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06.11.2009
 

Schaulaufen in Karatschi

Mode in Zeiten der Taliban

Pakistan Fashion Week: Bunt und sexy in Karatschi
Fotos
AFP

Mit Glitzer und Glamour trotzt die Modewelt dem Terror: Pakistanische Top-Models und Designer feiern während der Fashion Week in Karatschi die prachtvollen Seiten des Lebens. Doch erhoffte Prominenz aus dem Ausland bleibt der Modenschau fern - aus Angst vor Anschlägen.

Karatschi - Sie soll auch ein politisches Statement sein, die diesjährige Pakistan Fashion Week. Die Models zeigen schulterfreie Kleider, führen körperbetonte Kleidung vor, tragen das schwarze, lange Haar offen. Mit jeder Bewegung, jedem Lachen drücken sie aus: Sollen die Taliban mit ihren steinzeitlichen Vorstellungen doch zur Hölle fahren!

In der südpakistanischen Millionenmetropole Karatschi haben sich die Schönen und Reichen, die Kreativen und Lebenslustigen eingefunden. Vor drei Wochen, Mitte Oktober, sollte die Modenschau ursprünglich stattfinden, doch ein Anschlag nach dem anderen erschütterte das Land - seit Anfang Oktober sind mehr als 340 Menschen durch Terror gestorben. "Die Lage war schrecklich, alle Menschen in Angst und Trauer. Deshalb und aus Respekt vor den Opfern entschieden wir uns, die Schau zu verschieben", sagt Tehmina Khaled, Sprecherin des Veranstalters Fashion Pakistan.

Zweimal wurde ein neuer Termin gesucht, stattfinden sollte das Fest auf jeden Fall - auch nachdem sämtliche Designer und Models aus dem Ausland abgesagt hatten. Man wolle sich das Leben schließlich nicht von den Terroristen diktieren lassen, sagt Tehmina Khaled. "Wir sind glücklich, dass wir dieses wunderbare, farbenfrohe Ereignis in diesen schwierigen Zeiten auf die Beine gestellt haben." Und dass die Modewoche trotz aller Sicherheitsbedenken auf so großes Interesse stößt.

Insgesamt 32 junge pakistanische Designer stellen hier ihre Kunst vor. Fahad Hussain verbindet in seiner Arbeit traditionelle pakistanische Mode mit westlichen Elementen. Die von ihm entworfene Kleidung sei "für jedermann", sagt er. Die Designerin Sama Mehdi erklärt, sie stehe für eine "tragbare und doch feminine" Mode. "Meine Zielgruppe ist die moderne Frau, die weiß, was sie will." Mit ihrer Mode könne diese "ihre Unabhängigkeit und ihre Einstellungen" demonstrieren.

Die meisten pakistanischen Frauen tragen wenig körperbetonte Kleidung, meist einen Shalwar Kameez, eine weite Stoffhose und eine knielange Bluse, viele Frauen bedecken ihr Haupt mit einem Schal oder einem Tuch.

Pakistans Top-Model Nadia Hussain, eine Zahnmedizinerin, sagt, sie habe nichts gegen "konservative" Kleidung: "Gesellschaftliche Vorgaben, wie Kleidung zu sein hat, hält unsere Werte und unsere Kultur intakt." Aber "ein bisschen mehr Freiraum" würde der Modeindustrie doch sehr helfen.

Rizwan Beyg, einer der bekanntesten Modeschöpfer des Landes, sieht in der Modewoche in erster Linie ein Zeichen an die Welt, "dass es in Pakistan mehr gibt als nur Selbstmordattentate, Terror und Taliban": "Wir zeigen auf der Modewoche viel mehr als nur Mode auf dem Laufsteg - wir beweisen, dass wir unerschrocken sind und dass wir, trotz des schlechten Rufs unseres Landes, Kultur und Stil haben."

kaz

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