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01.08.2010
 

Todesstrafen-Statistik

Menschenrechtslobby spricht von 5000 Hinrichtungen in China

Todesstrafe: Hinrichtungen auf Geheiß des Staates
Fotos
REUTERS

Die Initiative gegen die Todesstrafe "Hands off Cain" hat ihren Jahresbericht 2010 vorgelegt, eine schockierende Übersicht über die Henker-Länder dieser Welt. Darin wird ein "dramatischer Anstieg" der Hinrichtungen im Irak festgestellt - und erstmals eine Schätzung zur Dunkelziffer in China genannt.

Rom/Hamburg - Ali Hassan al-Madschid alias "Chemie-Ali" war wohl der prominenteste Hingerichtete des Jahres 2009. Der ehemalige Innen- und Verteidigungsministers sowie Militärbefehlshabers im Regime Saddam Husseins starb im Januar am Galgen, verurteilt wegen mehr als 5000-fachen Mordes.

Ähnlich viele Menschen kamen im zurückliegenden Jahr durch den Henker zu Tode: 5679 legale, staatlich sanktionierte Hinrichtungen zählt die italienische Anti-Todesstrafe-Lobby "Hands off Cain" (HoC) in ihrem aktuellen Jahresbericht.

"Hands off Cain", eine Initiative der italienischen radikalliberalen Partito Radicale, macht seit 1993 weltweit Lobbyarbeit gegen die Todesstrafe. Als größter Erfolg der Organisation gilt das 2007 verabschiedete Uno-Moratorium gegen die Todesstrafe, das von Italien eingebracht wurde.

HoC geht in seinen Einschätzungen über die Zahl und Verbreitung von vollstreckten Todesurteilen in Bezug auf einige Länder noch über die Zahlen hinaus, die Amnesty International im März 2010 vorlegte. Im großen und ganzen korrelieren die Angaben der Menschenrechtsorganisationen aber weitgehend: Unterschiede erklären sich aus der verwendeten Datenbasis.

Die USA - bei beiden weltweit auf Platz fünf der Nationen mit den meisten Exekutionen - macht ihre Hinrichtungen öffentlich. In China werden dagegen nur einzelne Exekutionen bekannt gegeben, Peking behandelt die Gesamtzahl als Staatsgeheimnis.

Hinrichtungen 2009: Staaten, die Bürger töten
Staat Hinrichtungen laut Amnesty Hinrichtungen laut HoC
China "tausende" 5000
Iran min. 388 402
Irak min. 120 77
Saudi-Arabien min. 69 69
USA 52 52
Jemen min. 30 30
Sudan min. 9 9
Vietnam min. 9 9
Syrien min. 8 8
Japan 7 7

Während Amnesty hier keine konkreten Zahlen nennt, aber von "Tausenden" Exekutionen ausgeht, wird HoC konkreter: Mehr als 5000 Menschen sollen demnach allein in China hingerichtet worden sein - 88 Prozent aller Exekutionen sollen demnach 2009 im Reich der Mitte stattgefunden haben.

Einig sind sich die Beobachter hingegen darüber, dass Iran und Irak auf den Plätzen folgen. In beiden Ländern stellen die Menschenrechtler steigende Exekutionszahlen fest. In Iran erreichte die Zahl der Exekutionen demnach ein Zehn-Jahres-Hoch, im Irak habe sie sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Insgesamt aber sei die Zahl der Hinrichtungen weltweit rückläufig. Und das schließe wahrscheinlich sogar China ein: Auch dort, glauben die HoC-Aktivisten, gebe es Indizien dafür, dass immer mehr Todesurteile nicht vollstreckt oder umgewandelt würden. Basierend auf Auswertungen von Presseberichten auch offizieller chinesischer Medien hält es HoC für möglich, dass die Zahl der Exekutionen in China in den Jahren seit 2007 um bis zu 30 Prozent gesunken sein könnte.

