Von Hasnain Kazim, Islamabad
Islamabad - Am Ende brach der Damm doch. Lange hatten die Einsatzkräfte in der südlichen Provinz Sindh gehofft, dass er hält, dass die Wassermassen des Indus die Städte Sujawal, Daro und Mirpur verschonen - vergeblich. Jetzt müssen mindestens eine halbe Million Menschen aus dieser Gegend gerettet werden. "Die Rettungsarbeiten laufen schon", sagte Hadi Bakhsh Kalhoro, Kommunalbeamter in dem bedrohten Distrikt. "Wir haben die Bewohner der betroffenen Städte gewarnt und sie aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen." Den Behörden zufolge drohen weitere Dämme zu brechen.
Sollte das der Fall sein, müssten mehrere Millionen Menschen ihre Häuser im Indus-Delta verlassen.
Die nationale Katastrophenschutzbehörde NDMA teilte in Islamabad derweil mit, dass sie die Zahl von 1600 Menschen, die in den Fluten umgekommen seien, offiziell bestätigen könne. Außerdem seien 2366 Verletzte registriert worden. Die Uno warnte, dass jedoch mehr als 800.000 Menschen von Tod durch Hunger und Seuchen bedroht seien, weil sie von der Außenwelt und damit von jeglicher Versorgung abgeschnitten seien.
Landesweit sind immer noch Millionen Menschen obdachlos und benötigen dringend Hilfe. Es fehlen nach Uno-Angaben aber immer noch Möglichkeiten, alle Gebiete Pakistans ausreichend mit Hilfsgütern zu versorgen. Insbesondere fehle es an Hubschraubern. Viele Regionen seien nur aus der Luft zu erreichen.
Die Behörde NDMA bestätigte, dass die Versorgungslage schwierig sei. Wegen schlechten Wetters könnten an vielen Orten keine Flugzeuge und Hubschrauber landen, noch immer regne es in manchen Gebieten sehr heftig. Armeesprecher wie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen äußerten die Befürchtungen, es könne bald zu Unruhen in ganz Pakistan kommen, sollte die Versorgung der Flutopfer sich nicht rasch verbessern. Die Umweltkatastrophe könnte auch den Kampf gegen islamische Extremisten beeinträchtigen, in dem die Regierung einige Erfolge erzielt hatte.
In der Nacht versanken mehrere Dörfer im Wasser
Die Armee, die die Hilfsanstrengungen koordiniert, hat bereits einige Hubschrauber aus den Gebieten der Aufständischen abgezogen. Zudem versuchen islamistische Wohltätigkeitsorganisationen, durch eigene Hochwasserhilfen die Menschen auf ihre Seite zu ziehen.
Der Damm im Distrikt Thatta brach in der Nacht auf Donnerstag. Eine etwa 30 Meter breite Lücke klafft dort, das Wasser strömt seither mit rasender Geschwindigkeit in die südlich davon gelegenen Dörfer. Mehrere Dörfer sind seit der Nacht im Wasser verschwunden, Tausende von Hektar Land, überwiegend Reis- und Baumwollfelder, sind überflutet. Die pakistanische Marine setzte 35 Boote, zwei Luftkissenboote und zwei Hubschrauber ein, um die Menschen aus Sujawal, Daro und Mirpur zu holen. Etwa 50 Marinesoldaten seien außerdem dabei, den Damm zu reparieren.
Der für die Bewässerung zuständige Minister der Provinz Sindh, Syed Murad Ali Shah, erklärte am Donnerstag, auch der Schutzwall um Garhi Khuda Bakhsh drohe zu brechen. Das Dorf ist die Heimat der Politikerfamilie Bhutto. Hier befindet sich auch das Mausoleum, in dem der frühere Präsident, der 1979 hingerichtete Zulfikar Ali Bhutto, sowie seine im Dezember 2007 bei einem Attentat getötete Tochter, die frühere zweimalige Premierministerin Benazir Bhutto, begraben liegen.
Etwa 400 Kilometer weiter nördlich, im nördlichen Teil der Provinz Sindh, bemühte sich die Armee, die Stadt Shahdadkot vor den Wassermassen zu schützen. Etwa hunderttausend Menschen haben den Ort bereits fluchtartig verlassen, nachdem auch hier Dämme gebrochen waren. Wie an mehreren Stellen in der Provinz ist der Indus, normalerweise an dieser Stelle bis zu 300 Meter breit, auf etwa 3,5 Kilometer Breite angeschwollen.
Die Taliban deuteten am Donnerstag an, sie würden womöglich ausländische Helfer in den Flutgebieten angreifen. Deren Präsenz sei "inakzeptabel", erklärte Taliban-Sprecher Azam Tariq. Er behauptete, die USA und andere Länder würden nicht wirklich Pakistan helfen wollen, sondern verfolgten "andere Ziele". Die ausländischen Helfer würden nur oberflächlich über Hilfe reden, hätten aber "gewisse Intentionen". Welche das seien, konkretisiere er nicht, erklärte er telefonisch der Nachrichtenagentur AP. "Keinerlei Hilfe erreicht die betroffenen Menschen, und wenn die Opfer keine Hilfe bekommen, ist diese Horde von Ausländern nicht akzeptabel", zitiert ihn die Nachrichtenagentur. Wenn etwas inakzeptabel sei, könnten die Taliban ihre eigenen Schlussfolgerungen daraus ziehen, deutete er mögliche Angriffe an.
Ein Uno-Sprecher erklärte, die Helfer würden sich von den Extremisten nicht einschüchtern lassen.
Mit Material von Reuters und AP
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