Das Frachtschiff "Danny F II" war am frühen Donnerstagabend mit 83 Menschen und Tausenden Schafen an Bord bei stürmischem Wetter gekentert, rund 20 Kilometer von der Hafenstadt Tripolis entfernt.
An der Rettungsaktion beteiligten sich auch zwei Schiffe der Bundesmarine, die im Rahmen der UNIFIL-Mission in der Region stationiert sind. Deutsche Marinesoldaten retteten 26 Schiffbrüchige aus dem Mittelmeer, weitere 15 Menschen seien von anderen Schiffen geborgen worden, präzisierte ein Bundeswehrsprecher am Freitag zuvor gemachte Angaben. Elf Schiffbrüchige konnten sich demnach aus eigener Kraft an den Strand nahe der Stadt Akkar retten. Libanesische Behörden sprachen hingegen von insgesamt 38 Überlebenden.
Dem deutschen Marine-Sprecher zufolge zogen die Soldaten des Versorgungsschiffes "Mosel" und des Minenjagdbootes "Laboe" neben den 26 Überlebenden auch vier Leichen aus den Fluten des Mittelmeeres.
Nach den noch Vermissten wurde am Freitagnachmittag weiter gesucht. Der Einsatz sei auf die internationalen Gewässer vor Syrien ausgedehnt worden, allerdings erschwerte schlechtes Wetter die Suche, sagte UNIFIL-Sprecherin Andrea Tenenti. An der Suche beteiligten sich mehrere libanesische und syrische Boote sowie drei UNIFIL-Schiffe, darunter die beiden deutschen. Zudem war am Donnerstagabend ein britischer Rettungshubschrauber von Zypern aus zu der Unglücksstelle geflogen.
"Der Sturm hat die Rettungsaktion natürlich kompliziert gemacht, aber wenigstens ist es in dem Gebiet im Moment nicht so kalt, deshalb wurden auch so viele Überlebende gefunden", sagte der deutsche Marine-Sprecher.
Kapitän schlug Alarm und ging dann mit dem Schiff unter
Der Frachter war nach ersten Erkenntnissen auf dem Weg von Uruguay nach Syrien und sollte ursprünglich den Hafen Tartus anlaufen. Nach Angaben der syrischen Hafenbehörden war dies jedoch wegen des Sturms nicht möglich. Der britische Kapitän setzte einen Notruf ab und änderte seinen Kurs, um die libanesische Hauptstadt Beirut zu erreichen - doch das Schiff kenterte.
Ein geretteter Filipino berichtete, der Kapitän der "Danny F II" habe Alarm geschlagen und alle aufgefordert, ins Wasser zu springen. Etwa zehn Minuten später sei das Schiff zur Seite gekippt und dann mit dem Kapitän an Bord gesunken.
Nach Angaben des libanesischen Armeesprechers war es den meisten Menschen an Bord des Frachters gelungen, sich rechtzeitig eine Schwimmweste überzuziehen. Es wurde jedoch befürchtet, dass die Wellen sie weit vom Unglücksort wegspülten.
"Als ich ins Wasser gesprungen bin, hatte ich keine Schwimmweste, weil ich keine finden konnte", sagte einer der Überlebenden, ein Filipino namens Jonathan. Da die Wellen sehr hoch gewesen seien, sei er in Panik geraten: "Ich dachte, ich sterbe."
Marine bringt Gerettete nach Tripolis
Nach libanesischen Angaben kamen die meisten Besatzungsmitglieder des Frachters, der unter der Flagge Panamas fuhr, aus Pakistan und von den Philippinen. Unter den 83 Menschen an Bord, die sich während der rund dreiwöchigen Reise auch um die Tiere kümmern mussten, waren außerdem Staatsbürger aus Großbritannien, Australien, Russland, dem Libanon, Syrien und Uruguay.
Die deutschen Soldaten brachten die von ihnen geretteten Besatzungsmitglieder nach Tripolis, wo sie medizinisch behandelt werden. Die Marine ist seit 2006 vor der libanesischen Küste im Einsatz. Sie gehört der Flotte der Uno-Friedenstruppe UNIFIL an, die den Waffenschmuggel in den Libanon verhindern soll. Der Einsatz ist nicht unumstritten. Kritiker argumentieren, die pro-iranische Hisbollah-Miliz beziehe ihre Waffen ohnehin auf dem Landweg via Syrien.
siu/APD/Reuters/AFP/dpa
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