[19.15 Uhr] Duisburgs Bürgermeister fehlt bei der Trauerfeier
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wird nicht an der Trauerfeier für die Todesopfer der Loveparade am Samstag teilnehmen. Das berichtet die "Rheinische Post" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf die Duisburger Stadtverwaltung. Sauerland wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher laut dem Blatt. Nach Informationen aus Polizeikreisen haben offenbar auch Sicherheitsbedenken zu der Entscheidung geführt. Gegen Sauerland seien Morddrohungen ausgesprochen worden. (AP)
[19.00 Uhr] Kraft: Keiner ist durch Stürze gestorben
Die tödlichen Verletzungen von 20 Menschen bei der Loveparade in Duisburg sind ausschließlich auf das Gedränge zurückzuführen. Niemand sei durch einen Sturz von der Mauer am Tunnelausgang zu Tode gekommen, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Dienstag in Düsseldorf unter Berufung auf Obduktionsergebnisse. Die Mediziner hätten in allen 20 Fällen tödliche Brustquetschungen festgestellt. Noch am Wochenende hatte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) suggeriert, es gebe viele Todesfälle durch Stürze von einer Treppe an der Zugangsrampe zum Partygelände.
Schon vor Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen will die Landesregierung erste politische Konsequenzen aus der Tragödie ziehen: Die Städte sollten künftig nicht mehr mit der Planung von Großveranstaltungen "alleingelassen" werden, sagte Kraft. Sie wolle mit ihrem Kabinett Vorschläge entwickeln, wie man die Kommunen begleiten und beraten könne - vor allem solche, die wenig Erfahrungen mit Großereignissen haben. Ob dies auf eine unverbindliche Hilfestellung oder aber auf einen Genehmigungsvorbehalt der Regierung hinauslaufe, sei zu prüfen. In jedem Fall strebe sie an, in Konsultationen mit der Innenministerkonferenz eine bundesweit einheitliche Regelung zu gestalten.
Der Innenminister des Landes, Ralf Jäger, habe auf der Sitzung einen vorläufigen internen Bericht vorgestellt, in dem es aber noch inhaltliche Widersprüche gebe. Diese müssten vom Veranstalter ausgeräumt werden. Am Mittwoch werde Jäger eine Pressekonferenz geben und Details zu den Sicherheits- und Rettungskonzepten nennen können.
Nach der Aufarbeitung der Duisburger Katastrophe müssten Verantwortlichkeiten benannt und sowohl organisatorische als auch politische Konsequenzen gezogen werden. Das defensive Verhalten der Stadt Duisburg und Sauerland Rücktrittsweigerung wollte die SPD-Politikerin nicht direkt bewerten: "Das ist seine Entscheidung. Ich habe das zur Kenntnis genommen, dass er das so handhabt. Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen."
Die Regierungschefin wies Vorwürfe gegen die Polizei zurück. Die Tragödie im Tunnel und auf dem Gelände der Loveparade habe sich im Zuständigkeitsbereich der Stadt und des Veranstalters ereignet: "Der Zuständigkeitsbereich der Polizei endete an den Vereinzelungssperren." Sowohl der Tunnel als auch das Gelände seien im Einflussgebiet des Veranstalters und im Genehmigungsbereich der Stadt. Aufgabe der Polizisten auf dem Gelände sei nur gewesen, Randalierer in Gewahrsein zu nehmen und gegen Ordnungswidrigkeiten vorzugehen. Kraft: "Ich kann verstehen, wenn die Menschen Antworten erwarten. Aber die müssen diejenigen liefern, die Verantwortung getragen haben."
Auf die Frage, ob die schwarz-gelbe Vorgängerregierung oder ihre Regierung gewarnt worden sei vor Sicherheitslücken im Loveparade-Konzept, sagte Kraft: "Nein, davon habe ich keine Kenntnis." (dpa)
[18.05 Uhr] Trauerfeier mit Wulff und Merkel am Samstag
Für die 20 Todesopfer wird am Samstag eine Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche gehalten. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen daran teilnehmen. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, werden die zentrale Gedenkfeier mit einem ökumenischen Gottesdienst leiten. Das ARD-Fernsehen will live übertragen, in Duisburg sollen Großbildleinwände aufgestellt werden. (apn)
[16.06 Uhr] Kölner Polizei hat Ermittlungskommission gegründet
Zur Aufklärung des Unglücks hat die zuständige Kölner Polizei eine Ermittlungskommission eingesetzt. Wie die Nachrichtenagentur ddp am Dienstag aus Polizeikreisen erfuhr, gehören der Ermittlungskommission etwa 60 Beamte an. Rund die Hälfte von ihnen wurde aus anderen nordrhein-westfälischen Polizeipräsidien zugeordnet. Die Leitung hat ein erfahrener Kriminaldirektor übernommen. (ddp)
[15.55 Uhr] Leichen werden abtransportiert
Drei Tage nach der Katastrophe sind die Leichen der 20 Opfer zur Bestattung freigegeben worden. Am Duisburger Polizeipräsidium seien am Dienstag mehrere Leichenwagen mit auswärtigen Kennzeichen vorgefahren, berichteten Augenzeugen. Sie dienten nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa der Überführung der Love-Parade-Opfer. (dpa)
[15.34] Keine Auskünfte von der Polizei
Die zuständigen Behörden erteilen zurzeit keinerlei Auskünfte zum Einsatzkonzept der Polizei. Die Pressestelle der Duisburger Polizei lehnte entsprechende Anfragen am Dienstag ab, ebenso wie die örtliche, mit den Ermittlungen beauftragte Staatsanwaltschaft. Auch das der Polizei übergeordnete nordrhein-westfälische Innenministerium verweigerte offiziell jegliche Auskunft. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Bernhard Englisch, erklärte: "Zurzeit werden zum Schutz der Ermittlungen im Hinblick auf die denkbare Bandbreite der Ermittlungen keine Angaben gemacht." (apn)
[15.30 Uhr] Schwere Vorwürfe gegen Oberbürgermeister Sauerland
Einem Bericht des Nachrichtenportals "DerWesten" zufolge hat die politische Spitze der Stadt Duisburg vier Wochen vor der Love Parade massive Bedenken des Bauordnungsamts ignoriert. Der Website liegt nach eigenen Angaben ein Sitzungsprotokoll vor, in dem die Einwände der Verwaltung im Detail formuliert sind und auf dessen handschriftlich vermerktem Verteiler auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) stehen soll. Demnach wäre er - entgegen seinen Aussagen - informiert gewesen. Die Genehmigung der Love Parade überließ Sauerland offenbar wegen eines privaten Urlaubs dann seinen Mitarbeitern. In den Tagen vor der Veranstaltung habe er sich im Urlaub in Österreich befunden, schreibt die "Bild"-Zeitung.
Wie "DerWesten" berichtet, geht es in dem Dokument vom 18. Juni um ein Treffen des Love-Parade-Veranstalters Lopavent mit der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe. Bei dem Treffen sei über die Fluchtwege gestritten worden. Demnach habe sich der Veranstalter dagegen gewehrt, für 220.000 Besucher 440 Meter Fluchtwege bereitzustellen. Stattdessen habe Lopavent auf nur 155 Wegmetern bestanden.
Ordnungsdezernent Rabe soll daraufhin Druck auf das Bauordnungsamt ausgeübt haben. "Herr Rabe stellte in dem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten", zitiert "DerWesten" aus dem Protokoll. An das Bauordnungsamt, das eigentlich nur eine kontrollierende Funktion habe, soll Rabe die Order ausgegeben haben, "konstruktiv mitzuarbeiten".
Der Leiter des Baudezernats, Jürgen Dressler, soll auf dem Protokoll handschriftlich jede Zuständigkeit und Verantwortung abgelehnt haben: "Dieses entspricht in keinerlei Hinsicht einem ordentlichen Verwaltungshandeln und einer sachgerechten Projektstellung."
Am 21. Juli, also drei Tage vor dem Mammutevent, erteilte die Bauaufsichtsbehörde dann doch die Genehmigung. Das geht aus einem Papier hervor, das SPIEGEL ONLINE bereits am Sonntag veröffentlicht hat. Demnach lag zu diesem Zeitpunkt das abschließende Brandschutzkonzept noch gar nicht vor. Dies sollte erst am 22. Juli nachgereicht werden. Ein mit der Organisation vertrauter Insider sagte der Nachrichtenagentur ddp zur Begründung für die späte Erlaubnis: "Es hat in der Verwaltung lange Widerstand gegen die Veranstaltung gegeben. Da hatten Beamte ganz erhebliche Sicherheitsbedenken."
Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte berichtet, dass die ordnungsbehördliche Genehmigung erst Stunden vor dem Beginn der Party unterschrieben worden war. Mitarbeiter seien systematisch unter Druck gesetzt worden, um die Genehmigung abzunicken, berichtete das Blatt.
Eine Sprecherin der Stadt Duisburg wollte gegenüber SPIEGEL ONLINE mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben.
[12.44 Uhr] Kraft trägt sich in Kondolenzbuch ein
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat sich im Düsseldorfer Landtag in ein Kondolenzbuch für die Opfer der Love-Parade eingetragen. Kraft schrieb in das Buch, Nordrhein-Westfalen und seine Bürger seien "betroffen und tief erschüttert von dem tragischen Unglück bei der Love Parade". Ihre Gedanken und Gebete seien bei den Angehörigen und Freunden der jungen Menschen, die dort zu Tode gekommen seien und bei den vielen Traumatisierten und Verletzten. Kondolenzbücher liegen auch in Duisburg im Rathaus und an der Unglücksstelle aus.
Für die Opfer des Love-Parade-Unglücks ist für diesen Samstag in Duisburg eine Trauerfeier geplant. Das bestätigte die Stadtverwaltung. Nach Medienberichten will Bundespräsident Christian Wulff an der Trauerfeier teilnehmen. Das Bundespräsidialamt bestätigte den Termin zunächst nicht. (ddp/dpa)
[11.57 Uhr] Polizei kritisiert verfrühte Spekulationen
Vorwürfe des Loveparade-Chefs Rainer Schaller, eine Anweisung der Polizei habe zur Katastrophe von Duisburg am Samstag geführt, sind von den Ermittlern zurückgewiesen worden. Schaller hatte erklärt, die Katastrophe mit 20 Toten und mehr als 500 Verletzten sei ausgelöst worden, weil die Polizei die "verhängnisvolle Anweisung" gegeben habe, die Schleusen vor dem Tunnelzugang auf dem Gelände der Loveparade zu öffnen.
Die Polizei in Köln, die nach dem tragischen Ende der Veranstaltungen ermittelt, wies die Kritik als verfrühte Spekulation zurück. "Wir sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage zu sagen, was der Auslöser war für das Ganze, wie es sich ereignet hat. Das kann man jetzt noch nicht seriös feststellen", sagte eine Sprecherin. "Wir fänden es gut, wenn sich Herr Schaller nicht in Spekulationen verlieren würde."
Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen reagierte empört: "Die neuen Schuldzuweisungen gegen die Polizei durch die Veranstalter sind eine Frechheit", erklärte die Gewerkschaft am Dienstag. "Er meldete 500.000 Teilnehmer an, erhielt eine Genehmigung der Stadt für 250.000 Teilnehmer und feierte bereits mittags öffentlich über eine Million Teilnehmer." (dpa/Reuters)
[11.31 Uhr] Überforderte Ordner: "Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine"
Nach einem Augenzeugenbericht waren Ordner und Polizei mit der Situation am Sonntag völlig überfordert. "Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine", sagte ein Security-Mitarbeiter, der einer von 1080 Ordnern bei der Veranstaltung am Samstag war, der "Bild"-Zeitung. "Irgendwann lagen dann überall Leichen. Die Notausgänge oberhalb der Rampe wurden erst durch die Polizei geöffnet, als es schon zu spät war", zitiert das Blatt den 40-Jährigen weiter.
