Mittwoch, 10. Februar 2010

Panorama



Die Regierung Obama

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28.11.2009
 

Handschlag vom Präsidenten

Partycrasher-Paar düpiert Obamas Leibwächter

Von Gregor Peter Schmitz, Washington

Kein Mensch ist so gut beschützt wie US-Präsident Obama. Wirklich? Zwei Möchtegern-TV-Stars spazierten bei einem Staatsbankett ohne Einladung ins Weiße Haus, schüttelten gar die Hand des Präsidenten - und haben eine Debatte ausgelöst, ob dem legendärem Secret Service noch zu trauen ist.

Wenn es um eine "tough door policy" geht, um einen besonders schwer zu knackenden Zugang, ist das Weiße Haus kaum zu schlagen. Zwar kommt es betont demokratisch daher, jeder Passant oder Tourist kann bis an den Zaun von 1600 Pennsylvania Avenue schlendern. Doch wer zu nahe kommt oder zu lange verweilt, den bellt rasch eine Stimme aus dem Wachhäuschenlautsprecher an.

Schlürft jemand auf der Dachbar des neuen W-Hotels - gleich gegenüber mit Blick auf Rasen und Kinderschaukel der Obamas - ein Getränk, weiß er Scharfschützen auf sich gerichtet. Und will es ein Besucher gar in die weißen Hallen selbst schaffen, prüft seine Daten der Secret Service, der Schutztrupp des Präsidenten, auf Herz und Nieren.

Eine Hochsicherheitszone also - es sei denn, die Obamas laden zum Staatsbankett. Dann kann man einfach mal reinmarschieren. Man schüttelt dem Präsidenten und der First Lady die Hand, umarmt den Vizepräsidenten Joe Biden, man legt den Arm um Obamas Stabschef Rahm Emanuel und grüßt im schicken Kleid und Smoking von den Treppen des Weißen Hauses.

Den Eindruck muss zumindest erhalten, wer sich die Facebook-Seiten von Tareq und Michaele Salahi anschaut. Die haben nämlich genau dieses Kunststück vollbracht, bei Obamas erstem Staatsbankett zu Ehren von Indiens Premierminister Manmohan Singh diese Woche. Mehr als 300 hochkarätige Gäste waren geladen, seit Wochen kreisten die Gespräche der besseren Gesellschaft in der US-Hauptstadt um diese Einladung. Wer schafft es auf die Liste?

"Niemand will etwas mit ihnen zu tun haben"

Nicht drauf standen die Salahis, was wenig überrascht, denn das Ehepaar verbringt sonst eher viel Zeit in Gerichtssälen, wo sie oft wegen Bankrotts verklagt werden. "Niemand will mehr etwas mit ihnen zu tun haben", lässt sich ein Nachbar in US-Zeitungen zitieren. Offiziell betreibt Tareq, 41, einen Weinberg im Norden Virginias, der aber vor dem Ruin stehen soll und derzeit geschlossen ist.

Michaele, 44, ist eine ehemalige Cheerleaderin und lässt sich vor allem gerne mit berühmten Leuten fotografieren, was auf ihrer Facebook-Seite zu besichtigen ist. Derzeit hofft sie auf eine Rolle in einer Reality-TV-Show. Das Geld davon scheint das Ehepaar zu brauchen, denn es soll sein Haus verloren haben und in Hotels leben. Ihre Ambitionen hatte Michaele in einem Interview mit dem TV-Sender CBS schon vor Monaten formuliert: "Präsident Obama hat es sehr leicht für jeden gemacht, das Weiße Haus zu besuchen, also ist das jetzt ein großes Ziel."

Mission erfüllt, kann sie nun vermelden. Den Nachmittag vor dem Staatsbankett, recherchierte die "Washington Post", ließ sich Michaele sieben Stunden lang in einem lokalen Schönheitssalon aufbrezeln, wo sie allen erzählte, sie sei ins Weiße Haus geladen. Sie behauptete, die Einladung nicht vorzeigen zu können, weil sie gerade im Auto sei. In einem aufsehenerregenden roten Kleid fuhren sie und ihr Mann schließlich an 1600 Pennsylvania Avenue vor, begleitet von einer Filmcrew. Ihr Auto wurde zunächst abgewiesen. Doch als die Salahis zu Fuß am Tor Eingang begehrten, erhielten sie den auch ohne Eintrag auf der Gästeliste.

