Mailand/Hamburg - Man kennt ihn feixend, strotzend vor Selbstbewusstsein, angriffslustig und auch wütend. Aber so wie am Sonntagabend haben die Italiener ihren Premierminister noch nie gesehen.
Der mächtigste Mann des Landes blutend, verwirrt, verletzt und zutiefst verletzlich - nach der Attacke eines offenbar verwirrten 42-Jährigen, der eine Statuette des Mailänder Doms nach Berlusconi warf und ihn schwer im Gesicht verletzte, liegt der 73-Jährige nun mit einem Nasenbeinbruch im Krankenhaus San Raffaele. Hieß es zunächst noch, Berlusconi könne die Klinik schon am Montag wieder verlassen, teilten die Ärzte nun mit, man wolle den Patienten noch bis Dienstag beobachten.
Der Regierungschef nehme Antibiotika und habe "anhaltende" Schmerzen. Eine Operation sei jedoch nicht nötig, sagte der leitende Arzt Alberto Zangrillo. Berlusconi habe außerdem wegen Verletzungen an der Lippe Probleme beim Essen. Nach Angaben der Ärzte dürfte es bis zur vollständigen Genesung knapp drei Wochen dauern.
Am Montagmorgen habe sich der berühmte Patient Zeitungen bringen lassen und erste Besucher empfangen. "Er würde sich gerne wieder in seine rasende Aktivität stürzen, aber die Ärzte mahnen zur Vorsicht", sagte sein Sprecher Paolo Bonaiuti.
"Berlusconi ist bis auf weiteres unersetzlich"
Was Berlusconi, dessen angebliche Verbindungen zur Mafia zuletzt die Schlagzeilen beherrscht hatten, am Morgen in den Zeitungen las, dürfte sich wie ein Balsam auf seine Seele gelegt haben. Alle Zeitungen veröffentlichten flammende Appelle gegen die Gewalt in Politik und Gesellschaft. Das politische Klima in Italien ist vergiftet, wozu auch Berlusconis teils geschmacklose Angriffe auf den politischen Gegner beitrugen - doch an diesem Montag schreibt selbst "La Repubblica", die Speerspitze im Kampf gegen Berlusconi: "Diese Ladung der Gewalt, die aus den Bildern spricht, erreicht uns alle." "Freunde und Feinde" müssten "Solidarität" mit dem Ministerpräsidenten zeigen, da "nichts weniger als die Freiheit" auf dem Spiel stehe.
Anhänger Berlusconis hängten an den Wänden des Krankenhauses eine italienische Fahne und ein Spruchband auf, auf dem zu lesen wahr: "Echte Italiener sind immer bei Dir". Das Attentat dürfte Berlusconi eine Welle der Anerkennung und des Mitleids bescheren: "Man kann damit rechnen, dass seine Sympathiewerte steigen werden", schrieb der "Corriere della sera". "Fast jeder im Land ist der Meinung, dass der Anschlag sowohl für Berlusconi persönlich schlimm als auch für Italiens Image schädlich war. Außerdem wird es in der Rechten auf längere Zeit unmöglich, Berlusconi die Führungsrolle streitig zu machen. Er ist bis auf weiteres unersetzlich."
Der Politikwissenschaftler James Walston von der Amerikanischen Universität in Rom sagte, es bleibe abzuwarten, ob Berlusconi diese steigenden Sympathiewerte künftig bei der Umsetzung seines wichtigsten Ziels werde einsetzen können - bei der geplanten Verfassungsänderung, die ihm Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung und der Exekutive im Staat eine nie dagewesene Machtfülle bescheren soll.
"Berlusconi hat ein Klima des Hasses geschaffen"
"Berlusconis Stern wird nun wieder steigen", sagt Emilio Iodice, Direktor des John Felice Rome Center. Der Anschlag auf den Premier könne eine kathartische Wirkung haben - nach einer langen Phase des lähmenden Stillstands zwischen den verfeindeten politischen Lagern könne nun eine konstruktive "Befriedungsphase" eintreten.
Nicht alle wollten in den Versöhnungschor einstimmen. "Ich bedauere die Gewalt, aber Berlusconi hat ein Klima des Hasses geschaffen", sagte Antonio Di Pietro von der Anti-Korruptions-Partei IDV (Italien der Werte) über den konservativen Regierungschef, der sich dieser Tage erneut vor Gerichten wegen Bestechung zu verantworten hat.
"Er kann sich jetzt aber nicht als Opfer fühlen", sagte Rosy Bindi von der größten Oppositionspartei PD (Demokratische Partei). "Wir sind mit dem Premier zwar solidarisch, aber unter denen, die dieses Klima aufgebaut haben, ist auch Berlusconi."
Als erste Folge des Attentats sollen nun die Sicherheitsvorkehrungen für Berlusconi verschärft werden. Das kündigte der Staatssekretär im Innenministerium an, Alfred Mantova. Der Vizevorsitzende des Kontrollausschusses für die Geheimdienste, Carmelo Briguglio, hatte zuvor "besorgniserregende Sicherheitslücken" bei der Überwachung des Premiers bemängelt.
pad/AFP/AP/dpa
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Das ist kein Vorwurf, das ist das konstatieren einer Tatsache. Seit dem zweiten Weltkrieg gab es in Italien mehr Regierungen als Regierungsjahre. Es gibt keine Politische Kultur, es gibt lediglich das, was man in Köln den [...] mehr...
Da fällt noch etwas unter den Tisch. Nämlich die Tatsache, das Berlusconi Gesetze verabschiedet, die verhindern sollen, das er vor Gericht gezerrt wird. Ist aber natürlich auch nur ein "Gerücht", nicht wahr? Ja, so [...] mehr...
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