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24.02.2010
 

Betrunken am Steuer

Kirche spricht Käßmann Vertrauen aus

Foto: dpa

Margot Käßmanns Blutprobe war eindeutig - das erste Urteil auch: In einer nächtlichen Krisensitzung bekannte sich der Rat der Evangelischen Kirche zu seiner Vorsitzenden.

Hannover - In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz am späten Dienstagabend stellten sich die 14 Mitglieder des Rates einmütig hinter Margot Käßmann, teilte EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick am Mittwoch mit. Auf der nächsten regulären Ratssitzung in dieser Woche solle der Fall abschließend bewertet werden. "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", hieß es in der Mitteilung.

Die EKD-Chefin war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens, eines VW Phaetons, gestoppt worden. Sie hatte zuvor im Zentrum von Hannover eine rote Ampel missachtet.

Rücktritt schon 2007 erwogen

Neben der EKD muss sich auch die hannoversche Landeskirche mit dem Vergehen ihrer Bischöfin auseinandersetzen. Einen Rücktritt hatte Käßmann bereits 2007 nach ihrer Scheidung erwogen, war wegen des klaren und großen Rückhalts aus der Landeskirche aber im Amt geblieben.

Für den Fall eines Rückzuges von der EKD-Spitze stünde Käßmanns Stellvertreter bereit, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Formell droht der Bischöfin als kircheninterne Konsequenz eine Rüge.


Am Dienstagabend hatte sich erstmals ein führendes EKD-Mitglied zu der Trunkenheitsfahrt öffentlich geäußert. "Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt", sagte die Präses der EKD-Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der "Tagesschau". Sie wisse aus persönlichen Gesprächen mit Käßmann, dass diese über ihr Fehlverhalten selbst am meisten betroffen sei. "Und deswegen respektiere ich, dass sie sich jetzt zurückzieht für eine Zeit." Käßmann hat sämtliche Termine in dieser Woche abgesagt.

"Grober Fehler"

Göring-Eckardt betonte, sie schätze wie viele andere auch die Arbeit Käßmanns als EKD-Ratsvorsitzende "außerordentlich". Als Präses der Synode, des EKD-Kirchenparlaments, steht Göring-Eckardt an der Spitze einer der wichtigsten EKD-Gremien.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) setzt darauf, dass Bischöfe und Landeskirche der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann weiterhin Rückendeckung geben. "Ich hoffe, dass die Gläubigen der Landeskirche Niedersachsen und die Bischofskollegen der EKD zu Frau Käßmann stehen und sie stützen. Dann wird sie auch diesen groben Fehler heil überstehen", sagte Thierse den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Kölnischen Rundschau". Geistliche seien auch nur Menschen, die Heiligkeit der Kirche beziehe sich nicht auf die Heiligkeit der Amtsträger.

"Frau Käßmann genießt durch ihre öffentlichen Bekenntnisse zu ihrer Scheidung und Krebserkrankung einen großen Sympathievorsprung. Ich glaube nicht, dass dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist", sagte Thierse weiter. Er bedauerte eine verbreitete Häme als Grundton der politischen Kommunikation: "Ein bevorzugtes Objekt ist jeder, der in irgendeiner Weise moralische Autorität beansprucht oder besitzt. Moralische Autoritäten sind offenbar für hämische Menschen schwer zu ertragen. Wenn es Anlass gibt, stürzen sie sich drauf."

jdl/dpa

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25.02.2010 von defilee: Bischöfin ignoriert Fastenzeit?

Die Tatsache, daß die Bischöfin die Fastenzeit (vor dem Tod und der Auferstehung Jesus Christus) mißachtet hat, zählt nicht bei der ganzen Diskussion? (Dies vom Rest abgesehen). .. Ist die Vorbereitungszeit vor Ostern für die [...] mehr...

25.02.2010 von PeteLustig: Titel

Wo haben Sie diesen Unsinn her? Erstens bestand für eine Personalienfeststellung des Beifahrers keine Veranlassung und keine Rechtsgrundlage. Zweitens machte sich der Beifahrer nicht "strafauffällig", so lange er [...] mehr...

25.02.2010 von rafkuß: Niveau

Darauf kann ich nur bedingt antworten, da ich an solchen Tischen eigentlich nicht zu verkehren pflege... ...aber ich weiß, dass ich auch in angetrunkenem Zustand noch ein recht angenehmer, eher friedlich-heiterer Zeitgenosse [...] mehr...

24.02.2010 von harrold: Rücktritt

Naja, ein Amt ist auch nicht alles. Willkommen zurück in den Reihen der anständigen Menschen (hier unten) !!! Niemand braucht Posten und Pöstchen. mehr...

24.02.2010 von Berta: Leute mit Amt

Den Leuten im oder mit Amt kann Marktwirtschaft egal sein, man lebt im Sozialismus mit Totalversorgung. Radikale Marktwirtschaft bitte für Arbeiter und Angestellte. mehr...

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Zur Person

AP
Margot Käßmann, 51, war seit Oktober 2009 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und damit die erste Frau in diesem Amt. Seit 1999 stand die Theologin zudem als Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover vor. Bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss am 20. Februar 2010 fuhr Käßmann in Hannover über eine rote Ampel. Nach diesem Vorfall sei ihre "Autorität beschädigt" - Käßmann trat von ihren Spitzenämtern zurück, arbeitet aber weiter als Pastorin. Die Mutter von vier Kindern ist geschieden. Mehr auf der Themenseite...






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