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28.02.2010
 

Evangelische Kirche

Ein Mann soll auf Bischöfin Käßmann folgen

Kommissarischer Vorsitzender der EKD, Schneider: "Das entscheidet die Synode"Zur Großansicht
dpa

Kommissarischer Vorsitzender der EKD, Schneider: "Das entscheidet die Synode"

Nur wenige Tage nach dem Rücktritt der Ratsvorsitzenden und Bischöfin Margot Käßmann hat sich die evangelische Kirche auf einen Nachfolger geeinigt. Mit Nikolaus Schneider soll ein Mann an die Spitze folgen. Im Herbst soll die Synode dann endgültig entscheiden. Seine Wahl dürfte sicher sein.

Berlin - Das Treffen dauerte zwei Tage, das Ergebnis des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war danach klar. Nikolaus Schneider soll Nachfolger für die zurückgetretene Ratsvorsitzende Margot Käßmann werden. Zwar steht noch eine endgültige Entscheidung aus, doch scheint alles auf den 62-Jährigen aus dem Rheinland hinauszulaufen. Im November muss zwar die Synode der Kirche, das Parlament, sein Votum fällen. Doch der Weg dahin ist mit der Entscheidung des Rats, der sich an diesem Wochenende in Tutzing am Starnberger See traf, für Schneider ein Stück weit geebnet.

"Ich sage zu diesem Wunsch, dass er meinem Ego schmeichelt, dass er ehrenhaft ist, aber ich sage ganz deutlich: Das entscheidet die Synode. Und es gebietet der Respekt vor der Synode, dem nicht vorzugreifen", so Schneider diplomatisch.

Der 62-jährige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland führt den Vorsitz bereits kommissarisch. Er habe in den vergangenen Tagen mit vielen Menschen gesprochen und vor allem mit seiner Frau, "weil unsere Lebensplanung eine völlig andere war", sagte Schneider. Aber: "Ich bin offen für die Situation, für das, was auf mich zukommt." Und er will sich nicht drücken, wenn er gebraucht wird: "Also diese Offenheit ist da. Es ist wirklich nicht so, dass ich sage: Nein, auf gar keinen Fall." Eine endgültige Entscheidung über den Wunsch der EKD-Ratsmitglieder wolle er sich aber bis zur Synode vorbehalten.

Unterstützung von der Präses Göring-Eckardt

Käßmann war am vergangenen Mittwoch nach einer Alkoholfahrt als EKD- Ratsvorsitzende und hannoversche Bischöfin zurückgetreten. Ihr Schritt hatte in der Öffentlichkeit zu einer kontroversen Debatte geführt. Käßmann war erst vier Monate im Amt. Schneider, ihr bisheriger Vize, rückt automatisch erst einmal nach. "Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn die Zusammenarbeit mit Nikolaus Schneider über den Herbst hinausreichte", betonte Katrin Göring-Eckardt, Präses der EKD-Synode, nach dem Tutzinger Treffen in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Schneider.

Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich sagte nach der Ratssitzung, es sei auch sein Wunsch, dass Schneider der Nachfolger werde. Der sächsische Landesbischof Bohl versicherte, das sei einhellige Meinung des Rats. Aber "es wäre ein törichtes Signal, der Synode zu sagen, was sie zu tun hat. Für die evangelische Kirche ist es sehr wichtig, dass die Kleiderordnung eingehalten wird", erklärte der Bischof. Eine offizielle Wahlempfehlung will der Rat erst auf der Synode im November aussprechen, diesmal sprachen die Vertreter jeweils ihren persönlichen Wunsch aus.

Diplomatische Worte

Göring-Eckardt, Mitglied der Grünen, betonte mehrfach mit diplomatischen Worten, das Tutzinger Meinungsbild sei noch keine offizielle Wahlempfehlung. Die Entscheidung zur Käßmann-Nachfolge liege einzig und allein bei der Synode. Dennoch bekam Schneider von Göring-Eckardt schon einmal ein hervorragendes Zwischenzeugnis mit auf den Weg. "Mit seiner hohen sozialethischen Kompetenz wird er die unverwechselbare Stimme unserer Kirche in der Gesellschaft zur Geltung bringen - ob es um die Fragen von Krieg und Frieden, den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft oder andere theologische Fragen geht", sagte Göring-Eckardt.

"Nikolaus Schneider steht für eine Kirche, die nahe bei den Menschen ist und ihre Sprache spricht, für eine Kirche, die sensibel ist für Gefährdete und Schwache, für eine Kirche, die Menschen in ihrer Gebrochenheit annimmt", lobte Göring-Eckardt den Wunschnachfolger für Käßmann. "Er ist ein Mensch mit außerordentlich großer Herzenswärme." Auch wenn die letzte Entscheidung bei der Synode liegt, hat deren Präses Göring-Eckardt mit dieser Hommage schon einmal dicke Pflöcke eingeschlagen.

Auf der letzten Synode vor vier Monaten hatten nach Käßmann und Schneider eine Laienvertreterin, Friedrich und der badische Landesbischof Ulrich Fischer die besten Wahlergebnisse erreicht. Der oder die Ratsvorsitzende muss kein Bischof sein, aber seit 1948 war immer ein leitender Geistlicher einer Landeskirche zum Ratsvorsitzenden gewählt worden.

Das wäre im Falle Schneiders der Fall. Und so dürfte es auch diesmal geschehen.

sev/dpa/apn

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09.03.2010 von albert schulz: Aus einem Brief

Käßmann und Sex dürfte das Problem treffen. Seriöse Männer sind alt und scheinen mit Sex nichts mehr am Hut zu haben. Dürfte eine gewaltige Lüge sein. Geschichte ist Sex und sonst nichts. Ich flechte mal unschuldigerweise den [...] mehr...

08.03.2010 von KRabba:

Nein, hat sie nicht, da sie noch nie eine moralische Instanz war. Die Kirchen nehmen sich nur das Recht, als moralische Instanz aufzutreten, da sie sich in der Deutungshoheit von Gottes Wort wähnen. Frau Käßmann hätte nicht [...] mehr...

08.03.2010 von matthias51: Fachmann

Wo er doch Fachmann war im Strassenverkehr - seien Sie nicht so ueberkritisch mehr...

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Zur Person

AP
Margot Käßmann, 51, war seit Oktober 2009 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und damit die erste Frau in diesem Amt. Seit 1999 stand die Theologin zudem als Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover vor. Bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss am 20. Februar 2010 fuhr Käßmann in Hannover über eine rote Ampel. Nach diesem Vorfall sei ihre "Autorität beschädigt" - Käßmann trat von ihren Spitzenämtern zurück, arbeitet aber weiter als Pastorin. Die Mutter von vier Kindern ist geschieden. Mehr auf der Themenseite...

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Margot Käßmann tritt von ihren Spitzenämtern zurück, weil sie ihre Autorität nach der Fahrt unter Alkoholeinfluss für beschädigt hält. Ein richtiger Schritt?

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