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20.05.2010
 

Großbritannien

Klinik wirbt mit Fernsehspot für Abtreibungen

Werbefilm für Abtreibung: "Bist du spät dran?"Zur Großansicht
REUTERS / Marie Stopes International

Werbefilm für Abtreibung: "Bist du spät dran?"

Im britischen Fernsehen soll erstmals für Abtreibungen geworben werden. Um den kurzen Film einer Klinik-Gruppe ist ein heftiger Streit entbrannt. Gegner drohen bereits mit rechtlichen Schritten.

London - Das Wort Abtreibung wird gar nicht ausgesprochen. Dennoch ist schnell klar, in welcher Situation sich die junge Frau befindet, die in dem Spot zu sehen ist. Sie wird gefragt: "Bist du spät dran?" Dann blendet das Unternehmen Marie Stopes, das in Großbritannien acht Kliniken betreibt, eine Notfallnummer ein: Für Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind.

Der Werbeclip soll erstmals vom Fernsehsender Channel 4 an Pfingstmontag ausgestrahlt werden, während einer Gameshow. Bis Ende Juni soll er dann regelmäßig ab 22.10 Uhr ausgestrahlt werden. Doch schon die bloße Ankündigung hat hitzige Debatten ausgelöst.

konservative Organisationen kritisierten, der Film bagatellisiere das Thema Schwangerschaftsabbruch. "Es ist grotesk, Abtreibungs-Anbietern zu erlauben, im Fernsehen Werbung zu machen - als ob sie nichts anderes wären als Autofirmen oder Waschmittel-Hersteller", sagte eine Sprecherin der Organisation "Life". Abtreibung müsse begrenzt bleiben auf besonders schwere Fälle und dürfe nicht zum Massenphänomen werden. Die nicht-kommerzielle Organisation "The Society for the Protection of Unborn Children" kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen.

Das Unternehmen Marie Stopes International verteidigt indes seine Werbung. Der kurze Film solle dazu beitragen, dass offen über Themen wie Abtreibung und Sexualität gesprochen werde, sagte ein Sprecher. Die Geschäftsführerin von Marie Stopes, Dana Hovig, sagte der BBC, dass im vergangenen Jahr über 350.000 Anrufe auf der Hotline eingegangen seien.

Die britische Behörde, die für die Überwachung von Werbung zuständig ist, rechtfertigt die Entscheidung, den Spot zuzulassen: Solange er mit den allgemeingeltenden Regeln übereinstimme, die Zuschauer nicht in die Irre führe und einer "sozialen Verantwortung gerecht" werde, sei er erlaubt. Nur weil einige Zuschauer schon vor der Ausstrahlung Einwände gegen den Spot geäußert hätten, könnte nicht gegen den Werbefilm vorgegangen werden, sagte ein Sprecherin des Amts. "Wenn sich aber Zuschauer beschweren, können wir darauf eingehen, sobald die Werbung gezeigt worden ist."

Im Jahr 2008 wurden Angaben der BBC zufolge in Großbritannien 195.300 Abtreibungen in England und Wales vorgenommen, in Schottland waren es fast 14.000.

ada/dpa

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