Die eingesetzten Ordnungskräfte seien teilweise ungeeignet für die Aufgabe gewesen. "Da waren Jugendliche bei, fast noch Kinder. Sogar Rentner mit Gehfehlern standen da als Ordner", beschrieb der Mann die Situation. Die Sicherheitskräfte hätten "Schnellhefter mit den wichtigsten Regeln" erhalten. Den Veranstaltern seien nur zwei Dinge wichtig gewesen. "Die Floats dürfen nicht stoppen, und niemand darf ohne Befehl die Notausgänge öffnen", sagte er.
Die Panik habe er nur durch Zufall mitbekommen. "Ich sah, wie die ersten Menschen anfingen, Zäune niederzutrampeln", sagte der 40-Jährige. Um dort hinzukommen, habe er für 140 Meter 40 Minuten gebraucht. (ddp)
[10.55 Uhr] Rücktrittsforderungen an Sauerland und Rabe
Für Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe wird es immer enger: Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, sprach sich im "Handelsblatt" für einen Rücktritt der Verantwortlichen aus. Zuvor hatte sich schon Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach entsprechend geäußert. Uhl sagte, "politische und persönliche Konsequenzen" nach der Katastrophe von Duisburg seien unausweichlich. Die Verantwortlichen müssten dafür geradestehen, dass die Sicherheitsstandards für die Loveparade sträflich unterlaufen worden seien, sagte der Abgeordnete.
Auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat Oberbürgermeister Sauerland zum Rücktritt aufgefordert. Es sei "völlig unerheblich", ob Sauerland persönlich an der Planung der Veranstaltung beteiligt war, sagte Wendt "Handelsblatt Online". Ihm persönlich tue das zwar "ausgesprochen leid, denn ich kenne Adolf Sauerland seit vielen Jahren persönlich und schätze ihn sehr", fügte Wendt hinzu. Er finde es aber "unerträglich, wenn die Verantwortlichen sich jetzt monatelang hinter der Staatsanwaltschaft verstecken wollen und glauben, durch ihr Schweigen dieses schreckliche Ereignis aussitzen zu können".
Die Chefin der nordrhein-westfälischen Grünen, Monika Düker, hatte am Montagabend als erste Politikerin den Rücktritt des Oberbürgermeisters gefordert. Sie sagte SPIEGEL ONLINE: "Sauerland hätte so viel Gespür aufbringen sollen, dass er zurücktritt." Er trage als Chef der "Genehmigungsbehörde die politische Verantwortung für ein Konzept, das nicht aufgegangen ist". (ore/AFP)
[10.44 Uhr] Traumatherapeutin kritisiert die Stadt Duisburg
Die Psychologin Sybille Jatzko sagte im Deutschlandradio Kultur, die Menschen bräuchten jemanden, der Verantwortung übernehme. Die Vertreter der Stadt hätten jedoch jede Schuld von sich gewiesen. "Für die Hinterbliebenen ist das natürlich so, als würden Sie sie mit der Faust ins Gesicht schlagen. "
Jatzko zeigte sich überzeugt, dass Sauerland und Rabe mit ihrem unbeteiligten Verhalten Wut und Aggressionen provozieren. "Das ist ein sehr, sehr ignorantes und nicht einfühlsames Verhalten, das wohl im Vorfeld bei der Planung schon eine Rolle spielte. Jetzt kann man es erkennen bei dem Umgang mit der Katastrophe." (AFP)
[9.45 Uhr] Massenpanik soll Bundestag beschäftigen
Die Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg soll Thema im Innenausschuss des Bundestages werden. Der Vorsitzende des Gremiums, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin", der Ausschuss sollte sich damit beschäftigen, wenn die Sicherheitsbehörden, insbesondere Polizei und Staatsanwaltschaft, die Aufklärungsarbeit geleistet hätten. Zum einen seien auch Bundeskräfte beteiligt gewesen.
Zum anderen müsse die Frage gestellt werden, was die Ereignisse für weitere Großveranstaltungen bedeuteten und ob nicht die Sicherheitskonzepte nach den "bitteren Erfahrungen" von Duisburg überprüft werden müssten. Man habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit großen, freien Flächen für Massenveranstaltung gemacht, sagte er dem Sender n-tv. "Wieso man dieses Gelände in Duisburg abgezäunt hat, können viele nicht verstehen, dazu gehöre auch ich", sagte Bosbach.
