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04.02.2010
 

Münchner S-Bahn

Erneut Fahrgast von Jugendlichen zusammengeschlagen

Von Julia Jüttner

Im Fall des getöteten Dominik Brunner hat die Staatsanwaltschaft gegen die S-Bahn-Schläger Anklage wegen Mordes erhoben - zugleich wurde in München ein neuer Überfall auf einem Bahnhof bekannt. Vier Jugendliche haben Geld von einem Mann gefordert und ihn verprügelt. Nach den Tätern wird gefahndet.

Eching/Hamburg - Gute Vorsätze und mahnende Worte von Politikern gab es zuhauf nach der brutalen Attacke auf den Manager Dominik Brunner, der im September vergangenen Jahres an der S-Bahn-Haltestelle München-Solln zu Tode geprügelt worden war. Gegen die mutmaßlichen Täter ist am Donnerstag Anklage wegen Mordes erhoben worden.

Jetzt wird ein weiterer Fall aus München publik: Ein 58 Jahre alter Mann wurde von vier Jugendlichen überfallen und zusammengeschlagen, er liegt mit zahlreichen Verletzungen seit einer Woche im Krankenhaus. Die Tat ereignete sich bereits vergangenen Freitag - nachmittags um 15 Uhr - am S-Bahnhof in Eching nahe München, wurde aber erst am Donnerstag von der Bundespolizei mitgeteilt.

Peter M., ein gebürtiger Berliner, war an jenem Nachmittag mit der S-Bahn von Freising nach Eching gefahren, wie Berti Habelt, Sprecher der Bundespolizei, SPIEGEL ONLINE sagte. M. sei mit 20 Passagieren in Eching ausgestiegen, "doch er selbst sagte uns in einer ersten Vernehmung, er sei 'ganz gemütlich' zum Ausgang gegangen."

Peter M. war also allein, als er die Unterführung erreichte. Dort hätten ihn vier junge Männer angesprochen, so Polizeisprecher Habelt, und 50 Euro von ihm gefordert. "Sie sagten, sie wollten sich davon Alkohol kaufen. Doch der Mann hatte das Geld nicht, er hatte nur 8 Euro bei sich."

Zwei der Jugendlichen schlugen daraufhin ohne Vorwarnung auf Kopf und Oberkörper des 58-Jährigen ein. Dieser erlitt mehrere blutende Wunden am Kopf und Blutergüsse am Rücken und am rechten Arm.

"Er leidet noch sehr an den Folgen des Überfalls"

Peter M. wird nach wie vor in einer Münchner Klinik behandelt. "Es geht ihm den Umständen entsprechend, er leidet noch sehr an den Folgen des Überfalls", so Habelt. Der Mann hatte zunächst versucht, sich zu Hause selbst zu versorgen. Am Sonntag hätte sich sein Zustand jedoch so verschlechtert, dass er sich von einem Krankenwagen in eine Münchner Klinik bringen lassen musste.

Den Schlägern gelang anscheinend unbeobachtet die Flucht auf die Südseite der Bahngleise in Richtung Neufahrn bei Freising. Die vier wurden von Peter M. als etwa 17 bis 19 Jahre alt beschrieben, zwischen 1,65 und 1,80 Meter groß, bekleidet mit blauen Jeans und schwarzen Baseballmützen.

Die vage Personenbeschreibung macht es den Fahndern schwer. "Allein in Eching gibt es 400 Jugendliche, auf die diese Beschreibung passt", sagt Habelt. "Aber wir probieren alles, um sie zu schnappen." Es habe bereits umfangreiche Befragungen rund um den Tatort gegeben, sogenannte Jugendbeamte seien im Einsatz, entsprechende Lokalitäten und Örtlichkeiten würden durchsucht.

In München hatten erst am Samstag vor einer Woche vier Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in einem S-Bahn-Waggon mit einem Holzknüppel auf einen 29-jährigen EDV-Manager eingeschlagen.

Anklage wegen Mordes gegen Markus S. und Sebastian L.

Im Fall des getöteten Dominik Brunner hat das Oberlandesgericht München am Donnerstag bestätigt, dass die Staatsanwaltschaft München I gegen Markus S., 18, und Sebastian L., 17, Anklage wegen Mordes erhoben hat. Sie legt den beiden Jugendlichen zur Last, am Nachmittag des 12. September 2009 gemeinsam mit ihrem Kumpel Christoph T. von vier 13- bis 15-Jährigen die Herausgabe von 15 Euro gefordert zu haben. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sollen sie auf zwei der Jugendlichen eingeschlagen haben.

Lautstark sollen die Angeklagten ihren Opfern gedroht haben, diese zu überfallen und "abzuziehen". Daraufhin stellte Dominik Brunner, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, Markus S. und Sebastian L. zur Rede und verständigte in der Folgezeit die Polizei per Notruf.

Um "die vier völlig verängstigten Jugendlichen vor den Übergriffen der Angeschuldigten zu schützen", sei Brunner mit ihnen am S-Bahnhof Solln ausgestiegen. "Die beiden Angeschuldigten folgten der Gruppe und entschlossen sich, den Geschädigten Brunner zusammenzuschlagen, um sich an ihm für seine Einmischung zu rächen. Sie schlugen und traten mit Fäusten und Füssen auf den Geschädigten ein, bis dieser zu Boden ging", heißt es in der Anklageschrift.

Anschließend sollen sie Brunner, der bereits am Boden lag, mit Fäusten und Füßen malträtiert haben, auf dessen Kopf und Oberkörper eingedroschen haben. Dabei hätten sie laut Staatsanwaltschaft "tödliche Verletzungen in Kauf" genommen. Der Manager starb kurz darauf an seinen Verletzungen.

Wer kann im Fall Eching Hinweise geben?

Markus S. und Sebastian L. wurden noch am Tatort festgenommen, sie sitzen in Untersuchungshaft. Er habe wöchentlich mit seinem Mandanten Kontakt, sagte Rechtsanwalt Maximilian Pauls SPIEGEL ONLINE. Der Strafverteidiger vertritt Markus S., wollte sich aber vorerst zu dem Mordvorwurf nicht äußern.

Gegen einen dritten Jugendlichen, Christoph T., wird in einem separaten Prozess verhandelt. Ihm wird versuchte räuberische Erpressung vorgeworfen. Mit dem Tod Brunners soll T. direkt nichts zu tun haben.

Seine beiden Kumpel Markus und Sebastian werden sich vor der Jugendkammer des Landgerichts München I unter Vorsitz von Reinhold Baier verantworten müssen, sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger SPIEGEL ONLINE. Baier hat bereits im Fall des schwer verletzten Rentners Bruno N. die beiden Täter zu hohen Strafen verurteilt.

Im Fall des aktuellen Überfalls in Eching bittet die Polizei dringend um Hilfe: Personen, die sich in diesem Zeitraum am S-Bahnhaltepunkt Eching aufgehalten haben und Hinweise auf die Täter geben können, werden gebeten, sich mit der Bundespolizeiinspektion München, Tel.: 089 515550-111, in Verbindung zu setzen.

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