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27.12.2009
 

Kontrollierte Explosion

Experten machen Bombe in Vechta unschädlich

Spektakuläre Aktion im niedersächsischen Vechta: Weil eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt werden sollte, mussten Tausende Menschen ihre Wohnungen verlassen. Sogar zwei Gefängnisse wurden geräumt.


Vechta - Bange Momente, doch dann war der Fluch der Vergangenheit zu Ende. Mit einer kontrollierten Sprengung machten Fachleute des Kampfmittelräumdienstes am Sonntagnachmittag eine Zehn-Zentner-Bombe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs unschädlich. Verantwortlich für die Aktion war Sprengmeister Thomas Gesk. Nach eigenen Angaben arbeitet der 51-Jährige seit fast 20 Jahren mit Blindgängern, 630 davon hat er entschärft. Doch Routine habe sich in all den Jahren nicht eingestellt, sagt Gesk - zum Glück: "Wenn es Routine wird, macht man Fehler und das ist dann der letzte Fehler, den man macht."

Anders als von der Stadt Vechta erhofft konnte der Blindgänger nicht an Ort und Stelle entschärft werden. Der Zünder war zu stark beschädigt. Der Bombenfundplatz war extra durch eine Wand aus 20 Seecontainern und aufgestapelten Strohballen abgeschirmt worden. Doch die Experten brachten die Bombe von dort sicherheitshalber per Tieflader an einen eigens eingerichteten Sprengplatz - und zündeten sie dort.

Zuvor hatten Tausende Menschen ihr Zuhause zeitweise verlassen müssen. Die Evakuierung hatte schon am frühen Morgen begonnen. Während viele Vechtaer die Situation nutzten, um Verwandte zu besuchen oder Ausflüge zu unternehmen, hatten die Insassen der beiden Gefängnisse in der niedersächsischen Stadt keine Wahl. Die 140 Frauen und 320 Männer wurden per Bus in Haftanstalten nach Hannover, Oldenburg und Meppen gebracht.

Mehr als 600 Einsatzkräfte beteiligt

Dort verbrachten die Gefangenen die Zeit mit Sport, Fernsehen, Gesellschaftsspielen und gemeinsamem Kochen. Die Mitarbeiter der beiden Justizvollzugsanstalten (JVA) mussten ebenfalls die Gebäude verlassen. Der Leiter der Männer-JVA, Rainer Karsten, schloss persönlich die Eingangspforte von außen ab.

Mehr als 600 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk sorgten dafür, den einen Kilometer um den Fundort gezogenen Sicherheitsbereich zu räumen. Die Helfer klingelten an jeder Haustür, um sicherzugehen, dass sich niemand mehr in der Gefahrenzone aufhält. Eine Schule war eigens zum Evakuierungszentrum umfunktioniert worden.

Dass auf einem Feld am Rande der Vechtaer Innenstadt in knapp fünf Metern Tiefe eine amerikanische Fliegerbombe liegen könnte, hatte sich bei der Auswertung von Luftbildaufnahmen ergeben. Der Flugplatz der Stadt war während des Zweiten Weltkriegs Ziel von Bombardements gewesen.

chs/dpa/ddp

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