Bosbach zeigte sich im "Handelsblatt" verärgert darüber, dass die Veranstalter bisher kaum zur Aufklärung der Tragödie beigetragen hätten. "Es ist mehr als überraschend, dass die Verantwortlichen nicht einmal naheliegende Fragen beantwortet haben", sagte der Unionspolitiker. Offenbar versuche jeder, "anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben". Die Stadt Duisburg dürfe aber auf keinen Fall den Eindruck erwecken, man beteilige sich nicht mit voller Kraft an der Aufklärung der Ereignisse.
Der CDU-Politiker sagte im ZDF, es gebe auch eine Verantwortung jenseits der strafrechtlichen Verantwortung. Möglicherweise denke der eine oder andere, "ich halte an meinem Amt fest, weil ein Rücktritt ein Schuldeingeständnis wäre". Dass sich Städte für die Ausrichtung der Loveparade bewerben, weil sie weltoffen und tolerant sein wollten, könne man noch nachvollziehen, fügte er hinzu. Jedoch müsse auch hier gelten, dass die Sicherheit an erster Stelle stehe. Wenn die Risiken zu hoch seien, müsse auf ein solches Event verzichtet werden. (ddp/apn)
[8.41 Uhr] Genehmigung lag Polizei erst nach der Veranstaltung vor
Nach der Love-Parade-Katastrophe mit 20 Toten tauchen immer neue Ungereimtheiten auf. Die offizielle Genehmigung der Bauaufsicht der Stadt Duisburg für die Mega-Veranstaltung lag der Polizei nach Informationen der FDP in Nordrhein-Westfalen erst am Tag nach dem Unglück vor, wie Radio Erft (Köln) am Dienstag den innenpolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Engel, zitierte. Engel habe demnach diese Information von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) erhalten. "Die Genehmigung der Bauaufsicht, der Bauverordnung, der Bauverwaltung der Stadt Duisburg ist vom 21. Juli. Und die hat erst die Polizei erreicht am Sonntag, also (...) direkt nach der Veranstaltung." (dpa)
[Dienstag, 3.10 Uhr] Sauerland will nichts von Warnungen gewusst haben
Duisburgs Oberbürgermeister hat Warnungen von Polizei und Feuerwehr entweder nicht gekannt oder schlichtweg ignoriert: Sauerland sagte der "Rheinischen Post", er habe nichts von Sicherheitsbedenken vor Beginn der Love Parade gewusst. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die man auch immer sehr ernst nehme. Aufgabe der Stadt sei es zu prüfen, ob beantragte Veranstaltungen durchgeführt werden könnten, sagte der CDU-Politiker. "Und genau das haben wir auch in diesem Fall gewissenhaft getan." (dpa)
[Montag, 20.30 Uhr] Zahl der Opfer steigt auf 20 - Kraft fordert Konsequenzen
Bei der Love-Parade-Massenpanik hat es nach Angaben der nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ein 20. Todesopfer gegeben. Die Duisburger Polizei bestätigte dies. Demnach erlag die 21-jährige Frau aus Deutschland in einem Krankenhaus ihren Verletzungen.
Kraft forderte Konsequenzen aus der Katastrophe. Es sei klar erkennbar, dass das Sicherheitskonzept für die Mammutveranstaltung nicht gut gewesen sei, sagte die SPD-Politikerin. Nun gelte es, rasch zu klären, wo die Verantwortlichkeiten lägen, und dann Konsequenzen zu ziehen. Die Regierungschefin machte deutlich, dass sie die Verantwortung auf dem Gelände bei den Veranstaltern und für die Planung bei der Stadt Duisburg sieht. (dpa)
[19.45 Uhr] Veranstalter greift Polizei an
Die Katastrophe bei der Duisburger Love Parade könnte nach Angaben des Veranstalters Rainer Schaller durch eine verhängnisvolle Anweisung der Polizei ausgelöst worden sein. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa äußerte sich der 41-Jährige erstmals ausführlich zu dem Unglück. "Die Einsatzleitung der Polizei hat die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang an der Düsseldorfer Straße zu öffnen", sagte er. Warum, wisse er nicht.
