Von Julia Jüttner
Ettal - Das Kloster Ettal geht in die Offensive. Nachdem die Staatsanwaltschaft München II am Dienstag in der Benediktinerabtei Akten zu dem Missbrauchsverdacht gegen mehrere Patres sichergestellt hat, ringt sich das Kloster zu etwas mehr Offenheit durch.
"Aus freien Stücken" seien der Staatsanwaltschaft Unterlagen zu zwei Tatkomplexen übergeben worden, betonte Christiane Lamprecht, eine Sprecherin des Klosters, SPIEGEL ONLINE. Bei dem einen Tatbestand gehe es um vier Patres gegen die wegen sexuellen Missbrauchs und körperlicher Züchtigung ermittelt werde.
Demnach soll Pater Magnus, im Jahr 2009 verstorben, in den siebziger Jahren schweren sexuellen Missbrauch begangen haben. Pater Georg, Pater Gabriel und Pater Rupert seien indes von ihren Aufgaben entbunden. Pater Georg soll im Jahr 2005 vor einer Schulklasse einen "sehr jungen Internatsschüler" auf den Schoß genommen und gestreichelt haben, so Lamprecht.
Unmittelbar nach dem Vorfall sei er nach Wechselburg in Sachsen versetzt worden. Dort leitete er nach Angaben des Klosters das Jugend- und Familienhaus, war als Jugendseelsorger, Finanzverwalter und Sprecher der Pfarrgemeinde tätig. Zudem sei er bekannt als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Rochlitz.
Gegen die Pater Rupert und Pater Gabriel wird laut Lamprecht wegen "unangemessener körperlicher Züchtigung" in den siebziger Jahren ermittelt. Mehrere Opfer hatten sich in der Vergangenheit gemeldet. Pater Rupert sei 1990 von Ettal nach Wechselburg versetzt worden, wo er als Polizei- und Pfarrseelsorger tätig war. Pater Gabriel sei 1993 nach Wechselburg gegangen, um sich um den Aufbau des Klosters zu kümmern.
"Das Kloster wusste, dass die Staatsanwaltschaft kommen würde"
Der zweite Tatbestand, so Lamprecht, habe nichts mit sexuellem Missbrauch zu tun. Ein Patre habe sich bei der Staatsanwaltschaft selbst angezeigt. "Ihn hat der Schuh gedrückt", umschrieb es Lamprecht. "Über den Inhalt dieser Selbstanzeige können wir wegen der laufenden Ermittlungen keine Auskunft geben."
Bei der "Razzia" habe es sich "eher um eine Ortsbesichtigung" gehandelt. Ermittler hätten Räume durchlaufen und Unterlagen beschlagnahmt - "alles im kleinen Rahmen. Es musste kein Lastwagen vorfahren, um Gegenstände oder Akten abzutransportieren."
Laut Kloster-Sprecherin Lamprecht sei die Anklagebehörde bereits in der vergangenen Woche über die möglichen Fälle informiert worden. "Das Kloster wusste, dass die Staatsanwaltschaft kommen würde. Es sind Wunsch und Bereitschaft da, weil wir - bei aller Beschämung - aufklären wollen, denn das ist dringend nötig und richtig."
Staatsanwältin Regina Sieh bestätigte SPIEGEL ONLINE: "Das Kloster ist kooperativ." Es habe vor Ort Ermittlungen gegeben, man habe Unterlagen erhalten, die Ermittlungen dauerten an. Dass die Unterlagen überwiegend weit zurückliegende Fälle und einen aktuellen Fall beträfen, bei dem sich ein Pater selbst gemeldet habe, wollte Staatsanwältin Sieh nicht bestätigen. "Die Ermittlungen stehen ganz am Anfang. Es ist absolute Vorsicht geboten. Auch wenn alle gern hören würden, wie schlimm und schrecklich alles ist - vielleicht ist es das aber gar nicht."
Auch die Abtei beauftragte den Münchner Anwalt Thomas Pfister als Sonderermittler. Dieser will am Freitag seinen Bericht veröffentlichen.
Bistum Limburg prüft Missbrauchsvorwürfe gegen Priester
Auch im Bistum Limburg geht die katholische Kirche Missbrauchsvorwürfen gegen einige Priester nach: Der Missbrauchsbeauftragte der Diözese, Benno Grimm, untersuche die Verdachtsfälle, teilte das Bistum mit. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.
Ein Verdachtsfall reicht bis in die vierziger Jahre zurück, ein anderer in die sechziger. Beide Beschuldigte sind verstorben. Einige Vorwürfe beziehen sich allerdings auf Taten, die vor einigen Jahren begangen worden sein sollen. Genauere Angaben machte das Bistum nicht.
Der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, forderte eine schnelle und entschiedene Aufklärung der Verdachtsfälle. Die Kirche habe "die Pflicht und Schuldigkeit, alles dafür zu tun, dass Vergehen aufgeklärt werden und sich Geschehenes nicht wiederholt", erklärte der Bischof.
Sexueller Missbrauch verletze immer auch "die Würde und Integrität der Opfer". Die Taten hätten einen "zerstörerischen Charakter" und schädigten die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zutiefst.
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Wolfgang Focke schilderte seine Leiden schon am 11. Dezember 2006 vor dem Petitionsauschuss des Deutschen Bundestages http://www.vehev.org/Lebensberichte%208.html mehr...
Nicht ganz. Er sagte das, als Sartre (etwa um 1960) die franz. Soldaten im Algerienkrieg zum Ungehorsam aufforderte!;) mehr...
Richtig, es sind nachrangige Pfaffen, den Papst eingeschlossen, die sich anmaßen, darüber zu befinden. KLMO hat recht, dass man diesen Verein meiden sollte, auch wenn man seine ursprünglichen Glaubensgrundlagen teilt. mehr...
Kleinschreibung natürlich... mehr...
Weil es immer noch Menschen gibt für die heilige römisch katholische Kirche nicht das gleiche wie irgend eine evangelische Gruppierung ist. mehr...
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