1,54-Promille-Fahrt: Bischöfin Käßmann tritt zurück

Für den Nachmittag hat Margot Käßmann eine Erklärung zu ihrer Alkoholfahrt angekündigt - nun wird klar, was die Bischöfin zu sagen hat: Nach SPIEGEL-Informationen wird sie als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche zurücktreten.

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Margot Käßmann: Bischöfin in der Bredouille

Hannover - Margot Käßmann will nach Informationen des SPIEGEL vom Amt als Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurücktreten. Die 51-Jährige zieht damit die Konsequenzen aus ihrer Trunkenheitsfahrt vom vergangenen Samstag, Personen in ihrem Umfeld reagierten überrascht. Ob sie auch das Amt der Bischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover aufgeben wird, war zunächst unklar. Käßmann will sich am Nachmittag in Hannover vor Journalisten äußern.

Mit dem Rücktritt von Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende rückt ihr Stellvertreter in den Blick. Nikolaus Schneider, seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, wird zunächst den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland leiten - und damit höchster Repräsentant von 25 Millionen evangelischen Christen sein. Der 62-Jährige ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement.

Käßmann war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Sie hatte zuvor im Zentrum von Hannover eine rote Ampel missachtet. Die Bischöfin hatte die Fahrt zutiefst bedauert und erklärt, sich den rechtlichen Konsequenzen stellen zu wollen.

Kurzfristig anberaumte Telefonkonferenz

Der Rat der EKD hatte seiner Vorsitzenden vor ihrer Entscheidung öffentlich den Rücken gestärkt. In einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz am späten Dienstagabend, an der auch Käßmann selbst teilgenommen hatte, stellten sich die 14 Mitglieder des Rates nach Angaben des EKD-Pressesprechers einmütig hinter die Bischöfin von Hannover. "In ungeteiltem Vertrauen überlässt der Rat seiner Vorsitzenden die Entscheidung über den Weg, der dann gemeinsam eingeschlagen werden soll", hieß es in einer Mitteilung. Auf der nächsten regulären Ratssitzung in dieser Woche solle der Fall abschließend bewertet werden.

Einen Rücktritt hatte Käßmann bereits 2007 nach ihrer Scheidung erwogen, war wegen des klaren und großen Rückhalts aus der Landeskirche aber im Amt geblieben.

Die Bischöfin erwartet wegen ihrer Trunkenheitsfahrt ein Strafverfahren, da Alkoholvergehen am Steuer ab 1,1 Promille keine Ordnungswidrigkeit mehr sind. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einem zügigen Abschluss des Verfahrens. Da im Moment nicht davon auszugehen sei, dass die EKD-Ratsvorsitzende bei ihrer Fahrt andere konkret gefährdet habe, sei alleine der ermittelte Wert von 1,54 Promille relevant, sagte Staatsanwalt Jürgen Lendeckel am Mittwoch.

Der unbekannte Beifahrer

Bei ihrer Alkoholfahrt hatte Käßmann einen Beifahrer. Dessen Personalien seien aber nicht aufgenommen worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Hannover, Klaus Engemann. Ein Beifahrer spiele nur dann als Zeuge eine Rolle, "wenn der Fahrer völlig kontrollunfähig ist." Dies sei hier offensichtlich nicht der Fall gewesen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sei noch Samstagnacht über den Vorfall informiert worden.

Am Dienstagabend hatte sich erstmals ein führendes EKD-Mitglied zu der Trunkenheitsfahrt öffentlich geäußert. "Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt", sagte die Präses der EKD-Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der "Tagesschau".

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) betonte, Geistliche seien auch nur Menschen, die Heiligkeit der Kirche beziehe sich nicht auf die Heiligkeit der Amtsträger.

siu/apn/AFP/dpa

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Forum - Käßmanns Rücktritt - richtige Entscheidung?
insgesamt 1585 Beiträge
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    Seite 1    
1.
Klo 24.02.2010
Zitat von sysopMargot Käßmann hat eine Erklärung angekündigt - nun sickert bereits vorab durch, was die Bischöfin wohl sagen wird: Sie werde als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche zurücktreten, melden "Bild" und die Nachrichtenagentur DAPD. Ihr Rücktritt, eine richtige Entscheidung?
Ich halte einen Rücktritt für ziemlich unsinnig, da die Frau erstens ein rein privates Verkehrsdelikt begangen hat, für das sie ganz normal abgeurteilt wird und zweitens kein politisches Amt bekleidet, in dem sie dieses Delikt begangen haben könnte. Mit einem Rücktritt würde sie die Hürden für alle zukünftigen derartigen Vorfälle - gerade auch von besoffenen Provinzpolitikern - sehr niedrig hängen. Heute ist selbst ein Wiesheu, der im Suff bereits Menschen zutode gefahren hat, noch voll in Amt und Würden und fett versorgt bis ans Lebensende, im Gegensatz zu seinen Opfern. Wenn also solche Vorfälle zukünftig das Amt kosten, dann dürfen wir uns auf eine rasche Leerung der Parlamente freuen.
2.
baloo64 24.02.2010
Jemand wie sie hat eine Vorbildsfunktion. Sie hat eine Dummheit begangen und zieht nun die Konsequenzen daraus. Ich hoffe Sie tut es aus eigenen Willen und nicht auf Druck der Kirche und der Medien. Wenn es Ihre eigene Entscheidung ist, dann Hut ab! Soviel Schneid haben nicht viele und so mancher unserer sogenannten Politiker können sich daran ein Beispiel nehmen!
3. Sieg
harrold 24.02.2010
Zitat von sysopMargot Käßmann hat eine Erklärung angekündigt - nun sickert bereits vorab durch, was die Bischöfin wohl sagen wird: Sie werde als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche zurücktreten, melden "Bild" und die Nachrichtenagentur DAPD. Ihr Rücktritt, eine richtige Entscheidung?
""Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt", sagte die Präses der EKD-Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der "Tagesschau"." Das war wohl die Rache der Kriegshetzerin Grünen-Politikern an der Bischöfin, die es gewagt hat, Mord und Totschlag im Krieg moralisch in Zweifel zu ziehen - IN EINER PREDIGT. Die dumme Göring-Eckardt sollte kapieren, dass eine Predigt etwas anderes ist als eine politische Stellungnahme. Aber so scheint es zu sein: Der Abschaum siegt.
4.
Gabri 24.02.2010
Eine folgerichtige Entscheidung, aber auffallend, dass sie meist nur von Frauen getroffen wird, während Männer oft bis zum Gehtnichtmehr auf ihrem Stuhl kleben. Für die Kirche sehr schade. Käßmann ist trotzdem eine tolle Frau!
5.
Mischa Dreesbach 24.02.2010
Respekt, Frau Käßmann, diese konsequente Haltung würde ich mir auch von Politikern wünschen...
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Margot Käßmann, 51, war seit Oktober 2009 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und damit die erste Frau in diesem Amt. Seit 1999 stand die Theologin zudem als Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover vor. Bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss am 20. Februar 2010 fuhr Käßmann in Hannover über eine rote Ampel. Nach diesem Vorfall sei ihre "Autorität beschädigt" - Käßmann trat von ihren Spitzenämtern zurück, arbeitet aber weiter als Pastorin. Die Mutter von vier Kindern ist geschieden. Mehr auf der Themenseite...