Die Veranstalter hätten eigentlich 10 der 16 Schleusen geschlossen gehalten, weil eine Überfüllung des Tunnels drohte. Wegen der Polizeianweisung sei der Hauptstrom der Besucher dann unkontrolliert in den Tunnel gekommen.
Schaller ist Gründer der Fitness-Kette McFit, einem Hauptsponsor der Love Parade. Er wies zurück, aus Profitgier Sicherheitsbedenken hinten angestellt zu haben: "Wir haben nie Druck auf eine Herabsetzung der Sicherheit ausgeübt. Nach derzeitigem Stand haben wir sämtliche Auflagen erfüllt. Das gesamte Konzept war in jedem Punkt in wöchentlichen Sitzungen mit Polizei, Feuerwehr und Stadt abgestimmt." Man habe "niemals an der Love Parade Geld verdient - das war auch nicht unser Ziel." Die Einzäunung des Geländes sei von den Behörden aus Sicherheitsgründen verlangt worden, nicht etwa um den Getränkeverkauf in eigener Hand zu behalten: "Wir haben ungern eingezäunt." Alle Einzelheiten seien "von den Behörden abgenickt oder vorgegeben worden".
An einer Überfüllung des Geländes habe das Problem jedenfalls nicht gelegen, das lasse sich beweisen: "Das Gelände war zu dem Zeitpunkt zu 75 Prozent ausgelastet. Es waren etwa 187.000 auf dem Gelände", sagte er. Die Polizei nannte dagegen andere Zahlen (siehe unten), Schaller selbst hatte während der Veranstaltung ebenfalls deutlich höhere Angaben machen lassen. (dpa)
[19.30 Uhr] Bericht: Genehmigung für Love Parade erst in letzter Minute
Die Stadt Duisburg hat die Love Parade nach einem Bericht der "Kölnischen Rundschau" erst kurz vor Beginn genehmigt und nicht wie üblich lange vorher. Mit Verweis auf Polizeinsider schreibt die Zeitung, Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) habe die ordnungsbehördliche Erlaubnis erst am Samstagmorgen um neun Uhr erteilt. Noch am Freitag sei das Sicherheitskonzept in verschiedenen Sitzungen debattiert worden. Dabei hätten Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten nochmals deutlich gemacht, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden könne. SPIEGEL ONLINE hatte schon am Sonntag berichtet, dass Polizei und Feuerwehr mit einem Gegen-Sicherheitskonzept an der Stadt gescheitert waren.
Am Freitag sei sie noch nicht abgesegnet worden, am Samstag habe dann eine Entscheidung gefällt werden müssen, zitierte die Zeitung ihre Informanten. Es sei den Verantwortlichen kaum eine Wahl geblieben, als ihr Einverständnis zu geben. Schließlich seien schon Tausende auf der Anreise gewesen.
Auf anderen Social Networks posten:
Liebe Forums-Teilnehmer, bitte diskutieren Sie die Katastrophe in Duisburg an sofort in unserem neuen Heft-Forum 'Love Parade - welche Lehren müssen aus Duisburg gezogen werden?', das Sie unter der URL [...] mehr...
Den Schaden dem Steuerzahler an die Backe zu binden. (Baums Vorschlag) Unternehmer sind da fein raus GmbH (mt Haftunsbeschränkung gründen) falls es Problem gibt ab zum Konkursgericht. mehr...
Hoffentlich bleiben wir davon verschont!!!! Grüße... mehr...
Frau Kraft wird in den nächsten 5 Jahren zeigen müssen, was sie wirklich drauf hat und ob ihren Worten dann auch Taten folgen. Was mich allerdings beeindruckt hat war nich das, WAS sie gesagt hat sondern die Art und Weise , WIE [...] mehr...
Ich bin mit den genauen Auflagen der LoveParade leider nicht vertraut, aber wenn das Anbringen von Lautsprechern wirklich zu den Auflagen gehörte (gibt es hierzu Dokumente?), dann kann ich über dieses "Versäumnis" nur [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Love Parade 2010 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH