Providence - Die Kennedys gelten als bekannteste katholische Familie in den USA, doch nun verweigert die katholische Kirche dem Kongressabgeordneten Patrick Kennedy offenbar das zentrale Sakrament der Kirche. Es ist der Höhepunkt eines seit Monaten schwelenden Streits zwischen dem konservativen Klerus und dem liberalen Politiker.
Bischof Thomas Tobin habe ihm geschrieben, dass er nicht mehr an der Eucharistiefeier teilnehmen dürfe, sagte Kennedy der Zeitung "The Providence Journal". Außerdem seien die Priester der Diözese Rhode Island angewiesen worden, ihn nicht zur Kommunion zuzulassen. Woher die Information stammt, sagte Kennedy allerdings nicht. Die Eucharistie mit der Austeilung von Brot und Wein ist zentraler Bestandteil der katholischen Messe und damit der Kirchenzugehörigkeit.
Die Entscheidung erstreckt sich dem Bericht zufolge nur auf das Gebiet des Bistums Rhode Island. Kennedy stünde eine Beschwerde beim Vatikan offen, doch Rom stößt nur selten die Entscheidung eines Bischofs um. Kennedy sagte in dem am Sonntag veröffentlichten Interview, der Bischof habe ihm erklärt, "dass ich wegen der Positionen, die ich mit meiner öffentlichen Funktion einnehme, kein guter praktizierender Katholik bin".
Bischof Tobin selbst will den Sachverhalt nun anders dargestellt wissen. Er habe niemanden angewiesen, Kennedy die Kommunion zu verweigern, ließ er in einer Stellungnahme am Sonntag mitteilen. Vielmehr habe er Kennedy bereits 2007 in einem vertraulichen Gespräch gebeten, nicht mehr zur Kommunion zu kommen.
"Ihre Haltung ist inakzeptabel"
Der Streit zwischen beiden Männern begann im Oktober, als Kennedy in einem Interview die katholischen Bischöfe in den USA wegen ihrer Haltung zur Gesundheitsreform kritisierte. Der Klerus will das Vorhaben der Regierung nur dann unterstützen, wenn die staatliche Finanzierung von Schwangerschaftsabbrüchen eingeschränkt wird.
Tobin verlangte nach dem Interview eine Entschuldigung. Kennedy schrieb dem Bischof daraufhin: "Wie jeder in Rhode Island respektiere ich sehr die katholische Kirche und ihre Führung. Aber der Umstand, dass ich in einigen Fragen eine andere Meinung habe als die Hierarchie der Kirche, macht mich nicht zu einem schlechteren Katholiken. Ich lebe meinen Glauben, der die Existenz einer unvollkommenen Menschheit anerkennt."
Tobin antwortete in der Kirchenzeitung: "Sie können das nicht auf eine 'unvollkommene Menschheit' schieben. Ihre Haltung ist inakzeptabel für die Kirche und skandalös für viele unserer Mitglieder."
Von Ray Henry, AP
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