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12.07.2010
 

Paul in Gefahr

"Wir wissen, wo dein Becken steht"

Orakel-Paul: Der Krake und das deutsche Schicksal
Fotos
AFP

In pulpo veritas: Das Oktopus-Orakel Paul aus dem Aquarium Oberhausen hat in Sachen WM-Prognosen ganze Arbeit geleistet. Tausende Fans huldigen der vorausschauenden Molluske - nur ein paar wenige hegen böse Gedanken.

Oberhausen - Es ist schon ein erstaunliches Wesen: Achtmal tippte Tentakel-Paule bei den WM-Spielen - und achtmal lag er goldrichtig. Zur Belohnung dafür, dass der Weltstar aus Oberhausen dem dortigen Sea Life Aquarium so viel mediale Aufmerksamkeit wie noch nie bescherte, darf er jetzt seine acht Arme erst einmal ruhen lassen.

"Ich glaube, dass er den Rummel erstmal satt hat und sich ausruhen will", sagte Oliver Walenciak, Biologe und zuständig für die Meerestiere im Aquarium. Bei allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft und beim WM-Finale lag der Oktopus richtig. Paul steuerte immer den richtigen Futterbehälter mit der entsprechenden Landesfahne an, fischte sich die darin liegende Muschel und traf damit seine Wahl.

Nach acht präzise vorhergesagten WM-Spiel-Ergebnissen ist Krake Paul ein weltweiter Medienstar. Jetzt wird er mit E-Mails, Briefen und Internet-Botschaften aus aller Welt überschüttet. "Betrügt mich mein Mann?", "Wie lange hält Merkels Koalition?", "Krieg ich dieses Jahr in Mathe eine Fünf?" lauten die brennenden Fragen der Fans, auf die die gestresste Molluske eine Antwort finden soll.

Krake Paul, dessen treffende Tipps jeder mathematischen Wahrscheinlichkeit trotzten, dürfe auch nach dem Turnier nicht aufhören, fordern seine Anhänger. Doch Pauls Besitzer ziehen die Bremse: "Er geht in den Ruhestand und sagt allen auf der Welt Danke. Es war eine tolle WM", sagte Sealife-Sprecherin Tanja Munzig am Montag.

PR-Coup des Jahres

Dass Paul im Sealife bleibt, steht außer Frage - egal, wie freundlich externe Kaufinteressenten derzeit daherkommen. So boten spanische Geschäftsleute rund 30.000 Euro, um den weltberühmten Kraken zum Maskottchen eines Gastronomiefestes in ihrer Heimat zu machen, wie die spanische Presse am Wochenende berichtete.

Spanische Küche und Tintenfisch - da denken Oktopus-Freunde auch gleich an heißes Fett und den Tod in der Pfanne: Ganz Spanien war nach dem von Paul orakelten WM-Triumpf zwar im "Pulpo"-Fieber und forderte ein Paul-Denkmal und einen Fanclub. Zugleich wurde aber im Rundfunk dazu aufgerufen, zu Ehren von Paul am Wochenende kräftig Tintenfisch zu essen.

Und dann sind da noch die anderen, die bösen, die Paul nur Verderben wünschen: "Krake Paul, wir wissen, wo Dein Becken steht", war am Montag auf StudiVZ zu lesen. Yusuf S. aus Paderborn twitterte, er wolle aus Paul ein "Tintenfisch-Thermometer" machen: "Wenn er oben mit Gesicht nach unten schwimmt, ist es heiß!"

Misstrauische Menschen sehen potentielle Gefahr natürlich weiter auch von den am Sonntag tief enttäuschten holländischen Fans. "Oktopus for sale" (Tintenfisch zu verkaufen) stand groß auf einem Plakat, das Oranje-Anhänger am Sonntag im Stadion in Johannesburg in die Kameras hielten. Doch keine Sorge: Krake Paul sei sicher hinter seiner Glasscheibe, versicherte ein Sprecher in Oberhausen. "Das Aquarium ist von der Besucherseite nicht zugänglich. Und da steht auch immer einer. Klauen geht nicht."

ala/sid/dpa

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