London - Die Geschichte von Mary B. und Lola zeigt vieles: Dass Tiere noch immer misshandelt werden und Schutz brauchen, aber auch, dass in der modernen Informationsgesellschaft jedermann von heute auf morgen am Internetpranger stehen kann und plötzlich um sein Leben, die Liebsten und den Job fürchten muss.
"Ich weiß gar nicht, was die ganze Aufregung soll", sagte Mary B., nachdem ein Video im Internet aufgetaucht war, dass sie dabei zeigte, wie sie die Katze Lola am Schlafittchen packt und nonchalant in eine Mülltonne entsorgt. "Es ist doch nur eine Katze" sagte sie dem britischen Boulevardblatt "The Sun" - eine Steilvorlage für Tierschützer aus der ganzen Welt, und nicht nur für die friedfertigen unter ihnen.
Bis nach Australien reichte die Empörung, nachdem das Video der umstrittenen "Entsorgungsaktion" ins Internet gestellt worden war. Seitdem wird die Besitzerin online mit Todesdrohungen bombardiert. Militante Tierfreunde gründeten gar eine Facebook-Gruppe namens "Tod für Mary B."
Ein Reporter der "Sun" besuchte die unfreiwillig zum Negativstar avancierte B. in ihrem Haus. Sie habe die Katze zufällig auf dem Nachhauseweg gesehen, mit ihr gespielt, sie gestreichelt, und ihrem Schnurren zugehört. "Sie war sehr freundlich", so die Frau.
"Ich weiß nicht, was über mich kam"
Dann habe sie das Tier aus unerfindlichen Gründen in den Mülleimer gesteckt. "Ich weiß nicht, was über mich kam, aber ich dachte plötzlich, dass es lustig wäre, sie in die Tonne zu stecken", sagte die Frau. Sie habe das ganze als Witz begriffen und sei davon ausgegangen, dass die Katze von selbst wieder aus dem Eimer hinauskriechen werde. Tatsächlich verbrachte das Tier 15 lange Stunden in dem Behälter, bevor es gerettet wurde.
"Ich habe keine Ahnung, was ihr durch den Kopf ging, aber es war widerlich anzusehen und es hat meiner achtjährigen Tochter das Herz gebrochen", empörte sich die Besitzerin des Tieres, Stephanie Mann. Sie hatte gemeinsam mit ihrem Mann Darryl das erschöpfte Tier in der Mülltonne gefunden, nachdem es seit Samstag als vermisst galt. "Wir folgten dem Miauen und fanden sie durch Zufall", berichtete Mann dem "Coventry Telegraph". Das Paar hatte zuvor eine Überwachungskamera vor seinem Haus installiert, weil es mehrfach zu Diebstählen in der Nachbarschaft gekommen war. Gemeinsam stellten sie schockierenden Aufnahmen später ins Internet.
Kritiker hatten bemerkt, dass sich Mary B. während ihres Tuns vorsichtig umgesehen habe, so als wolle sie ausschließen, dass sie beobachtet werde. B. sagte der "Sun": "Ich glaube, alle haben ein bisschen überreagiert." Es sei unfassbar, welchen Aufruhr das Video ausgelöst habe. Für Sekundenbruchteile habe sie eine Art Wahnsinn übermannt, "ich habe es aber nicht verdient, dass mich Menschen auf der ganzen Welt hassen". Sie sei noch immer eine Privatperson und wolle ihre Familie nicht unnötig in Sorge versetzen. "Ich hätte das nicht tun sollen - aber letzten Endes ist es nur eine Katze", betonte B.
Die Bankangestellte muss sich nun mit den Konsequenzen ihres Tuns auseinandersetzen. Laut eigener Aussage wurde sie bereits von ihrem Chef kontaktiert, der um den guten Ruf des Kreditinstituts fürchtet. Lolas Besitzer haben bereits Anzeige wegen Tierquälerei erstattet.
ala
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH