Guangzhou - Chinesen spucken im allgemeinen gern, ungeniert und in aller Öffentlichkeit. Es ist für sie so natürlich wie das Niesen. Spucken hält gesund, so die landläufige, Ärzten zufolge aber falsche Überzeugung. Seit Jahren versuchen Stadtverwaltungen, ihren Landsleuten diese Angewohnheit abzugewöhnen. Zuletzt wurde im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking eine Benimm-Kampagne gestartet, und als die nicht fruchtete, wurden Geldstrafen eingeführt.
Zu einer noch drakonischeren Erziehungsmaßnahme wollen jetzt die Stadtoberen der südchinesischen Stadt Guangzhou in einer neuen Wohnsiedlung greifen: Wer mehrmals beim Spucken in der Öffentlichkeit erwischt wird, dem soll ihren Plänen zufolge in Zukunft sogar die Wohnung weggenommen werden.
Das Verbot ist Teil eines ausgeklügelten Strafsystems, das am Donnerstag vorgestellt wurde: Spucken auf dem Gehweg soll demnach mit drei Strafpunkten geahndet werden. Ebensoviele Punkte kassiert auch, wer Zigarettenstummel wegwirft, falsch parkt oder Wäsche zum Trocknen am Zaun aufhängt. Noch höher bestraft werden soll die unsichere Lagerung von explosivem oder giftigem Material. Wer binnen zwei Jahren 20 Punkte sammelt, muss seine Wohnung räumen.
Das Punktesystem sei entwickelt worden, um eine "zivilisierte, hygienische, sichere und harmonische Umgebung zu schaffen", teilte das Büro für Landressourcen und Management der Stadt Guangzhou auf seiner Internetseite mit.
Noch handelt es sich nur um einen Verordnungsentwurf. Bevor dieser beschlossen werden soll, will die Verwaltung zunächst ausloten, wie die Öffentlichkeit auf ihre Pläne reagiert.
sae/AFP/APD
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