Staaten, die ihre Bürger zum Tode verurteilen und töten, gibt es der Zählung der Menschenrechts-Lobbyisten nach vor allem in Asien und Afrika. In Europa richtet nur noch Weißrussland Menschen hin, auf den amerikanischen Kontinenten stehen die USA damit allein da (siehe Grafik unten). Insgesamt sei die Anwendung der Todesstrafe vor allem ein Merkmal autoritärer, totalitärer oder diktatorisch regierter Staaten. Die meisten Staaten, die sich zu den Prinzipien westlichen Demokratieverständnisses bekannten, verzichteten zumindest auf die Anwendung.

Denn nicht alle Staaten, die sich formell zur Todesstrafe bekennen, wenden diese auch an. 2009 habe es in 18 Staaten richterlich verfügte Exekutionen gegeben, im Vorjahr waren es noch 26. Die Zahl der die Todesstrafe befürwortenden Staaten sei langsam, aber stetig rückläufig, sie sank von 54 im Jahr 2005 auf nun noch 43 Staaten.


pat

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insgesamt 38 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
04.08.2010 von christian53: Staatlich sanktionierter Mord

Ich lehne jede Art des staatlich erlaubten Tötens ab - sei es durch Hinrichtungen oder gezieltes "Ausschalten" von Verdächtigen durch Spezialeinheiten oder Drohnen - aber das ist ein anderes Thema. Bei der Vollstreckung [...] mehr...

03.08.2010 von thomas chen: Als ein Chinese will ich sagen...

Schwer zu sagen, ob die Todesstrafe zu dem Zustand unseres Landes passt. Aber bei uns gibt eine schlimme "Regel". Todestrafe kann man mit Geld vermeiden. Die Leute, die viel Geld haben, können die Richter oder [...] mehr...

03.08.2010 von kaksi: Empfehle Spenden für den "Weissen Ring"

Endgültig Tot auch im Rahmen dieser Diskussion sind für SIE nur die OPFER der von staatlichen Gerichten zum Tode Verurteilten, aber nicht die von den Gerichen überführten und zum Tode verurteilten Täter. DEREN Taten sind Ihrer [...] mehr...

03.08.2010 von Earendil77: ohne Schaum

Die Toten sind tot, den Überlebenden und Angehörigen soll Hilfe zu Teil werden, und was man im Rahmen der Verhältnismäßigkeit tun kann, damit es keine / möglichst wenig neue Opfer gibt, sollte man tun - so weit, so banal. Nur [...] mehr...

03.08.2010 von derfflingert: 00:51

Todesstrafe und Folterungen setzen Sie also gleich? Haben Sie auch eine Begründung dafür, die über Ihre private, aber letztlich irrelevante Meinung hinaus geht? Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Gerichte [...] mehr...

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Wie Menschen hingerichtet werden

Giftspritze

AP
Bei der Hinrichtung mit einer Giftspritze werden dem Verurteilten drei Substanzen verabreicht: ein Narkosemittel, damit der Todgeweihte nichts spürt, ein Lähmungsmittel, damit sein Körper nicht zuckt, und schließlich das Salz Kaliumchlorid, damit das Herz aufhört zu schlagen. Dieses geschieht binnen zwei Minuten. Anfangs wurden die Substanzen manuell gespritzt, mittlerweile kommen Injektionsmaschinen zum Einsatz.

Bei der angeblich besonders "humanen" Hinrichtungsart können jedoch Probleme auftreten. Werden die Substanzmengen falsch berechnet oder die Mittel zu früh gemischt, verlängert sich der Sterbevorgang. Verzögert sich die Wirkung des Betäubungsmittels, ist das Opfer möglicherweise noch bei Bewusstsein, wenn die Lähmung der Lunge eintritt. Zudem kommt es vor, dass statt in eine Vene in Muskelfleisch injiziert wird - das Opfer erleidet dann starke Schmerzen.

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