SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet der Rücktritt von Margot Käßmann für die Evangelische Kirche in Deutschland?
Wartenberg-Potter: Es ist ein riesengroßer Verlust. Ihre theologische Kompetenz, ihr Engagement, aber auch ihre Furchtlosigkeit werden auf der kirchenleitenden Ebene fehlen. Frau Käßmann ist eine hochbegabte Frau und bleibt eine Hoffnungsträgerin für die Kirche, für die engagierten Christen und Frauen. Sie ist ein klarer Mensch, hat feste Überzeugungen, spricht eine auch für Nicht-Kirchenmitglieder verständliche Sprache.
SPIEGEL ONLINE: Hat die Bischöfin sich unklug verhalten, zu viele Menschen mit ihrer Kritik provoziert?
Wartenberg-Potter: Sie war in ihrem Amt als Mensch sichtbar und hat sich damit verletzlich gemacht.
SPIEGEL ONLINE: Hat Käßmann richtig gehandelt, als sie ihr Amt aufgab?
Wartenberg-Potter: Mit ihrem Rücktritt zeigte sie ihren Mut, ihre integre Persönlichkeit. Sie ist eine Leitfigur für viele Frauen, die die Kirche erneuern und öffnen wollte. Denen hat sie ein Beispiel gegeben, auch öffentlich frei und wahrhaftig zu handeln. Dennoch ist die Entscheidung in der Sache unverhältnismäßig.
Wartenberg-Potter: Gewünscht hätte ich es mir. Aber dazu muss der Rahmen stimmen. In einem öffentlichen Amt gibt es viele Anfeindungen und Entstellungen. Die innere Kraft, das zu ertragen, darf nicht geschwächt sein. Ihre theologische, politische, ökumenische Frauenstimme ist so schnell nicht zu ersetzen und wird schrecklich fehlen. Aber "das geknickte Rohr wird Gott nicht zerbrechen" heißt es bei Jesaia 42,3. Sie wird an anderer Stelle noch Großes leisten.
SPIEGEL ONLINE: Wird die Kirchenspitze jetzt einen handzahmeren Vorsitzenden wählen?
Wartenberg-Potter: Im Gegenteil. Ich hoffe, dass Frau Käßmann durch das Beispiel ihres Engagements den Entscheidungsträgern Mut macht, eine profilierte Person zu wählen.
SPIEGEL ONLINE: Wird es ein Mann werden?
Wartenberg-Potter: Ich sehe gegenwärtig keine Frau, die die Nachfolge antreten würde. Die Art der Medien, gnadenlos auch alles Private zu inspizieren, ist keine Ermutigung. Obwohl Frau Käßmann besonders begabt im Umgang mit der Presse war, wurde auch sie strenger beurteilt als viele Männer.
SPIEGEL ONLINE: Haben Frauen es in der Kirche immer noch schwerer als Männer?
Wartenberg-Potter: Frauen sind noch immer in einer Pionierrolle. Der Sexismus hat auch ein Neidgesicht. Wir haben noch nicht das Recht, genauso viele Fehler zu machen wie die männlichen Kollegen. Was bei einem Mann als Kavaliersdelikt gewertet worden wäre, wurde zum öffentlichen Tribunal. Frauen haben noch wenig Erfahrung mit Erfolg und Scheitern. Sie dürfen keine Fehler machen. Es gibt noch immer Gruppen in der Kirche, die Frauen in Führungspositionen nicht anerkennen.
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Wartenberg-Potter: Damals ging es um ein Sachthema, eine auch Frauen gerecht werdende Sprache in Liturgie und Bibelübersetzung. Die Rücktrittsforderung hat mich eher darin bekräftigt, der Sache treu zu bleiben. Ich wollte ein Zeichen setzen, dass die Kirche kein Museum ist, sondern - wie Martin Luther es wollte - zur Erneuerung bereit.
SPIEGEL ONLINE: Wird Frau Käßmann jetzt als einfache Pfarrerin arbeiten?
Wartenberg-Potter: Sie hatte auch als Bischöfin immer einen seelsorgerlichen Blick. In der Gemeinde sind wir immer am nähsten bei den Menschen. Eine so begabte Frau wird auch dort eine große Ausstrahlung entfalten. Aber Frau Käßmann hat auch internationale Erfahrungen, wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen 1983 in Vancouver als ganz junge Frau in das Zentralkommittee gewählt. Durch diese Arbeit hat sie viele weltweite Kontakte. Wir wissen heute nicht, wohin Gott sie noch führen kann.
Das Interview führte Annette Langer
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@Dampflock Sie haben eine ganze Menge guter Punkte, in vielem stimme ich Ihnen zu und hätte es nach Ihren ersten Beiträgen nicht erwartet. Ein paar Dinge würde ich gerne beantworten. Es sprengt aber etwas den Rahmen, dieses [...] mehr...
Sie haben eine ganze Menge guter Punkte, in vielem stimme ich Ihnen zu und hätte es nach Ihren ersten Beiträgen nicht erwartet. Ein paar Dinge würde ich gerne beantworten. Es sprengt aber etwas den Rahmen, dieses Forums, in dem [...] mehr...
Das stimmt so nicht: deutsche Frauen liegen zwar mit ihrer Geburtenrate weltweit auf Platz 197 von 200, und lägen auf dem letzten Platz wenn wir nicht so viele Türken und Russen hätten - aber mit der "Karriere" hat das [...] mehr...
Ja, vielleicht sind Frauen oft nicht karriereorientiert genug. Wenn sie es nämlich sind, gehen die Geburtenraten runter, was ihnen dann auch wieder, vorgeworfen wird. Haben Sie mal die Sichtweise erwogen, dass Frauen einfach oft [...] mehr...
Meine Aussagen kann Ihnen das Statistische Bundesamt jederzeit bestätigen. Ist die Forderung nach halber Leistung (halbtags) etwa das Resultat patriarchischer Unterdrückung oder der eigene Wille von Frauen? Wieviele [...] mehr...
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