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02.02.2010
 

Schwulendiskriminierung

Papst bringt Briten gegen sich auf

Von Carsten Volkery, London

Papst Benedikt XVI.: "Ungerechte Einschränkung" der Religionsfreiheit Zur Großansicht
AFP

Papst Benedikt XVI.: "Ungerechte Einschränkung" der Religionsfreiheit

Zum ersten Mal seit 27 Jahren kommt ein Papst nach England - und Benedikt XVI. macht sich schon vorab Feinde. Liberale Briten und selbst konservative Medien sind empört über seine scharfe Kritik am geplanten Gleichstellungsgesetz: Die "Times" spricht von einer "beispiellosen Attacke".

London - Es hätte alles so friedlich sein können. Die fünf Millionen Katholiken auf der Insel freuen sich auf den ersten Besuch ihres Oberhirten seit 27 Jahren. Lokalpolitiker hoffen, dass die viertägige Reise den Papst im September auch in ihre Stadt führen wird. Sogar Stimmwunder Susan Boyle will dem "Daily Record" zufolge für ihn singen.

Doch Benedikt XVI. hat die Vorfreude gründlich verdorben. "Päpstliche Aggression", schimpfte "Guardian"-Blogger Andrew Brown. Von einer "beispiellosen Attacke" sprach die "Times". Der Papst begreife "es einfach nicht".

Für die Empörung sorgte eine päpstliche Botschaft vom Montag. Darin bestätigte Benedikt XVI. zunächst seine Reisepläne für England und Schottland. Zugleich mischte er sich jedoch recht undiplomatisch in die britische Debatte um ein neues Gleichstellungsgesetz ein.

Vor englischen und walisischen Bischöfen in Rom erklärte er, dass England bekannt sei für seine Bemühungen um gleiche Chancen für alle Bürger. Doch führten manche der entsprechenden Gesetze zu "ungerechten Einschränkungen" der Religionsfreiheit. Sie verstießen "gegen das Naturgesetz, auf dem die Gleichheit aller Menschen gründet".

Die Kirche pocht auf ihr Recht, homosexuelle Bewerber abzulehnen

Benedikt rief die Bischöfe dazu auf, "sicherzustellen, dass die kirchliche Morallehre immer vollständig verkündet und überzeugend verteidigt wird". Die wortgetreue Ausführung des Evangeliums beschränke "in keiner Weise die Freiheit anderer - im Gegenteil: Sie dient ihrer Freiheit, indem sie ihnen die Wahrheit anbietet".

Die päpstlichen Bemerkungen wurden als Kritik am neuen Antidiskriminierungsgesetz gewertet, das gerade im englischen Parlament verhandelt wird. Die Labour-Regierung will die Kirchen wie andere Arbeitgeber behandeln, und dazu gehört unter anderem, dass die sexuelle Orientierung kein Einstellungskriterium sein darf. Für Priester und andere religiöse Berufe sollen weiter Ausnahmeregelungen gelten, aber nicht für einfache Verwaltungsangestellte.

Die katholische Kirche leistet - ebenso wie die anglikanische - erbitterten Widerstand. Sie will sich das Recht vorbehalten, Schwule und Lesben abzulehnen. Der Vatikan hat noch nicht verwunden, dass katholische Adoptionsvermittlungen in England seit vergangenem Jahr Adoptivbewerber nicht mehr mit der Begründung ablehnen dürfen, sie seien homosexuell. Daraufhin hatten mehrere katholische Stellen die Vermittlung ganz eingestellt.

Erst vergangene Woche gab es eine heftige Debatte im Oberhaus über das neue Gleichstellungsgesetz. Die zentrale Frage: Ist der Glaube höher einzustufen als die Gleichheit? Eine Mehrheit der Lords erfüllte schließlich die Forderung der anglikanischen und katholischen Bischöfe, den Kirchen weiterhin gewisse Ausnahmeregelungen bei der Einstellungspolitik einzuräumen. Es war ein Rückschlag für die Labour-Regierung, doch der Kampf ist noch nicht vorbei.