Händeschütteln mit den Obamas

Vielleicht schmuggelten sie sich im Windschatten einer Top-Berühmtheit ein, vermuten Sicherheitsexperten. Womöglich standen die Wachen, mutmaßen andere, angesichts des Ansturms der Essensgäste unter Zeitdruck - und ließen ein glamouröses Paar, das so aussah, als ob es dazugehöre, lieber herein.

Jedenfalls spazierte das kühne Ehepaar in den "State Dining Room", wo Cocktails für die hochkarätigen Gäste gereicht wurden. Ihr Name wurde vom Empfangschef ausgerufen, sie posierten für Fotos. Dann ging es weiter in den "Diplomatic Reception Room" und auf den Rasen draußen, wo ein Zelt für das Abendessen aufgebaut war.

Sie versteckten sich keineswegs in der Ecke. Sie ließen sich mit Stabschef Rahm Emanuel fotografieren, mit CBS-Starmoderatorin Katie Couric - und, gleich zweimal, mit Vizepräsident Biden. Der Stellvertreter des mächtigsten Mannes der Welt grinst in den Fotos neben der blonden Ex-Cheerleaderin wie ein aufgeregter Pennäler.

Als Höhepunkt durften die Salahis sogar dem Präsidenten und First Lady Michelle Obama die Hand schütteln. Lange war unklar, ob es wirklich dazu gekommen war - doch am Freitagabend enthüllte die "New York Times" auch ein Foto, in dem Obama strahlend Michaele begrüßt.

Die anderen Bilder standen schon am Abend der Feierlichkeit auf ihrer Facebook-Seite, wo sie auch triumphierend herausposaunte: "Es ist eine Ehre, im Weißen Haus für das Staatsbankett zu Ehren von Indien mit Präsident Obama und unserer First Lady zu sein."

"Attentate passieren wegen solcher Pannen"

Eine Riesenschlappe für den Secret Service, der sich gern als die beste Spezialtruppe der Welt versteht. "Sie sind durch dieselben Kontrollen gegangen wie jeder andere Besucher, es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr", ließ deren Sprecher zwar verlauten. Doch Sicherheitsexperten wollen das nicht gelten lassen. Schließlich hätten die Salahis trotz Kontrollen etwa Anthrax dabeihaben können oder sich ein Messer vom Tisch greifen können. "Attentate passieren wegen solcher Pannen", urteilt Ronald Kessler, der ein Buch über den Secret Service verfasst hat.

Nachdem bekanntwurde, dass das Ehepaar sogar Obama die Hand geschüttelt hatte, zeigte sich der Secret Service noch reumütiger. "Sie hätten überhaupt nicht dort sein dürfen. Es ist unsere Schuld", hieß es. Zwar habe der Schutzdienst des Präsidenten über 1,2 Millionen Besucher im vorigen Jahr erfolgreich überprüft - doch man dürfe sich keinen einzigen Ausrutscher erlauben.

Die Panne ist besonders heikel, weil Obama als erster Afroamerikaner im Weißen Haus Schätzungen zufolge viermal so viele Drohbriefe erhält wie Vorgänger George W. Bush. Zwar hat der Secret Service eine peinlich genaue, interne Aufklärung versprochen. Doch die ersten Stimmen fordern schon, man müsse dessen Budget deutlich erhöhen. Der Kongressabgeordnete Peter T. King verlangt eine offizielle Parlamentsuntersuchung des Vorfalls. Den Salahis könnte sogar ein Strafverfahren drohen. Zwei Agenten des Secret Service haben am Freitag versucht, sie zu befragen.

Auftritt bei Larry King

Für die Salahis hat sich der Auftritt jedenfalls gelohnt. Am Montag soll das Ehepaar bei Larry King auftreten, dem legendären CNN-Moderator. Auch für die Rolle in der Reality-TV-Show dürften ihre Chancen gestiegen sein. Auf ihrer Facebook-Seite schlägt sich Michaele bereits für TV-Shows und Moderationen vor, dort hat sie Bilder früherer Abenteuer eingestellt, etwa ihrem angeblichen Ausflug in die exklusive Box des Präsidenten bei einem Konzert während der Inaugurationsfeierlichkeiten.

In jedem Fall hat das Ehepaar den Respekt eines exklusiven Zirkels erworben: den der professionellen Partycrasher. Den Secret Service auszuhebeln, nötigt selbst den unerschrockensten von ihnen Respekt ab. Selma Fonseca, die schon über tausend Fotos von VIP-Partys vorweisen kann, zu denen sie nicht eingeladen war, vorweisen kann, sagt den "New York Daily News" voll Bewunderung: "Sie müssen Nerven aus Stahl haben."

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