auf die pralle Hintern von Bikinimädchen gedruckt sind. Stolz hält Dschawad seine kleine Kondomsammlung hoch und erklärt, das erste Mal habe er es mit 14 gemacht. "Alles, was ich für den Sex brauche, habe ich hier in diesem Zimmer."

Es ist die klassische Homestory, wie sie jeder Musikfernsehsender auf der ganzen Welt zeigt, schnell geschnitten und mit Musik unterlegt. Am Ende fährt Dschawad mit seinem Sportwagen zu einer Disco, winkt zum Abschied und schlägt die Tür zu.

Läppische Fernsehsendung, drakonische Sanktionen

Eine Sendung, die eigentlich nicht der Rede wert wäre - säßen Dschawad und eine Reihe weiterer Menschen nicht wegen dieser Reportage im Gefängnis und erwarteten ihre Auspeitschung. In Saudi-Arabien hat der kurze Film eine Kette von dramatischen Ereignissen in Gang gesetzt; so, wie es nur in einem Land möglich ist, welches die in Abu Dhabi erscheinende Zeitung "The National" als "eines der konservativsten Länder der Welt" bezeichnet.

Dschawad drohen derzeit 1000 Peitschenhiebe, der 32-Jährige soll für fünf Jahre ins Gefängnis und darf anschließend das Land für fünf weitere Jahre nicht verlassen - zunächst war in arabischen Medien sogar von der Todesstrafe für den geschiedenen, vierfachen Vater die Rede.

Mit in den Skandal geraten sind außerdem Dschawads Freunde, die auch in der Aufzeichnung zu sehen waren. Sie sollen mit zwei Jahren Gefängnis und 300 Peitschenhieben für ihre Nebenrollen in Dschawads TV-Auftritt büßen. Die saudischen Büros des libanesischen Senders LBC, der die Reportage in der Reihe "A Thick Red Line" zeigte, wurden von saudischen Behörden geschlossen, ein beteiligter Kameramann wurde ebenfalls verurteilt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP Anfang Oktober.

Don't talk about Sex

Am Samstag verurteilte ein Gericht auch noch die 22-jährige Journalistin Rosanna al-Yami zu 60 Peitschenhieben und verhängte gegen sie ein zweijähriges Ausreiseverbot. Die junge Frau hatte Protagonisten für die Sendung "A Thick Red Line" gecastet, das Format dreht sich passenderweise um Tabus in der saudischen Gesellschaft. Yami bestritt aber, an der Folge über Dschawad mitgearbeitet zu haben. Der Nachrichtenagentur AP sagte Yami, der Richter habe die Anklage gegen sie zunächst fallengelassen, ihr aber dann die Auspeitschung "als Abschreckung" auferlegt.

Das erzkonservative Königreich Saudi-Arabien ist für drakonische Urteile und brutalste Strafen bekannt. Obwohl das Herrscherhaus einer der engsten Verbündeten der USA in der Golfregion und dem westlichen Luxus sehr zugeneigt ist, sind die Moralvorstellungen der Gesellschaft streng an einer puritanischen Auslegung des sunnitischen Islams ausgerichtet. Das saudische Strafrecht orientiert sich an der Scharia und wird in dem Königreich so scharf und unbarmherzig interpretiert und angewandt wie in kaum einem anderen Land der Welt.

Dieben wird die Hand amputiert, Auspeitschungen und Stockschläge sind laut dem aktuellen Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu Saudi-Arabien für eine Reihe von Vergehen vorgeschrieben. Wie im Fall des "Dschidda-Casanovas" Dschawad und der Journalistin Yami genügt es oft schon, dass sich jemand "unmoralisch verhält" - und die Richter belegen die Sünder mit brutalen Prügelstrafen.

Die Todesstrafe trifft Ausländer, Arme und Frauen

60 Hiebe mit der Peitsche und ein halbes Jahr Gefängnis bekam etwa eine junge Frau, die ohne Erlaubnis von zu Hause fortblieb. Ein Professor, der sich mit einer Studentin in einem Café traf, wurde daraufhin von Mitarbeitern der "Behörde für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters", der saudischen Religionspolizei, verhaftet und zu acht Monaten Gefängnis und 180 Peitschenschlägen verurteilt. In einem Fall, in dem das Opfer einer Vergewaltigung zu 90 Hieben verurteilt worden war, begnadigte der König die junge Frau nach wütenden internationalen Protesten.

Die Todesstrafe wurde in Saudi-Arabien laut Amnesty International allein 2008 über hundertmal vollstreckt, zumeist an Einwanderern aus Afrika und Asien, Armen und Frauen. Gängig ist die öffentliche Enthauptung mit dem Schwert, auch Minderjährige werden laut dem Bericht von Amnesty International auf diese Weise hingerichtet.

Ähnlich rigide legen außerhalb Saudi-Arabiens vor allem die Revolutionswächter in Iran, die Taliban in Teilen Pakistans und Afghanistans und süd-ostasiatische Länder, die unter dem Einfluss radikaler Islamisten stehen, das islamische Recht aus. In der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur etwa musste eine junge Frau sechs Stockhiebe über sich ergehen lassen und eine Geldstrafe von knapp 1000 Euro zahlen. Ihr Vergehen: Sie hatte Bier getrunken.

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ISLAM - DIE JÜNGSTE MONOTHEISTISCHE WELTRELIGION

Islam

Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im siebten Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.

Islam, Christentum und Judentum eint Vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam, etwa Abraham (arab. Ibrahim), Josef und Jesus.

Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka.

Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten, fast alle übrigen Sunniten.

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