Die weitreichende Reform aller bisherigen Gleichstellungsgesetze ist das Prestigeprojekt der stellvertretenden Labour-Parteivorsitzenden Harriet Harman. Sie ist die bekannteste Feministin Großbritanniens und eine Hassfigur der Konservativen. Die Gleichstellungsreform war ein zentrales Wahlversprechen der Sozialdemokraten, und Harman ist entschlossen, sie noch vor der nächsten Unterhauswahl im Mai durchzusetzen.

Stellt der Papst die Diskriminierung über das Recht?

Der Papst wollte offensichtlich die Kampagne der englischen Bischöfe weiter anheizen. Sie müssten mit einer Stimme sprechen, schärfte er seinen Besuchern in Rom ein. Die Bischöfe wollen in den nächsten Tagen ein Papier veröffentlichen, in dem sie die Positionen der Parteien aus kirchlicher Sicht bewerten und eine Wahlempfehlung abgeben.

Die päpstliche Intervention wurde in der britischen Öffentlichkeit als unangemessene Einmischung in den Wahlkampf empfunden. Selbst konservativen Medien wie der "Times" ging der Zwischenruf aus Rom zu weit. Es sei traurig, dass beide Kirchen das Gefühl für die Stimmung in der Bevölkerung verloren hätten, schrieb eine Kommentatorin. Die Briten sind eines der liberalsten Völker der Welt, eine große Mehrheit sieht gleiche Rechte für Homosexuelle als selbstverständlich an.

Nach Ansicht der Kommentatoren hat sich der Papst wenige Monate vor seinem Besuch im Land keinen Gefallen getan. "Gerade als der römische Katholizismus normaler und natürlicher Teil der religiösen Landschaft Englands geworden zu sein schien, tritt Papst Benedikt mit einer Äußerung auf, die jedem Protestanten die Haare zu Berge stehen lässt", schrieb "Guardian"-Blogger Andrew Brown. Nichts hätte die Gegner des Papstbesuchs wirksamer mobilisieren können.

Schwulengruppen und Atheisten kündigten prompt an, dem Papst einen heißen Empfang zu bereiten. Benedikt scheine "die Diskriminierung durch die Kirchen zu verteidigen und sie über das Gesetz zu stellen", sagte der schwule Bürgerrechtler Peter Tatchell dem "Telegraph". Die nationale Säkularisten-Vereinigung rief alle zum Protest auf, "die sich von der Militanz des Vatikans bedroht fühlen".

Es ist der erste Papstbesuch im Königreich seit 1982. Damals hatte Johannes Paul II. als erstes katholisches Kirchenoberhaupt seit der Abspaltung der anglikanischen Kirche im 16. Jahrhundert englischen Boden betreten. Die Einladung an Benedikt hatte Premierminister Gordon Brown vergangenes Jahr bei einer Privataudienz im Vatikan ausgesprochen. Er dürfte einigermaßen überrascht sein, dass sein Gast im Wahlkampf nun gegen seine Politik Partei ergreift.

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08.02.2010 von Chris Jahn: Erbsünde

Ja, die Ablehnung der Homosexualität läßt sich wohl auch im NT begründen. Ich persönlich habe ein Problem mit dem Begriff angeborene Sünde (oder Erbsünde). Zum einen, wie ist die Sünde in die Welt gekommen) Adam und Eva haben [...] mehr...

08.02.2010 von oliver twist aka maga: Entscheidung verlangt

Ja, ich sehe es auch so. Auch für christliche Homosexuelle gilt: "You can't eat the cake and have it, too." Man muss sich schon entscheiden. mehr...

08.02.2010 von Pink: Südpreußen

Südpreußen war ein Teil des röm.-kath. Polen. mehr...

08.02.2010 von Chris Jahn: Nochmals Gesetze

Hallo Pink Vielen Dank für deine Antwort. Die Zeremonialgesetze sind erfüllt in Christus, läßt sich das im NT begründen? Was ist mit alttestamentlichen Strafgesetzen? Die Ehebrecherin (was ist eigentlich mit dem Mann, die [...] mehr...

08.02.2010 von Pink: Südpreußen

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