ThemaLibanonRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
18.12.2009
 

Schiffsunglück

Verzweifelte Suche nach Überlebenden im Mittelmeer

Zunehmend schwindet die Hoffnung, weitere Überlebende des Schiffsunglücks vor der libanesischen Küste zu finden. Am Tag nach dem Untergang des Frachters wurden noch mehrere Dutzend Menschen vermisst. Schlechtes Wetter erschwerte die Suche.


Beirut - Als die Retter am Unglücksort vor der libanesischen Küste eintreffen, ist die Lage extrem unübersichtlich. Es ist dunkel, Wellen türmen sich bis zu vier Meter hoch auf, überall treiben tote Schafe im Wasser. Die Seeleute, die von den Helfern aus dem Wasser geholt werden, sind völlig erschöpft.

Das Frachtschiff "Danny F II" war am frühen Donnerstagabend mit 83 Menschen und Tausenden Schafen an Bord bei stürmischem Wetter gekentert, rund 20 Kilometer von der Hafenstadt Tripolis entfernt.

An der Rettungsaktion beteiligten sich auch zwei Schiffe der Bundesmarine, die im Rahmen der UNIFIL-Mission in der Region stationiert sind. Deutsche Marinesoldaten retteten 26 Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer, weitere 15 Menschen seien von anderen Schiffen geborgen worden, präzisierte ein Bundeswehrsprecher am Freitag zuvor gemachte Angaben. Elf Schiffbrüchige konnten sich demnach aus eigener Kraft an den Strand nahe der Stadt Akkar retten. Libanesische Behörden sprachen hingegen von insgesamt 38 Überlebenden.

Dem deutschen Marine-Sprecher zufolge zogen die Soldaten des Versorgungsschiffes "Mosel" und des Minenjagdbootes "Laboe" neben den 26 Überlebenden auch vier Leichen aus den Fluten des Mittelmeeres.

Nach den noch Vermissten wurde am Freitagnachmittag weiter gesucht. Der Einsatz sei auf die internationalen Gewässer vor Syrien ausgedehnt worden, allerdings erschwerte schlechtes Wetter die Suche, sagte UNIFIL-Sprecherin Andrea Tenenti. An der Suche beteiligten sich mehrere libanesische und syrische Boote sowie drei UNIFIL-Schiffe, darunter die beiden deutschen. Zudem war am Donnerstagabend ein britischer Rettungshubschrauber von Zypern aus zu der Unglücksstelle geflogen.

"Der Sturm hat die Rettungsaktion natürlich kompliziert gemacht, aber wenigstens ist es in dem Gebiet im Moment nicht so kalt, deshalb wurden auch so viele Überlebende gefunden", sagte der deutsche Marine-Sprecher.

Kapitän schlug Alarm und ging dann mit dem Schiff unter

Der Frachter war nach ersten Erkenntnissen auf dem Weg von Uruguay nach Syrien und sollte ursprünglich den Hafen Tartus anlaufen. Nach Angaben der syrischen Hafenbehörden war dies jedoch wegen des Sturms nicht möglich. Der britische Kapitän setzte einen Notruf ab und änderte seinen Kurs, um die libanesische Hauptstadt Beirut zu erreichen - doch das Schiff kenterte.

Ein geretteter Filipino berichtete, der Kapitän der "Danny F II" habe Alarm geschlagen und alle aufgefordert, ins Wasser zu springen. Etwa zehn Minuten später sei das Schiff zur Seite gekippt und dann mit dem Kapitän an Bord gesunken.

Nach Angaben des libanesischen Armeesprechers war es den meisten Menschen an Bord des Frachters gelungen, sich rechtzeitig eine Schwimmweste überzuziehen. Es wurde jedoch befürchtet, dass die Wellen sie weit vom Unglücksort wegspülten.

"Als ich ins Wasser gesprungen bin, hatte ich keine Schwimmweste, weil ich keine finden konnte", sagte einer der Überlebenden, ein Filipino namens Jonathan. Da die Wellen sehr hoch gewesen seien, sei er in Panik geraten: "Ich dachte, ich sterbe."

Marine bringt Gerettete nach Tripolis

Nach libanesischen Angaben kamen die meisten Besatzungsmitglieder des Frachters, der unter der Flagge Panamas fuhr, aus Pakistan und von den Philippinen. Unter den 83 Menschen an Bord, die sich während der rund dreiwöchigen Reise auch um die Tiere kümmern mussten, waren außerdem Staatsbürger aus Großbritannien, Australien, Russland, dem Libanon, Syrien und Uruguay.

Die deutschen Soldaten brachten die von ihnen geretteten Besatzungsmitglieder nach Tripolis, wo sie medizinisch behandelt werden. Die Marine ist seit 2006 vor der libanesischen Küste im Einsatz. Sie gehört der Flotte der Uno-Friedenstruppe UNIFIL an, die den Waffenschmuggel in den Libanon verhindern soll. Der Einsatz ist nicht unumstritten. Kritiker argumentieren, die pro-iranische Hisbollah-Miliz beziehe ihre Waffen ohnehin auf dem Landweg via Syrien.

siu/APD/Reuters/AFP/dpa

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Gesellschaft
alles zum Thema Libanon

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen







TOP



TOP