Aus Südpunjab berichtet Hasnain Kazim
Aus dem Stoffbündel, das auf dem Boden liegt, klingt ein leises Krächzen. Die Frau, die daneben hockt, lächelt stolz. Sie ist verschwitzt, ihr Haare sind zerzaust und ungewaschen, aber sie strahlt das reinste Glück aus. Dabei lebt Saida Shahzad in einem Stoffzelt, zusammen mit mindestens 30 weiteren Menschen, seit bald vier Wochen schon. Die Familia Shahzad hat ihr Haus in dem wenige Kilometer von diesem Notlager gelegenen Dorf Baseera, im Süden der pakistanischen Provinz Punjab, Anfang August in den Fluten verloren. Da war Saida Shahzad hochschwanger.
In das Bündel hat sie ihre Tochter Dua gewickelt, geboren am Montag, den 23. August, hier in diesem Zelt.
Vorsichtig legt sie die Stoffbahnen zurück, zum Vorschein kommt ein winziges, hellhäutiges Baby, die Augenbrauen mit Kajalstift nachgezogen, wie es in vielen Teilen Südasiens bei Neugeborenen üblich ist. "Das ist unsere dritte Tochter", sagt Saida stolz. Sofort setzen sich Fliegen auf das Gesicht des Mädchens, Saida wickelt das Kind deshalb schnell wieder ein.
Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen werden in den kommenden Tagen rund 100.000 Kinder in den Überschwemmungsgebieten und in den Notunterkünften zur Welt kommen. "Es gibt kaum ein Lager, in dem nicht mindestens zehn, wenn nicht sogar noch viel mehr schwangere Frauen untergebracht sind", sagt Entwicklungshelfer Ghulam Abbas, der das Lager betreut, in dem Saida mit ihrem Mann und ihren nun drei Töchtern lebt. "Dua Shahzad ist unser erstes Neugeborenes hier", sagt Abbas.
Bei den meisten Geburten - wie auch bei der von Saidas Tochter - ist kein Arzt dabei. Die Frauen helfen sich gegenseitig. "Die Geburt von Dua ist ohne Probleme verlaufen", sagt Abbas. Für die Familie Shahzad ist es ein Glück, dass sie wenigstens ein Zeltdach über dem Kopf hat, Hilfsorganisationen versorgen sie hier mit ausreichend Nahrung und mit Kleidung für das Baby. Tausende andere Familien, die keinen Platz in einem Notlager gefunden haben, müssen sich selbst durchschlagen.
Mohammed Farhan und Mohammed Ramzan hatten eine bessere Versorgung als die kleine Dua: Die beiden Cousins wurden am 13. und am 20. August in einem Notlager in der Großstadt Multan, ebenfalls im Süden des Punjab, geboren. Hier, in einer umfunktionierten Schule, war ein Arzt vor Ort und konnte die Jungen sowie die Mütter versorgen.
"Mehl und Reis kosten inzwischen dreimal so viel wie üblich"
Im ganzen Land klagen die Menschen über drastisch steigende Lebensmittelpreise.
In gut zwei Wochen endet der Fastenmonat Ramadan mit dem Fest Id-ul-Fittr, in dieser Zeit erhöhen Händler ohnehin die Preise. Jetzt aber hat die Flutkatastrophe die Ernte auf Tausenden von Feldern entlang der Flüsse zerstört. Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums in Islamabad gehen von knapp 800.000 Hektar zerstörter Anbaufläche aus. In den überschwemmten Gebieten werden Nahrungsmittel knapp, während in den vom Wasser verschonten Gebieten Hilfsorganisationen und private Initiativen die Vorräte aufkaufen, um sie in den Katastrophenregionen zu verteilen.
"Mehl und Reis kosten inzwischen dreimal so viel wie üblich", schimpft Mohammed Razul im verwüsteten Dorf Gujrat im Süden der Provinz Punjab. "Es tut mir weh, das zu sagen, aber viele von uns Muslimen führen ständig Allah im Mund, aber haben nur Geld im Kopf."
Auch in den benachbarten Dörfern, allesamt entlang des Indus und daher überflutet, schimpfen die Menschen über horrende Lebensmittelpreise. "Wir haben schon alles verloren, und jetzt wollen uns diese Händler auch noch das Dreifache abknöpfen", sagt eine alte Frau, die am Rande der Hauptstraße von Gujrat auf einem Bett hockt. "Dabei können wir doch nur mit Mühe das zusammenbetteln, was die Sachen normalerweise kosten." Linsen, Öl, Milch, Zucker, Gemüse - alles sei teurer geworden. "Id-ul-Fittr fällt in diesem Jahr für uns wohl aus", sagt sie.
Adnan Gul, ein Lebensmittelhändler in der Stadt Muzaffargarh, verteidigt dagegen die Preissteigerungen. "Die meisten Läden haben doch auch nicht überlebt, das Wasser ist in die Geschäfte eingedrungen und hat die Waren zerstört." Deshalb sei es doch normal, dass jetzt, bei dieser Knappheit, die Preise steigen würden. "Die Leute bekommen dennoch genug zu essen", erklärt er. Die Hilfsorganisationen würden "genügend" verteilen, und zwar kostenlos.
Ökonomen gehen davon aus, dass die Flut die pakistanische Wirtschaft um Jahre zurückwerfen wird. Um mindestens zwei Prozentpunkte werde das Wachstum zurückgehen. Bis zum 30. Juni war die pakistanische Wirtschaft im zurückliegenden Jahr um 4,1 Prozent gewachsen.
Auf anderen Social Networks posten:
Wenn ich mir so Star-Biographien in imdb.com angucke kommen solche Stars auf 2 Filme im Jahr. Das heisst im Jahr verdienen die 40 Mio. Dollar Brutto. Damit sind sie natürlich im höchsten Steuersatz aber das vernachlässigen wir [...] mehr...
Im August erst erschienen: Die Mitleidsindustrie von Linda Polman (EAN 9783593392332). Da wird einem so manches klar! Aber Pat Condell ist unübertroffen in seiner Art, wie er unbequeme Wahrheiten ausspricht und Salz in die [...] mehr...
Lächerlich ist eher dass Sie wohl nur über eine Kurzzeiterinnerung verfügen. Wenn hier in Deutschland ein laues Lüftchen weht, ein kleiner Sturm, gibt es schon Millionenschäden, und das obwohl die Häuser nicht aus Lehm gebaut [...] mehr...
Ich persönlich sehe Spenden oder Hilfe als humanitaere Pflicht an.Der Mensch hat die Verantwortung fuer sich für andere fuer die gesamte Zivilisation!Selbst mit der Spende von einem Euro kann ich dazu beitragen im Rahmen von [...] mehr...
Man sollte immer den gleichen Maßstab anlegen. Einem Reichen tut es ähnlich weh wie einem Normalverdiener, wenn er die Hälfte seines Vermögens weggibt. Bill Gates hat ca. die Hälfte seines Vermögens gespendet. Das war eine [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Pakistan | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH