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06.03.2010
 

Schnee und Glätte

"Yve" bringt tiefen Winter zurück

Wintereinbruch: Tief "Yve" bringt Eis und Schnee
Fotos
DPA

Dichtes Schneetreiben versetzt weite Teile Deutschlands zurück in den tiefsten Winter. Die Glätte sorgt erneut für Verkehrschaos: In Würzburg stürzte ein Lkw von einer Mainbrücke, Flüge verspäten sich, und bei Massenkarambolagen verkeilten sich Dutzende Autos.

Hamburg - Die letzten Eis- und Schneereste waren gerade erst geschmolzen - nun hat ein neuer Wintereinbruch weite Teile Deutschlands mit heftigen Schneefällen überrascht. Die Schneedecke auf Straßen und Flughäfen stürzte das Land erneut in ein Verkehrschaos. In der Nacht zum Samstag ging auf vielen Autobahnen gar nichts mehr. Lastwagen standen quer, Autos rutschten ineinander, auf zahlreichen Flughäfen kam es zu Verspätungen.

Bei Würzburg wurde am Samstagmorgen ein Lastwagenfahrer schwer verletzt. Er kam auf einer Mainbrücke von der Fahrbahn ab, stürzte mit seinem Fahrzeug acht bis zehn Meter in die Tiefe und schlug am Ufer auf. Rettungskräfte befreiten den Mann aus dem Führerhaus und brachten ihn in ein Krankenhaus. In Niedersachsen starb ein 26 Jahre alter Autofahrer, nachdem er von der Straße abgekommen und aus seinem Wagen geschleudert worden war.

Im Norden brachte eine dichte Schneedecke den Verkehr zum Stocken - und die Autofahrer in Rutschen. Die Polizei in Hamburg zählte bis Samstagmorgen 130 Verkehrsunfälle. Im Norden Schleswig-Holsteins krachte es in der Nacht mindestens 30-mal. Ein Polizeisprecher in Harrislee sagte, in Schleswig-Holstein seien drei Menschen bei einem Unfall schwerverletzt worden. In Nordrhein-Westfalen gab es bis zum frühen Morgen nach Angaben der Polizei 337 Unfälle, bei denen 45 Menschen verletzt wurden.

Massive Störungen am Freitag

Am Freitagvormittag war es bei dichtem Schneetreiben auf der Autobahn 4 zwischen Dresden und Chemnitz zu zwei Massenkarambolagen gekommen. Die Autobahn war rund zehn Stunden abschnittsweise gesperrt. An den Unfällen waren laut Polizei mehr als 70 Fahrzeuge beteiligt. 24 Menschen wurden verletzt. Staus reichten zeitweise bis in die Dresdner Innenstadt.

Am Dreieck Dresden Richtung Chemnitz fuhren 29 Autos und sieben Laster ineinander. Dort gab es 19 Verletzte, mindestens ein Mensch wurde schwerverletzt. Aus Richtung Chemnitz krachte es vor der Abfahrt Wilsdruff. 37 Fahrzeuge stießen zusammen; elf davon waren Lastwagen. Einer hatte gefährliche Reinigungsmittel geladen. Die Ladung sei unversehrt geblieben, hieß es. Laut Polizei gab es bei diesem Unfall fünf Verletzte.

Auch in Halle in Westfalen sorgte Schneegestöber für eine Massenkarambolage, bei der 14 Wagen ineinander prallten. Hinter einer Bergkuppe war ein Autofahrer wegen der schlechten Sicht gegen die Leitplanke gefahren, teilte die Polizei in Gütersloh mit. Nachkommende Autos fuhren in den liegengebliebenen Wagen, darunter auch zwei Rettungswagen und das Einsatzfahrzeug eines Notarztes, die zu der Unfallstelle gerufen worden waren. Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf 200.000 Euro.

Die A70 bei Kulmbach war in Richtung Bayreuth stundenlang gesperrt, nachdem drei schwere Sattelzüge ineinandergerutscht waren. Auf der A3 in Fahrtrichtung Nürnberg standen nach Polizeiangaben zwischen Würzburg/Kist und Rohrbrunn die Autos zeitweise bis zu 35 Kilometer im Stau.

Die Schneefälle hatten am Freitagabend auch am Flughafen Bremen für Beeinträchtigungen gesorgt. Die Maschinen hatten wegen des Wetters bis zu eineinhalb Stunden Verspätung, wie eine Sprecherin des Flughafens am Abend mitteilte. "Die Räumfahrzeuge sind permanent im Einsatz." Die Flugzeuge müssten enteist werden, hieß es. Auch auf den Flughäfen in Hamburg und Hannover kommt es auch am Samstag noch zu zahlreichen Streichungen und Verspätungen.

Spielabsagen in der dritten Liga

Der Wintereinbruch hat am Samstag zu vier kurzfristigen Spielabsagen in der dritten Bundesliga geführt. Wegen Unbespielbarkeit der Plätze beziehungsweise verschneiter und vereister Zuschauerränge wurden die Spiele Dynamo Dresden - Borussia Dortmund II, FC Carl Zeiss Jena - Holstein Kiel, Wuppertaler SV - FC Rot-Weiß Erfurt und VfB Stuttgart II - FC Erzgebirge Aue abgesagt. Neuer Spieltermine stehen noch nicht fest.

Im Harz freute sich indes der Tourismusverband über beste Wintersportbedingungen. Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee bescherte der Wintereinbruch dem Oberharz. Dort wurde am Samstagmorgen eine Gesamtschneehöhe von 140 Zentimetern gemessen.

Ursache für den erneuten Wintereinbruch ist das Tiefdruckgebiet "Yve". Von der Nordsee kommend verlagert es sich nach Süden und bringt bis zu den Alpen winterliches Wetter mit Neuschnee und Eis, teilten Meteomedia in Bochum und der DWD in Offenbach mit. Auch im südlichen Deutschland muss laut DWD am Samstag mit Schnee gerechnet werden. In höheren Lagen kommt es bei lebhaftem Wind teilweise zu Schneeverwehungen. "Die Gebiete nordöstlich der Elbe werden von 'Yve' zwar verschont, kalt wird es aber für alle", sagte Meteomedia-Meteorologe Andreas Wagner."

Laut Deutschem Wetterdienst ist am späten Samstag allenfalls im Nordwesten und Westen mit Plusgraden zu rechnen. Allerdings sagen die Meteorologen viel Sonne voraus, so dass sich der Schnee im Laufe des Tages schnell zu Matsch verwandelt.

abl/dpa/DAPD

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