Anders als von der Stadt Vechta erhofft konnte der Blindgänger nicht an Ort und Stelle entschärft werden. Der Zünder war zu stark beschädigt. Der Bombenfundplatz war extra durch eine Wand aus 20 Seecontainern und aufgestapelten Strohballen abgeschirmt worden. Doch die Experten brachten die Bombe von dort sicherheitshalber per Tieflader an einen eigens eingerichteten Sprengplatz - und zündeten sie dort.
Zuvor hatten Tausende Menschen ihr Zuhause zeitweise verlassen müssen. Die Evakuierung hatte schon am frühen Morgen begonnen. Während viele Vechtaer die Situation nutzten, um Verwandte zu besuchen oder Ausflüge zu unternehmen, hatten die Insassen der beiden Gefängnisse in der niedersächsischen Stadt keine Wahl. Die 140 Frauen und 320 Männer wurden per Bus in Haftanstalten nach Hannover, Oldenburg und Meppen gebracht.
Mehr als 600 Einsatzkräfte beteiligt
Dort verbrachten die Gefangenen die Zeit mit Sport, Fernsehen, Gesellschaftsspielen und gemeinsamem Kochen. Die Mitarbeiter der beiden Justizvollzugsanstalten (JVA) mussten ebenfalls die Gebäude verlassen. Der Leiter der Männer-JVA, Rainer Karsten, schloss persönlich die Eingangspforte von außen ab.
Mehr als 600 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk sorgten dafür, den einen Kilometer um den Fundort gezogenen Sicherheitsbereich zu räumen. Die Helfer klingelten an jeder Haustür, um sicherzugehen, dass sich niemand mehr in der Gefahrenzone aufhält. Eine Schule war eigens zum Evakuierungszentrum umfunktioniert worden.
Dass auf einem Feld am Rande der Vechtaer Innenstadt in knapp fünf Metern Tiefe eine amerikanische Fliegerbombe liegen könnte, hatte sich bei der Auswertung von Luftbildaufnahmen ergeben. Der Flugplatz der Stadt war während des Zweiten Weltkriegs Ziel von Bombardements gewesen.
chs/dpa/ddp
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