Teilnehmerin der Vereidigung Obamas: 15-Jährige in Chicago erschossen

Eine Woche nach ihrem Auftritt bei der Amteinsetzung von US-Präsident Barack Obama ist eine 15-Jährige erschossen worden. Hadiya Pendleton wurde in einem Park in Chicago in den Rücken getroffen - als sie versuchte, vor dem Schützen zu fliehen.

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AP/ Damon Stewart

15-jährige Pendleton: Erschossen im Park

Chicago - Ein weiterer Todesfall eines Teenagers durch Waffengewalt erschüttert die USA: In der Heimatstadt von US-Präsident Barack Obama, Chicago, und nur etwa eine Meile von seinem früheren Wohnsitz entfernt, ist die 15-jährige Hadiya Pendleton erschossen worden. Sie war noch am 21. Januar mit ihrer Schulband bei den Feierlichkeiten zu Ehren von Obamas Inauguration aufgetreten. Der Präsident und seine Frau sprachen der Familie ihr Beileid aus.

Hadiya war in einem Park mit einigen Freunden am Dienstagnachmittag, als laut Behördenangaben ein Mann plötzlich das Feuer auf die Gruppe eröffnet hätte. Die Gruppe hätte noch versucht zu fliehen, aber Hadiya sei in den Rücken getroffen worden und wenig später im Krankenhaus verstorben. Ein Junge aus der Gruppe sei mit einer Schusswunde im Bein in ein Krankenhaus eingeliefert worden, soll aber nicht in Lebensgefahr sein.

Das Motiv sei noch vollkommen unklar. Hadiya hätte keinerlei Vorstrafen gehabt und keiner in der Gruppe soll Kontakt zu Gangs gehabt haben. Die Behörden nehmen zurzeit an, dass sich der Täter geirrt haben könnte. "Wir glauben, dass der Schütze es nicht gezielt auf Pendleton abgesehen hatte", sagte Polizeisprecher Garry McCarthy. "Das junge Mädchen war wohl ein zufälliges Opfer." Vielleicht habe eine Gang ihr Territorium bedroht gesehen oder der Täter jemanden aus der Gruppe mit einem Mitglied einer feindlichen Gang verwechselt.

Die Schießerei kommt zu einer Zeit, in der die Gewalt in Chicago Überhand nimmt. Mehr als fünfhundert Menschen starben im vergangenen Jahr bei Schießereien. Und der Januar war einer der blutigsten Monate seit über zehn Jahren: Hadiya Pendleton war schon das 42. Opfer von Waffengewalt.

Das Weiße Haus drückte sein Mitgefühl aus. "Die Gedanken und Gebete von Präsident Obama und der First Lady sind mit der Familie", sagt Sprecher James Carney.

Präsident Obama versucht seit dem Massaker von Newtown im vergangenen Dezember schärfere Waffengesetze durchzusetzen. Vor allem will er den Besitz von Sturmgewehren erschweren und die Überprüfung potentieller Waffenkäufer verschärfen. Da im Kongress aber die Republikaner die Mehrheit haben, ist fraglich, ob ihm das gelingen kann. Auch die Waffenlobby NRA hat energischen Widerstand gegen jegliche Verschärfung angekündigt.

Der Polizeisprecher sagte, jeder Park in Chicago werde mit Polizisten besetzt, "24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr", und zwar so lange bis die Gangs verstanden hätten, dass die Parks der Gemeinschaft und nicht ihnen gehörten. Auch der Vater von Hadiya nahm an der Pressekonferenz teil, die in dem Park stattfand, in dem seine Tochter tödlich getroffen worden war. "Wer immer das getan hat", sagte Nathaniel Pendleton, "hat mir das Licht des Lebens genommen."

cvb/AP

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