New York - Zur Unterstützung der Überlebenden des Erdbebens in Haiti haben die Vereinten Nationen den größten Spendenaufruf nach einer Naturkatastrophe in ihrer Geschichte gestartet. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Haiti-Sonderbeauftragter Bill Clinton forderten die Mitgliedsländer auf, 1,44 Milliarden Dollar (derzeit 1,05 Milliarden Euro) zur Verfügung zu stellen.
Die Summe ist für das gesamte Jahr 2010 veranschlagt und mehr als doppelt so hoch wie der ursprüngliche Spendenaufruf drei Tage nach der Erdbebenkatastrophe.
Die nun genannte Summe ist laut Uno nötig, weil jeder dritte Haitianer - drei Millionen Menschen - von der Katastrophe betroffen ist. Nach dem Beben von 12. Januar müssen laut Vereinten Nationen mehr als 1,2 Millionen Menschen über Monate mit Essen und Unterkünften versorgt werden. Angesichts der herannahenden Regenzeit seien Unterkünfte, sanitäre Einrichtungen und humanitäre Unterstützung am dringlichsten, sagte Ban. Allein ein Drittel des Geldes sei für die Lebensmittelversorgung vorgesehen.
Einer Uno-Sprecherin zufolge gingen bislang Spenden in Höhe von 673 Millionen Dollar ein.
Clinton sagte, Haiti brauche jetzt keine freundlichen Versprechungen. "Das Land braucht richtiges Geld. Geben Sie einfach, was Sie geben können", so der ehemalige US-Präsident zu den Vertretern der Uno-Staaten. Noch würden Hunderttausende Menschen in Haiti morgens nicht wissen, wie sie sich am Tag ernähren sollten. "Diese Menschen wollen ihr Land wieder aufbauen, aber sie brauchen Hilfe." Die Welt müsse ihre beispiellose Hilfsbereitschaft fortsetzen. "Ich werde alles tun, damit Ihr Geld so gut wie möglich ausgegeben wird", versprach Clinton.
"Geld, um ihre Familien zu versorgen"
Ban sagte: "Vor der Katastrophe im vergangenen Monat hatten wir ein Konzept für Haiti." Die Herausforderung sei nun, "dieses langfristige Programm fortzusetzen, so dass wir Haiti besser aufbauen können". Die Situation bessere sich von Tag zu Tag, aber noch stehe das Land ganz am Anfang des Weges. Hoffnung mache aber das "Cash for Work"-Programm ("Bares für Arbeit"), mit dem bislang 75.000 Haitianer am Wiederaufbau ihres Landes beteiligt würden. "Wenn wir die Haitianer für diese Arbeit bezahlen, geben wir Geld in ihre Hände; Geld, um ihre Familien zu versorgen, die Wirtschaft anzuschieben und ein soziales Netz zu knüpfen", so der Uno-Generalsekretär.
Den bislang größten Aufruf an die staatlichen Geldgeber hatten die Vereinten Nationen nach dem Tsunami im Indischen Ozean im Jahr 2004 gestartet. Damals hatte die Uno 1,41 Milliarden Dollar angefordert. Für den Sudan wurden bislang 1,9 Milliarden Dollar verlangt, allerdings in verschiedenen Aufrufen.
Der Ministerpräsident von Haiti, Jean-Max Bellerive, befürchtet indes einen Zusammenbruch seiner Regierung wegen der Nachwehen des Erdbebens. Sorgen machten ihm vor allem die Lage der Obdachlosen während der drohenden Regenzeit und eine politische Spaltung, sagte Bellerive am Donnerstag. Jeder versuche, Konflikte zu schüren - wobei doch jetzt alle den gleichen Feind hätten: "das Elend, das Desaster".
Bellerive war zum Zeitpunkt des Bebens erst zwei Monate im Amt. Er ist bereits der sechste Ministerpräsident seit 2004 in Haiti. Die für diesen Monat geplante Parlamentswahl wurde wegen der Naturkatastrophe abgesagt, daher ist die Legitimität des Parlaments bedroht. Die für die kommenden Monate vorgesehene Präsidentenwahl findet möglicherweise ebenfalls nicht statt. Die Amtszeit von Staatschef Rene Preval endet in zwölf Monaten.
siu/apn/dpa
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