ThemaWaldbrändeRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
08.09.2010
 

Colorado

Tausende Menschen fliehen vor Waldbränden

Brände in Colorado: Gouverneur ruft Notstand aus
Fotos
AP

Waldbrände haben im US-Bundesstaat Colorado Dutzende Häuser zerstört. Tausende Anwohner mussten sich vor den Flammen in Sicherheit bringen. Ein Wagen, der in einen Propangas-Tank gerast war, soll ersten Erkenntnissen zufolge den Brand ausgelöst haben.

Denver - Trotz der Schwere der Brände sei bisher niemand verletzt worden, sagte Joe Pelle, Sheriff des Boulder County im Norden von Colorado. Einige Anwohner berichteten jedoch, sie seien dem Feuer nur knapp entkommen. "Ich bin gerade durch eine Flammenwand gefahren", sagte ein Autofahrer einem lokalen TV-Sender.

Mittlerweile seien über 90 Gebäude ein Opfer der Flammen geworden, teilten die Behörden mit. Rund 3500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, als der von starken Windböen angefachte Waldbrand durch einen Canyon zog und Dutzende Gebäude zerstörte.

Der Gouverneur von Colorado, Bill Ritter, hatte am Dienstagvormittag (Ortszeit) den Notstand ausgerufen. Das Feuer war am Montag in einer Schlucht nordwestlich des Bezirks Boulder ausgebrochen. Ersten Erkenntnissen zufolge soll ein Wagen, der in einen Propangas-Tank gerast war, den ersten Brand ausgelöst haben, teilten die Behörden mit.

Man werde der Flammen in dem schwer zugänglichen, ausgetrockneten Hinterland nicht so schnell Herr werden, warnte Pelle und rief seine Landsleute auf "für Regen zu beten". Das Rote Kreuz richtete auf dem Gelände der University of Colorado in Boulder Notunterkünfte ein.

Gegen den Brand, der sich inzwischen über ein Gebiet von 28 Quadratkilometer erstreckt, kämpften am Montag rund 300 Feuerwehrleute an. Etwa ein halbes Dutzend Straßen in der Region mussten gesperrt werden.

Im Laufe des Tages ließen die heftigen Böen nach, drei Löschflugzeuge konnten gegen die Flammen eingesetzt werden.

Die Evakuierung des Gebietes war laut Sheriff Rick Brough am Montag durch einen Ausfall des Alarmsystems der Region behindert worden. Zwei Stunden lang mussten die Beamten die Medien um Hilfe bitten, um die Nachricht über die Waldbrände zu verbreiten.

Die fehlenden Informationen erzürnten mehrere Anwohner. "Wir erfahren überhaupt nichts. Das frustriert mich total", sagte Ronda Plywaski, die sich am Montag vor den Flammen in Sicherheit bringen musste. "Ich will doch nur wissen, ob mein Haus noch steht."

Die Behörden kündigten laut CNN an, die Adressen zerstörter Häuser auf einer Website zu veröffentlichen. Wer nach Hause wolle, müsse sich aber mindestens zwei Tage gedulden, so Sheriff Brough. Der Bundesstaat Colorado wolle fünf Millionen Dollar zur Verfügung stellen, um Häuser und Wälder vor den Flammen zu retten, sagte Gouverneur Ritter.

"Es ist für die Anwohner jetzt wichtig, die Ruhe zu bewahren", sagte Ritter laut CNN nach einer Tour durch das betroffene Gebiet. Die Situation sei sehr unbeständig. Es gebe eine Feuerlinie und die Feuerwehr versuche mit allen Mitteln, diese zu kontrollieren. "Gleichzeitig brechen durch die Glut aber immer wieder neue, kleinere Brände aus."

Er warnte die Menschen, nicht zu früh in ihre Häuser zurückzukehren. "Man denkt erst, man sei in einem sicheren Ort und sieht dann plötzlich eine Flamme am Straßenrand auflodern", so der Gouverneur. Er habe ganze Berghänge in Flammen stehen sehen.

Dutzende Anwohner verfolgten die Berichte laut der "Los Angeles Times" auf einem Parkplatz vor dem Gerichtsgebäude in Boulder und versuchten sich gegenseitig zu beruhigen. "Hier zu sitzen und zu hören, dass überall die Häuser einstürzen, macht uns aber große Angst", sagt die 59-jährige Debora Bryant.

Ihr Lebensgefährte Barry Aaron sagte, es sei Asche herabgefallen, als die beiden aus ihrem Haus in Pine Brook Hills flohen. "Es sah aus, als würde es im September schneien", so der 60-Jährige.

Justin Dickenson machte gerade eine Tour mit seinem Mountainbike, als er von der Evakuierung der Region hörte. Er fuhr zurück zu seinem Auto und traf später im Haus von Bekannten in einem Vorort von Louisville auf seine Familie. Seit zehn Jahren lebt der 36-Jährige schon im Canyon. "Man weiß, hier kann immer ein Feuer losgehen. Aber man denkt nie, dass dieser Tag wirklich kommt."

Laut der Aussage einiger Feuerwehrleute stehen in den betroffenen Schluchten viele Pinien, die von Käfern befallen sind und wegen Krankheit und Dürre sehr anfällig für Feuer sind. Die Käfer graben sich unter die Rinde der Bäume und haben auf diese Weise schon über 1,4 Millionen Hektar Wald befallen.

hip/dpa/AP

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles aus der Rubrik Gesellschaft
alles zum Thema Waldbrände

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP