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24.02.2010
 

1,54-Promille-Fahrt

Bischöfin Käßmann tritt zurück

Für den Nachmittag hat Margot Käßmann eine Erklärung zu ihrer Alkoholfahrt angekündigt - nun wird klar, was die Bischöfin zu sagen hat: Nach SPIEGEL-Informationen wird sie als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche zurücktreten.


Hannover - Margot Käßmann will nach Informationen des SPIEGEL vom Amt als Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurücktreten. Die 51-Jährige zieht damit die Konsequenzen aus ihrer Trunkenheitsfahrt vom vergangenen Samstag, Personen in ihrem Umfeld reagierten überrascht. Ob sie auch das Amt der Bischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover aufgeben wird, war zunächst unklar. Käßmann will sich am Nachmittag in Hannover vor Journalisten äußern.

Mit dem Rücktritt von Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende rückt ihr Stellvertreter in den Blick. Nikolaus Schneider, seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, wird zunächst den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland leiten - und damit höchster Repräsentant von 25 Millionen evangelischen Christen sein. Der 62-Jährige ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement.

Käßmann war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Sie hatte zuvor im Zentrum von Hannover eine rote Ampel missachtet. Die Bischöfin hatte die Fahrt zutiefst bedauert und erklärt, sich den rechtlichen Konsequenzen stellen zu wollen.

Kurzfristig anberaumte Telefonkonferenz

Der Rat der EKD hatte seiner Vorsitzenden vor ihrer Entscheidung öffentlich den Rücken gestärkt. In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz am späten Dienstagabend, an der auch Käßmann selbst teilgenommen hatte, stellten sich die 14 Mitglieder des Rates nach Angaben des EKD-Pressesprechers einmütig hinter die Bischöfin von Hannover. "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", hieß es in einer Mitteilung. Auf der nächsten regulären Ratssitzung in dieser Woche solle der Fall abschließend bewertet werden.

Einen Rücktritt hatte Käßmann bereits 2007 nach ihrer Scheidung erwogen, war wegen des klaren und großen Rückhalts aus der Landeskirche aber im Amt geblieben.

Die Bischöfin erwartet wegen ihrer Trunkenheitsfahrt ein Strafverfahren, da Alkoholvergehen am Steuer ab 1,1 Promille keine Ordnungswidrigkeit mehr sind. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem zügigen Abschluss des Verfahrens. Da im Moment nicht davon auszugehen sei, dass die EKD-Ratsvorsitzende bei ihrer Fahrt andere konkret gefährdet habe, sei alleine der ermittelte Wert von 1,54 Promille relevant, sagte Staatsanwalt Jürgen Lendeckel am Mittwoch.

Der unbekannte Beifahrer

Bei ihrer Alkoholfahrt hatte Käßmann einen Beifahrer. Dessen Personalien seien aber nicht aufgenommen worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Hannover, Klaus Engemann. Ein Beifahrer spiele nur dann als Zeuge eine Rolle, "wenn der Fahrer völlig kontrollunfähig ist." Dies sei hier offensichtlich nicht der Fall gewesen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sei noch Samstagnacht über den Vorfall informiert worden.

Am Dienstagabend hatte sich erstmals ein führendes EKD-Mitglied zu der Trunkenheitsfahrt öffentlich geäußert. "Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt", sagte die Präses der EKD-Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der "Tagesschau".

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) betonte, Geistliche seien auch nur Menschen, die Heiligkeit der Kirche beziehe sich nicht auf die Heiligkeit der Amtsträger.

siu/apn/AFP/dpa

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08.03.2010 von Internetnutzer: Käßmanns beifahrer.

Ich weiß es, aber sie eben nicht. Wer lesen kann ist echt im Vorteil. mehr...

08.03.2010 von Klo:

So ist es. Erledigt. Frau Käßmann kann gar nicht als Pastorin zurücktreten. Sie könnte höchstens bei ihrer Gemeinde ihren Arbeitsvertrag kündigen, denn sie befindet sich in einem normalen regulären Arbeitsverhältnis als [...] mehr...

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Zur Person

AP
Margot Käßmann, 51, war seit Oktober 2009 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und damit die erste Frau in diesem Amt. Seit 1999 stand die Theologin zudem als Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover vor. Bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss am 20. Februar 2010 fuhr Käßmann in Hannover über eine rote Ampel. Nach diesem Vorfall sei ihre "Autorität beschädigt" - Käßmann trat von ihren Spitzenämtern zurück, arbeitet aber weiter als Pastorin. Die Mutter von vier Kindern ist geschieden. Mehr auf der Themenseite...






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