SPIEGEL ONLINE: Tourist aus westlicher Industrienation verliebt sich in asiatische Prostituierte. Diese Geschichte wiederholt sich in Kambodscha und Thailand jeden Tag tausendfach. Warum wurde aus Ihrer Urlaubsliebe eine feste Beziehung?
Benjamin Prüfer: Die meisten Frauen, die als Prostituierte in den Bars arbeiten, sind entsetzlich zynisch. Sreykeo hat trotz der Härten ihres Lebens nie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufgegeben. Dennoch ist es sicher ein Ausnahmefall, dass es bei uns funktioniert hat.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben Ihre Geschichte in einem Roman verarbeitet, der von Detlev Buck verfilmt wurde, jetzt kommt der Film in die Kinos. Bereuen Sie schon, Ihr Privatleben mit der Öffentlichkeit geteilt zu haben?
Prüfer: Nein, obwohl es manchmal dämliche Reaktionen gibt. Sreykeo und ich sind seit fast vier Jahren verheiratet und haben zwei Kinder, trotzdem gibt es immer noch Leute, die sagen: Deine Liebe ist eine Illusion! Sie will doch nur Dein Geld!
SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren Sie darauf?
Prüfer: Ich denke: Leckt mich doch am Arsch! Ich sage es aber leider nicht. (lacht) Die positiven Reaktionen überwiegen. Das Buch hat unser Leben sogar leichter gemacht, weil ich mit vielen Vorurteilen aufräumen konnte.
SPIEGEL ONLINE: Die da wären?
Prüfer: Wer mit einer asiatischen Frau zusammen lebt, ist gerade in Deutschland zum Abschuss freigegeben. Die Vorstellung ist, dass die Frau sich wegen des Geldes opfert, der Mann ist immer der Täter. Ich bekomme übrigens ständig Mails von deutschen Männern, die sich auch in eine Kambodschanerin verliebt haben.
SPIEGEL ONLINE: Was sagen Sie denen?
Prüfer: Ich kann keine Patentrezepte liefern, jede Beziehung ist anders. Meistens lese ich aber schon zwischen den Zeilen einer Mail, dass der Mann nicht bereit ist, sein Leben zu ändern. Er will diese Frau aus Kambodscha nach Deutschland einfliegen lassen, dann soll sie sich halt ihm und seiner Welt anpassen. Es funktioniert nicht, wenn er sein altes Leben weiterführen will. Ich war mit Anfang 20 sofort dazu bereit, mein bisheriges Leben gegen ein neues einzutauschen, das erfüllter und bunter ist.
SPIEGEL ONLINE: Was hat sich durch Sreykeo für Sie geändert?
Prüfer: Mein Leben vor Sreykeo war unverbindlich. Das gilt für den Job wie auch für meine Freundschaften. Ich war nicht allein, aber trotzdem einsam. Das hat sich durch Sreykeo komplett verändert. Ich habe durch sie an Stärke und Selbstbewusstsein gewonnen. Das Entscheidende an unserer Beziehung ist ja die Verbindlichkeit. Für uns ist es absolut keine Option, uns irgendwann zu trennen. Früher nicht, und seit wir die Kinder haben, erst recht nicht.
SPIEGEL ONLINE: Weil Sreykeo HIV-positiv ist, dachten Sie zunächst, Sie könnten keine gemeinsamen Kinder bekommen.
Prüfer: Inzwischen weiß ich mehr über HIV und Medikamente. Lukas wurde im Februar 2008 in Hamburg geboren. Kerngesund. Unsere Tochter, Rottana, ist adoptiert. Sie war ungefähr einen Monat alt, als ich Sreykeo getroffen habe, und war schon damals Teil ihrer Familie.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben anderthalb Jahre in Deutschland gelebt und sind Anfang 2009 wieder nach Phnom Penh zurückgegangen. Warum?
Prüfer: Einerseits, um das Adoptionsverfahren für Rottana zu erleichtern. Der andere Grund ist, dass Sreykeo in Deutschland den ganzen Tag mit den Kindern zu Hause gewesen wäre.
SPIEGEL ONLINE: Hat sie keine Ausbildung in Betracht gezogen?
Prüfer: Finanziell hätte das keinen Sinn ergeben. Die Kosten für die Kindertagesstätte hätten den Verdienst komplett aufgefressen. Hinzu kommt, dass sie in Deutschland immer nur die Ausländerin ist. Das ist für ein Jahr kein Problem. Für zwei Jahre auch nicht. Aber wenn du auch nach vielen Jahren immer noch auf den Status "Ausländerin" reduziert wirst, ist das kein Vergnügen.
SPIEGEL ONLINE: In Kambodscha sind Sie der Ausländer.
Prüfer: Ich bin der Weiße, der angestarrt wird. Trotzdem ist es für mich viel leichter, in Kambodscha Ausländer zu sein, als es das für Sreykeo in Deutschland wäre.
SPIEGEL ONLINE: Werden Sie weiter als Schriftsteller arbeiten?
Prüfer: Das war immer mein Traum. Aber ich habe große Angst, von Büchern abhängig zu sein. Wenn ich denken muss: Oh Gott, meine Amazon-Verkaufswerte sinken, ich muss sofort in eine Talkshow, damit ich unseren Kühlschrank wieder füllen kann - das wäre schrecklich.
SPIEGEL ONLINE: Vermissen Sie in Kambodscha typisch deutsche Dinge?
Prüfer: Vieles! Leckeren Bohnenkaffee, gepflasterte Wege ... Je länger ich in Kambodscha lebe, umso spießiger werde ich. Ich bin der einzige, der die Fensterscheiben mit Glasreiniger putzt. Ich träume davon, dass der Fernseher sofort läuft, wenn ich den Stecker in die Steckdose stecke. Das funktioniert hier aber nicht. Ist doch kein Wunder, dass die Wirtschaft nicht in Schwung kommt, wenn es keine funktionierenden Steckdosen gibt. (lacht)
Das Interview führte Michael Scholten
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Klar, gelle, der "Wert" einer Frau wird von der Zahl ihrer Kinder bestimmt. Da ist man(n) in Deutschland ja auf dem guten weg. Wir hatten - wie hiess sie denn noch - eine blonde Ministerin, die quasi das Mutterkreuz [...] mehr...
Die gibt's tatsächlich. Aber so sehr ich Gerhard Polt sonst schätze, so wenig tut er mit seinem Mai Ling Sketch den "normalen" Paaren einen Gefallen, sondern trägt einfach zur weiteren Verbreitung des Clichees bei. mehr...
... meinen Sie jetzt die intellektuellen linken "Gutmenschen', die auch Multikulti nur so lange hip finden, bis sie ihre Kinder schnell in anderen Schulen mit geringerem Ausländeranteil unterbringen müssen ?? mehr...
zu 1. Die muslim. Frau läßt ja Haare sehen ! Ist das eine läßliche Sünde ?? Wozu ist dann der Rest des Kopftuchs noch erforderlich ;-)) zu 2. ... *in* Japan ! Z.B. *in* der Türkei toleriere ich als Gast dort [...] mehr...
Ja sicher, deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass das im Grunde kein Argument ist. Dennoch finde ich den Vergleich Punk = Frau mit Kopftuch etwas sehr allgemein, vielleicht ist es ja wirklich ein kulturelles Problem, aber [...] mehr...
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